Nach einer Fahrt im Ferrari 296 GTB Hybrid mit 819 bhp sagt niemand: „Was ihm fehlt, sind etwas weniger Gewicht und etwas mehr Leistung.“ Wirklich niemand. Offenbar mit Ausnahme der Ferrari-Ingenieure. Denn der neue Ferrari 296 Speciale wiegt 60 kg weniger und leistet 868 bhp. Zugegeben: Gegenüber dem ohnehin enorm starken „Einsteiger“-Ferrari sind das vergleichsweise überschaubare Veränderungen. Entscheidender dürfte jedoch sein, dass Ferrari beim Speciale von mehr Fahrspaß – und größerer Intensität – am Steuer spricht.
Ferrari 296 Speciale: weniger Gewicht, mehr Abtrieb
Was hat sich außerdem verändert? Der Abtrieb soll um 20 Prozent gestiegen sein – bei 240 km/h, auf einer Rennstrecke also keineswegs ein absurdes Tempo. Gegenüber dem Serienmodell liegt der Wagen tiefer, fährt Kurven schneller und soll noch präziser bremsen sowie einlenken. Zudem steckt mehr Titan in ihm als in einem Airbus A380. Er ist auch als Cabriolet erhältlich, das allerdings 50 kg mehr als das Coupé wiegt.
Für Puristen dürfte das Coupé die naheliegende Wahl sein. Der 296 Speciale steht in einer ruhmreichen Modelltradition: Er ist die 296-Generation der 360 Challenge Stradale, F430 Scuderia, 458 Speciale und 488 Pista. Keines dieser Modelle würde man aus einer Traumgarage verbannen. Das Rezept übernimmt im Wesentlichen deren Prinzip: leichter, schneller, mehr. Vor allem aber ist alles konsequent auf ein noch befriedigenderes Fahrerlebnis ausgerichtet.
Der Leistungszuwachs spielt bei einem Hybrid mit Turboaufladung letztlich nur eine Nebenrolle. Dem Verbrennungsmotor werden durch veränderte Ladedruckstrategien für die Turbolader – angelehnt an die Abstimmung des 296 Challenge – 36 bhp zusätzlich entlockt. Hinzu kommen zahlreiche geschmiedete Kolben und Kurbelwellen aus Titan. Der zwischen dem 3,0-Liter-V6 und dem Achtganggetriebe platzierte Elektromotor leistet nun 177 bhp und ermöglicht damit die Gesamtleistung von 868 bhp. Das sind überschaubare 49 bhp mehr als beim GTB, doch der Motor unterstützt das Getriebe jetzt mit einem kleinen Drehmomentplus, damit die Gangwechsel noch schneller und „emotionaler“ ausfallen.
Titan und Kohlefaser senken das Gewicht
Die Gewichtsersparnis ist allerdings nicht vollständig serienmäßig enthalten. Stoßfänger, Motorabdeckung und Räder aus Carbon sind optional, wobei leichte Schmiederäder zur Serienausstattung gehören. Der umfangreiche Einsatz von Titan für Motorkomponenten, Zylinderkopfstehbolzen, sämtliche Befestigungselemente, Federn an den Multimatic-Dämpfern, Auspuffanlage und weitere Bauteile spart jedoch bereits erheblich Gewicht. Zusätzlich wurden Motorblock und Kurbelgehäuse von überflüssigem Material befreit. Sogar der Turbolader ist leichter geworden. Wie bei jedem Ferrari kostet es allerdings extra, wirklich jedes mögliche Kilogramm zu sparen und das Trockengewicht von 1.410 kg zu erreichen – beim Spider sind es 1.460 kg.
Auch optisch unterscheidet sich der Wagen. An der Front sitzt nun ein „Aero-Dämpfer“, der Luft von der vorderen Stoßstange unter dem Auto hindurch zur Oberseite der Fronthaube und über die Windschutzscheibe leitet. Sein Hauptzweck ist die Stabilisierung. Über den vorderen Radhäusern befinden sich Entlüftungsöffnungen, während hinter den seitlichen hinteren Lufteinlässen kleine, angedeutete Flügel auf den hinteren Seitenteilen sitzen. Diese führen wiederum Luft aus dem Bereich der Hinterräder ab.
Die Aeroelemente beruhigen nicht nur das Heck und erzeugen zusätzlichen Abtrieb, sondern arbeiten auch mit dem aktiven Heckspoiler zusammen. Dessen Funktionsweise ähnelt der des GTB, doch nun gibt es zusätzlich eine mittlere Stellung neben dem Modus für geringen Luftwiderstand und der Position für maximalen Abtrieb beziehungsweise als Luftbremse. Irgendwo dazwischen liegt also der passende Goldlöckchen-Moment.
Fahrleistung und Qualify-Modus des 296 Speciale
Im Kern geht es hier nicht zwingend um Messwerte. Ferrari nennt fünf quantifizierbare Faktoren, deren Steigerung die Freude am Fahren erhöhen soll: Quer- und Längsbeschleunigung, Schaltvorgänge, Bremsen und Klang. Beim 296 Speciale wurden sie alle in unterschiedlichem Umfang verbessert. Die Zahlen selbst sind dennoch beachtlich: von null auf 100 km/h in 2,8 Sekunden, mehr als 330 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Fiorano-Rundenzeit von 1 min 19 s, während ein GTB 1 min 21 s benötigt. Auf einer so kurzen Strecke ist das kein geringer Vorsprung.
Neu ist außerdem ein Modus namens „Qualify“, der beim Herausbeschleunigen aus Kurven den Schub des Elektromotors steuert, um Rundenzeiten zu senken. Die Regelsysteme können die Zusatzleistung so dosieren, dass jederzeit ein anhaltender Schub bereitsteht, ohne das System zu überhitzen. Rechts neben dem Drehzahlmesser zeigt eine spezielle Anzeige zudem, wie viele zusätzliche Boost-Impulse noch verfügbar sind. Das System lernt sogar die Strecke: In Fiorano nutzt es beispielsweise 14 Impulse über zwei Runden, während die Funktion auf dem Kurs von Mugello 15 Boost-Impulse innerhalb einer Runde erlaubt.
Die gute Nachricht: Dieses Modell ist nicht limitiert. Die Produktionszeit ist allerdings begrenzt, wodurch sich die Stückzahl automatisch einschränkt. Außerdem muss man bei Ferrari ein sogenannter „aktiver Kunde“ sein und in den vergangenen fünf Jahren irgendeinen Ferrari gekauft haben. Danach muss man nur noch weit genug oben auf der Warteliste stehen. Wer also €407.000 für das Coupé oder €462.000 für den Spider bereithält, hat Glück – wobei die Preise je nach lokalen Steuer- und Zollanforderungen variieren.
Wenn sich der 296 Speciale so fährt wie frühere Sondermodelle, könnte es für diese auf 11 gedrehte Version sogar ein komplett neues Einstellrad brauchen.
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