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Audi RS5: 630-PS-Plug-in-Hybrid greift BMW M3 Touring an

Roter Audi RS Avant fährt auf kurviger Gebirgsstraße bei Sonnenuntergang.

Audis RS-Modelle wirkten schon immer, als hätten sie über irgendetwas schlechte Laune. Deshalb lässt sich beim neuen RS5 kaum sagen, ob ihn seine plötzliche Gewichtszunahme ärgert, die Aufgabe, sterbliche Hände zu unterhalten, die hektisch am Lenkrad rudern, oder der Umstand, dass er teilweise elektrisch angetrieben wird.

Denn ja, es ist passiert: Audi Sport hat erstmals überhaupt ein Plug-in-Hybridsystem in ein RS-Modell eingebaut. Herausgekommen ist ein ausgesprochen grimmiger Performance-Kombi mit 630 PS. Vorsicht, BMW M3 Touring: Der ursprüngliche schnelle Kombi ist zurück und bereit für einen gewaltigen Kampf.

Den neuen RS5 gibt es natürlich auch als Limousine. Und nein, die Bezeichnung ergibt für alle, die mit schnellen, kleineren Audi-Limousinen und -Kombis namens RS4 aufgewachsen sind, weiterhin keinen Sinn. Egal: 630 PS wären für Marty McFly schlicht „schwer“.

Tatsächlich ist der RS5, wie bereits erwähnt, auch im wörtlichen Sinn ziemlich schwer. Audi nennt für die Limousine 2.355 kg und für den Kombi 2.370 kg. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber der Vorgängergeneration mit 1.790 kg – und erheblich mehr als beim lästigen M3 mit 1.865 kg. Um so viel Masse in Bewegung zu versetzen, braucht es einen kräftigen Motor. Zum Glück ist einer vorhanden.

Es handelt sich um eine „verbesserte“ Ausführung des 2,9-Liter-V6-Biturbobenziners, der allein nun 503 PS leistet. In einem vernünftigen, rationalen Universum wäre das mehr als ausreichend. Nur leben wir nicht dort, sondern hier. Also kommt eine ganze Ladung Hybridtechnik hinzu, um sowohl die verrückte Gesamtleistung als auch das ebenso verrückte Gewicht zu erklären.

Audi RS5 mit Plug-in-Hybrid: Antrieb und Leistung

Zum V6 gesellen sich ein 130-kW-Elektromotor, ein unter dem Kofferraumboden montierter 25,9-kWh-Akku und ein 400-Volt-System. Hinzu kommen ein Achtgang-Tiptronic-Getriebe, das laut Audi dank eines geringeren „Widerstands schwerer rotierender Bauteile“ schneller schaltet als zuvor, ein Mittendifferenzial mit begrenztem Schlupf sowie selbstverständlich der quattro-Allradantrieb.

Audi gibt für den Sprint von 0 auf 100 km/h 3,6 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 285 km/h, sofern das Sportpaket bestellt wurde. Rein elektrisch sollen bis zu 84 km Reichweite möglich sein, in der Stadt sogar 87 km. Im reinen EV-Modus – wohlgemerkt in einem RS – soll der Elektromotor laut Audi „dafür sorgen, dass sich der RS5 wie ein RS-Modell anfühlt“.

In den beiden RS-spezifischen Fahrprogrammen „RS sport“ und „RS torque rear“ hält das System den Ladezustand der Batterie bei 90 Prozent und kühlt sie für maximale Querdynamik aktiv auf 20 Grad Celsius.

RS5-Fahrwerk, Torque Vectoring und Fahrprogramme

Bevor wir uns weiter mit den Fahrprogrammen des RS5 beschäftigen, müssen wir über seine Technik sprechen. Davon gibt es reichlich, und alles ist darauf ausgelegt, das Auto in genau die Richtung zu bewegen, die der Fahrer einschlagen möchte – selbstverständlich auf einer Rennstrecke oder einer gesperrten Straße.

Nach dem gesamten Hybrid-RS-Thema folgt gleich die nächste Premiere: elektromechanisches Torque Vectoring an der Hinterachse. Es „verteilt das Drehmoment schnell und präzise zwischen den Hinterrädern“ – und zwar innerhalb von nur 15 Millisekunden. Es gibt reichlich Techniksprech, der die genaue Funktionsweise erläutert. Kurz gesagt: überwiegend „Hexerei“ und „dunkle Magie“.

Unterm Strich soll das System maximale Beschleunigung, mehr Stabilität beim Ein- und Ausfahren von Kurven sowie Vorteile auf anspruchsvollerem Untergrund liefern. Unterstützt wird es von einem Mittendifferenzial der nächsten Generation, das das üppige Drehmoment des RS5 auf Vorder- und Hinterachse verteilt. Audi zufolge steht es stets unter Vorspannung, „was bedeutet, dass es immer zumindest teilweise gesperrt ist“.

Dadurch soll Untersteuern abnehmen, die Präzision des Fahrzeugs steigen und die Kraft zwischen Gaswegnehmen und Beschleunigen schneller an die Räder gelangen. Erkennen Sie das Muster?

Weitere Anpassungen umfassen eine neu entwickelte Fünflenker-Vorderachse mit neuen Gelenken, Lenkern und Buchsen sowie eine Hinterachse, die komplett neu konstruiert wurde. Die Stoßdämpfer arbeiten mit zwei Ventilen, die Lenkung wurde für mehr Rückmeldung überarbeitet, und die Bremsanlage fällt riesig aus: 420 mm vorn und 400 mm hinten. Sogar ein „Boost“-Modus ist an Bord, der zehn Sekunden lang die maximale Leistung freigibt.

Puh. Es geht noch weiter. Zahlreiche Fahrprogramme stehen zur Wahl – die üblichen Verdächtigen. Besonders interessant ist jedoch „RS torque rear“, das für „kontrollierte Drifts“ eine maximale Hinterradbetonung liefert. „RS sport“ wiederum ist auf Geschwindigkeit und Agilität ausgelegt.

Breite Karosserie und RS-Innenraum

Wie dieses Auto aussieht, wird jeder anders beurteilen. Aus Sicht von TopGear.com wirkt es jedoch ... ziemlich brachial. Gegenüber dem normalen A5 wächst der RS5 vorn und hinten auf jeder Seite um volle vier Zentimeter in die Breite. Die passende Analogie mit Fitnessstudio oder sämtlichen Kuchen aufessen darf sich jeder selbst aussuchen. Audis Singleframe-Grill und die seitlichen Lufteinlässe sehen breiter und wütender aus als je zuvor; dazu kommen weitere Öffnungen, die obligatorisch ausgestellten Radhäuser, Diffusoren, Finnen und eine spezielle Abgasanlage. Wie eingangs gesagt: Er ist wütend.

Im Innenraum gibt es keine Überraschungen: Er orientiert sich am überarbeiteten A5, nur eben noch stärker im RS-Stil. Geboten werden also zahlreiche OLED-Bildschirme, ein speziell konfiguriertes virtuelles Cockpit, optional ein Head-up-Display, Sportsitze, edle Materialausführungen sowie etwas namens „Fahrerlebnis“. Dieses System ermöglicht die Analyse von Lenkeingaben und Rundenzeiten. Nutzung auf eigene Gefahr.

„Das ausgeklügelte technische Zusammenspiel von Verbrennungsmotor und Elektroantrieb verbindet bei Audi Leistung und Effizienz auf neue Weise“, sagte Konzernchef Gernot Döllner. „Kunden können sowohl maximale Sportlichkeit als auch Alltagskomfort erleben.“

Diese Kunden sollten allerdings einiges an Geld verfügbar haben. Die Preise für Großbritannien wurden noch nicht bekannt gegeben. In Deutschland startet die Limousine jedoch bei 106.200 €, der Avant bei 107.850 €.

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