Zum Inhalt springen

Volkswagen Touareg R im Test: der stärkste Plug-in-Hybrid

Blauer Volkswagen Touareg R SUV an Ladestation in modernem, weißem Ausstellungsraum

Volkswagen erlebt derzeit einen regelrechten Plug-in-Hybrid-Boom: In etwas mehr als einem Jahr haben die Wolfsburger rund zehn Modelle vorgestellt, die elektrische Energie nutzen, um die Fahrleistungen zu steigern und den Verbrauch zu senken. Gleichzeitig sollen sie 50 bis 60 km lokal emissionsfrei zurücklegen können. Nun erhält auch der Touareg R diese bei europäischen Kunden zunehmend gefragten Eigenschaften, die wir in Hannover erproben konnten.

Optisch gibt sich das große Volkswagen-SUV zunächst zurückhaltend. Auffällige Spoiler oder markante Endrohre am Heck sucht man vergebens. Dennoch verraten einige Details, dass er sich von seinen ruhigeren Baureihengeschwistern abhebt – obwohl die typischen Käufer der Volkswagen-R-Modelle in Deutschland im Schnitt etwa zehn Jahre älter sind als AMG- und M-Kunden.

Dazu zählen der schwarz ausgeführte Kühlergrill, zahlreiche R-Logos an der Karosserie, spezifische Stoßfänger, größere Räder im Format 20 bis 22 Zoll, abgedunkelte LED-Rückleuchten sowie verschiedene schwarze Zierelemente, die für mehr optische Dramatik sorgen.

Im Innenraum hebt sich der Touareg R mit Sportsitzen samt R-Emblem und besonderen Nähten sowie einer umfangreicheren Serienausstattung von den übrigen Versionen ab. An Bord sind eine Vier-Zonen-Klimaautomatik, das Innovision Cockpit mit 12-Zoll-Digitalinstrumenten und dem aktuellen Discover-Premium-Navigationssystem auf dem großen 15-Zoll-Zentraldisplay, ein Panorama-Ausstell-/Schiebedach sowie das fortschrittliche Matrix-IQ.Light-Lichtsystem.

Der leistungsstärkste Volkswagen

Als neues Spitzenmodell der Baureihe verbindet der Touareg R sportliche und umweltorientierte Ambitionen. Dafür arbeitet ein 3,0-Liter-V6-TSI mit 340 PS mit einem 100-kW-/136-PS-Elektromotor zusammen, der in das an den V6 gekoppelte Getriebe integriert ist. Aus diesem Antrieb haben die Deutschen zwei Varianten abgeleitet: den eHybrid mit einer maximalen Systemleistung von 381 PS und 600 Nm sowie den hier gefahrenen R, der 462 PS und 700 Nm erreicht.

Damit ist er der bislang stärkste Volkswagen aus Serienproduktion. Trotz seines Gewichts von 2,5 t – 500 kg mehr als ein Touareg V6 ohne Hybridantrieb – sprintet er in nur 5,1 s auf 100 km/h und erreicht anschließend 250 km/h.

Der schwächere eHybrid absolviert den gleichen Sprint in 5,9 s und liegt damit auf dem Niveau des Touareg V6 ohne Plug-in-Technik. Die elektrische Unterstützung kann dort also lediglich das zusätzliche Gewicht des kompletten Hybridsystems ausgleichen. Kenner werden wissen, dass derselbe Antrieb auch in den Plug-in-Hybridversionen von Porsche Cayenne, Bentley Bentayga und Audi Q7 eingesetzt wird, allerdings jeweils passend zu den Ansprüchen der Premium- und Luxusmarken abgestimmt.

Ohne aktive Wankstabilisierung und Hinterachslenkung

Technisch orientiert sich der R eng am nicht hybridisierten Touareg V6. So nutzt er beispielsweise eine Zweikammer-Luftfederung statt der Dreikammer-Lösung, wie sie etwa im Cayenne Hybrid verbaut wird.

Allein das macht die grundlegende Ausrichtung des Touareg R deutlich: Er will vor allem Komfortkönig sein und kein Kurvenfresser. Rechnet man das beträchtliche Mehrgewicht hinzu und berücksichtigt, dass der R weder mit Hinterachslenkung noch mit aktiven Stabilisatoren erhältlich ist, wird klar, dass dies nicht der agilste und präziseste Touareg ist.

Beide Systeme wären durchaus interessant, doch für sie ist schlicht kein Platz vorhanden, weil der Plug-in-Hybridantrieb viel Raum beansprucht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es ihm an fahrdynamischem Können fehlt. Sein hohes Gewicht kontert der Touareg R mit der Kraft zweier Antriebe und dem Allradantrieb. In beiden Fällen übertragen die Achtstufen-Automatik Tiptronic und ein Verteilergetriebe die Leistung auf Vorder- und Hinterachse, womit ein permanenter 4Motion-Allradantrieb entsteht. Die Torsen-Mittendifferenzialsperre mit dynamischer, asymmetrischer Drehmomentverteilung fungiert dabei als Verteilergetriebe für den Kraftaustausch zwischen beiden Achsen. Maximal 70 % des Drehmoments können an die Vorderräder und bis zu 80 % an die Hinterräder gelangen.

Volkswagen Touareg R: souverän in unterschiedlichen Einsatzbereichen

Der Fahrer kann entscheiden, ob er rein elektrisch bis 135 km/h fahren möchte oder dem System im Hybridmodus die Wahl der jeweils passenden Antriebsart überlässt. Darüber hinaus lässt sich der Batterieladestand festlegen, mit dem das Ziel erreicht werden soll – etwa für den letzten Abschnitt einer Fahrt durch ein Stadtgebiet. Liegt der Ladezustand unter diesem Wert, sorgen der Benzinmotor und das Rekuperationssystem während der Fahrt für Nachladung.

Selbst wenn das Fahrwerk über das Sportprogramm möglichst dynamisch eingestellt wird – ausgewählt über den Drehregler in der Mittelkonsole, der zusätzlich zu den üblichen Fahrprogrammen auch Offroad und Schnee bietet – und das SUV mit dem rechten Drehregler 15 mm abgesenkt wird, fährt der Touareg R nie unangenehm hart.

Das Gaspedal reagiert direkter, die Achtstufen-Automatik schaltet schneller, und die Lenkung passt sich dem sportlicheren Gesamtbild an, indem sie schwerer wird. Dennoch erreicht sie nicht die Präzision und Rückmeldung eines Porsche Cayenne. Das ist auch nicht das Ziel.

Zum Testprogramm gehörte eine Offroad-Strecke. Dort zeigte sich deutlich, dass sich der ohnehin sehr fähige Touareg auf anspruchsvollen unbefestigten Wegen wohlfühlt. Er erklimmt und durchquert loses oder schlammiges Gelände, bewältigt starke Achsverschränkungen und überwindet wirklich bedrohliche Löcher und Bodenwellen. Dabei helfen die gleichmäßige und unmittelbar verfügbare Kraft des Elektromotors.

Ebenfalls sehr nützlich ist die Bergabfahrhilfe für steile Gefälle. Sie lässt sich unkompliziert bedienen, denn ein kurzer Druck aufs Gaspedal erhöht die Geschwindigkeit automatisch; danach bleibt das Tempo unverändert, bis Gas- oder Bremspedal erneut betätigt werden.

Eine Geländeuntersetzung gibt es seit der zweiten Touareg-Generation nicht mehr, vermisst haben wir sie allerdings nicht. Die um 7 cm anhebbare Federung schützt beim Offroad-Fahren vor dem Kontakt mit größeren Hindernissen. Umgekehrt erleichtert eine Absenkung um 4 cm das Ein- und Aussteigen aus dem großen SUV sowie das Be- und Entladen. Der Kofferraum verliert durch die Batterie unter dem Ladeboden allerdings 200 Liter seines Maximalvolumens: Statt 810 l bleiben 610 l. Der Akku besitzt 17,3 kWh, von denen 14,1 kWh nutzbar sind.

Pferdefreunde dürfte interessieren, dass der Touareg R 3,5 t ziehen kann und über einen Anhängerassistenten verfügt, der Rangiermanöver erleichtert. Ebenso praktisch kann das Parken per Fernbedienung über das Smartphone sein. Wechselstromladen ist mit 2,3, 3,6 oder 7,2 kW möglich; eine vollständige Ladung dauert zwischen 7 und 2,5 Stunden.

Die Nutzung „bestimmt“ den Verbrauch

Wie hoch die Energiekosten für den Betrieb eines Fahrzeugs ausfallen, bestimmt der Fahrer immer zu einem großen Teil selbst. Bei Plug-in-Hybriden gilt das noch stärker.

Der Verbrauch kann je nach zurückgelegter Strecke erheblich variieren: Bei einer Fahrt von 50 km – die elektrische Reichweite beträgt 47 km – lässt sich leicht ein Durchschnitt von 5 l/100 km erzielen, bei erzwungen rein elektrischem Fahren sogar deutlich weniger. Fällt die Fahrt jedoch länger aus und enthält Autobahnabschnitte, sollte ein Benzinverbrauch von deutlich über 10 l/100 km nicht überraschen. Die offiziell angegebenen 2,5 bis 2,9 l/100 km werden unter solchen Bedingungen zur Utopie.

Einen „B“-Modus zur stärkeren Energierückgewinnung beim Bremsen oder Verzögern gibt es nicht, da das Plug-in-System von Audi entwickelt wurde und man dort kein Anhänger dieser Funktion ist. Ihre nachträgliche Ergänzung wäre für Volkswagen zu teuer, erklärte mir ein Ingenieur des Herstellers, der anonym bleiben wollte.

Bis zu einem gewissen Grad muss die stärkere Rekuperation daher die vorausschauende Funktion des Navigationssystems übernehmen. Sie verzögert das Fahrzeug, wenn es sich einem Kreisverkehr, einem Abschnitt mit niedrigerem Tempolimit oder einem Hindernis auf der vorausliegenden Strecke nähert.

Technische Daten

Volkswagen Touareg R
MOTOR
Architektur
Einbauposition
Hubraum
Ventilsteuerung
Gemischaufbereitung
Leistung
Drehmoment
ELEKTROMOTOR
Leistung
Drehmoment
MAXIMALE SYSTEMLEISTUNG
Maximale Systemleistung
Maximales Systemdrehmoment
BATTERIE
Position
Chemie
Kapazität
Laden
ANTRIEB
Antrieb
Getriebe
FAHRWERK
Federung
Bremsen
Lenkung
ABMESSUNGEN UND KAPAZITÄTEN
L x B x H
Radstand
Kofferraum
Gewicht
FAHRLEISTUNGEN, VERBRAUCH, EMISSIONEN
Höchstgeschwindigkeit
0-100 km/h
Kombinierter Verbrauch
Kombinierte CO₂-Emissionen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen