Frank Stephenson hat als Automobildesigner mehr Erfolge als die Beatles vorzuweisen: Dazu zählen der Escort RS Cossie, der erste BMW Mini, der Maserati MC12, zahlreiche Ferraris und der McLaren P1. Heute leitet er seine eigene Beratung, Frank Stephenson Design. Hier schildert er seine Einschätzung zum Kimera EV037.
Hätte Nostalgie einen Turbolader auf dem Rücken, sähe sie dem Kimera EVO37 vermutlich sehr ähnlich. Wenn man die Vergangenheit richtig interpretiert, kann sie uns noch immer einiges beibringen – und Kimera zeigt, wie man wieder grinst, als wäre es erneut 1983.
Ausgangspunkt war das letzte Fahrzeug mit Hinterradantrieb, das die Rallye-Weltmeisterschaft gewann: der legendäre, von Sergio Limone entworfene Lancia 037. Kimera will dessen Charakter einfangen – kompromisslos authentisch, herrlich ungefiltert und unverblümt roh. Schon der erste Eindruck strotzt vor Haltung, besonders in der ikonischen Martini-Lackierung. Dafür gebührt Luca Borgogno, früher bei Pininfarina und Leiter des Designs dieses Restomod-Projekts, Anerkennung.
Proportionen und Karosserie des Kimera EVO37
Die neu aufgelegten Räder wirken fast zu gross für eine Rallyeprüfung, verleihen dem Wagen nach heutigen Massstäben jedoch eine beinahe comicartige Silhouette. Kurze Überhänge vorne wie hinten treffen auf kantig ausgestellte Radhäuser und sorgen für einen gedrungenen, entschlossenen Auftritt. Die hintere Stossstange lässt sich vollständig abnehmen, damit man jedem, der mitzuhalten versucht, Kies ins Gesicht schleudern kann.
Die konische Auspuffform erinnert an das Group-B-Monster. Wie beim Rallyeauto kann die hintere Stossstange entfernt werden. Ausschnitte in ihr legen das Hinterrad frei. Der Stand ist breit. Das Raddesign ist ausgezeichnet, doch möglicherweise knapp 2,5 cm zu gross und hier fast komisch. Die Aussenspiegel sind sauber in den Fuss der A-Säule integriert. Group-B-Fahrzeuge mussten sich nicht mit dem gefürchteten dritten Bremslicht befassen – hier wirkt es etwas grob. Das sofort erkennbare Profil betont die Mittelmotorkonfiguration sowie die gewölbte, kraftvolle und satt auf der Strasse stehende Form. Versteckter Türgriff – sauber. Der Heckflügel wirkt ohne Grafiken leer …
Das Exterieur interpretiert seinen Vorgänger hervorragend neu und verbindet dessen unverwechselbare Rallyeauto-Linie meisterhaft mit modernem Designverständnis.
Cockpit mit analogem Group-B-Charakter
Für ein Auto, das sich der Marke von 700.000 Pfund nähert, fällt der Innenraum etwas schlicht aus – doch genau das ist beabsichtigt. Der Kimera soll das unverfälschte Group-B-Erlebnis auf die Strasse bringen. Entscheidend sind die drei Pedale, die analogen Schalter und die hervorragende Rundumsicht, ermöglicht durch die von den 1980er-Jahren inspirierten schlanken A-Säulen. Nostalgischer Charme und moderne Technik werden gekonnt miteinander verknüpft. Hochwertiges Leder und wildlederähnliches Alcantara treffen auf analoge Instrumente und digitale Anzeigen; zusammen ergeben sie eine zeitgemässe, zugleich originalgetreue Auslegung des ursprünglichen 037.
Enorme seitliche Lufteinlässe versorgen den 2,1-Liter-Vierzylinder. Kräftige Schultern unterstreichen die Breite und helfen, das Auto fest auf die Strasse zu drücken. Aktuelle, funktionale Aerodynamikdetails fügen sich stimmig in die ikonische Form ein, etwa der markante Frontsplitter und der einzigartige Heckflügel. Moderne LEDs sehen mit einem gelben Rallye-Ton am besten aus.
Designurteil zum Kimera EVO37
Wenn Design Geschichten erzählen soll, liefert der EVO37 eine grossartige: Er erinnert sich an seine Herkunft, weiss aber ebenso, wohin er unterwegs ist. So holt man eine Ikone in die Gegenwart und führt ihr Vermächtnis für die nächste Generation fort.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen