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Land Rover Defender 90: Der kompakte 4×4 im Test

Moderner grüner Land Rover Defender steht in einem hellen Ausstellungsraum vor großen Fenstern.

Neun Monate nach dem 110 folgt der dreitürige Land Rover Defender 90. Er kostet im Schnitt rund 6500 Euro weniger und misst insgesamt 4,58 m einschließlich Reserverad – 44 cm weniger als die fünftürige Variante. Er ist als Fünf- oder Sechssitzer (3+3) erhältlich.

Das Exterieur wurde zwar umfassend modernisiert, doch der Defender des dritten Jahrtausends ist unverkennbar. Selbst wer die kantigen Karosserielinien des Klassikers nicht kennt, erkennt sofort den erhabenen Schriftzug auf der Motorhaube, der sich an beiden vorderen Kotflügeln, am Heck und auf den Einstiegsleisten wiederfindet.

Die senkrechten Front- und Heckpartien bleiben erhalten. Sie sind zwar der Aerodynamik weniger zuträglich als der glatte Unterboden, doch weiterhin lassen sich zahlreiche Zubehörteile an der Karosserie befestigen, um die Geländefähigkeiten weiter auszubauen. Auch seine Zugkraft bleibt unangetastet: Mit der Anhängerkupplung am Heck darf er 3,5 Tonnen gebremst beziehungsweise 750 kg ungebremst ziehen.

Mehr Discovery und „weniger“ Defender

Dank seiner komplett neuen Konstruktion und seines Gesamtkonzepts rückt er nun stärker an den Discovery heran. Mit diesem teilt er die selbsttragende Karosserie und deren überwiegend aus Aluminium bestehende Struktur ebenso wie die Einzelradaufhängung und das umfangreiche Paket an Fahrerassistenzsystemen.

Auch die Antriebe sind allesamt bekannt: Jeder arbeitet mit Achtgang-Automatik und Allradantrieb. Den Einstieg bildet ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel mit 200 PS, ergänzt durch Varianten mit 250 PS und 300 PS; alle sind 48-Volt-Mildhybride. Darüber rangiert ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 300 PS, der als einziger kein Mildhybrid ist, sowie ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner mit 400 PS und 48-Volt-Mildhybridsystem.

Auf die Spitzenmodelle muss man noch etwas warten: Ein Plug-in-Hybrid P400e mit 404 PS, der im 110 bereits verfügbar ist, befindet sich ebenso in der Endabstimmung wie eine sportlichere 525-PS-Ausführung. Unter der Motorhaube ist genügend Platz für den bewährten 5.0-V8-Kompressormotor. Offen bleibt, ob diese beiden Varianten sowohl für den 90 als auch für den 110 angeboten werden.

Gute Sicht in der Stadt und im Gelände

An den großen Griffen an der Türkante kann sich jeder leicht in diesen hochbeinigen 4×4 „hochziehen“ und anschließend die erhöhte Sitzposition genießen. Hohe Sitze, eine niedrige Fensterlinie und große Glasflächen sorgen zusammen für eine sehr gute Rundumsicht.

Weder das Reserverad am Heck noch große Kopfstützen oder bis zum Dach gestapeltes Gepäck beeinträchtigen die Sicht nach hinten. Der Defender besitzt nämlich eine innovative und praktische Bildübertragung einer hoch positionierten HD-Rückfahrkamera: Ein Tastendruck genügt, und der rahmenlose Innenspiegel verwandelt sich vom herkömmlichen Spiegel in ein Digitaldisplay. Dadurch erweitert sich das Sichtfeld nach hinten deutlich:

Die hinteren Dachsäulen und das Reserverad verschwinden aus dem Blickfeld, das nun 50º breiter ausfällt. Die 1,7-Megapixel-Kamera liefert auch bei schwachem Licht ein scharfes Bild und verfügt über eine hydrophobe Beschichtung, damit sie auf nassem und schlammigem Untergrund leistungsfähig bleibt.

Weniger Platz und kleinerer Kofferraum als im 110 …

In der zweiten Sitzreihe stellt sich nicht gerade Business-Class-Gefühl ein. Durch die „Easy Entry“-Sitze gelingt der „Einstieg“ jedoch vergleichsweise bequem, und selbst ein Erwachsener mit 1,85 m Körpergröße findet ohne größere Einschränkungen Platz.

Vorn bietet der Defender 90 genauso großzügige Kopf- und Schulterfreiheit wie der 110. Das gilt auch für den mittleren Platz der sechssitzigen Version, der sich für eine kleinere Person oder für kurze Strecken eignet. In Reihe zwei verringern sich diese beiden Maße hingegen um 4 cm beziehungsweise 7 cm. Der Innenraumboden und auch der Laderaum sind mit Gummi ausgelegt, was die Reinigung erleichtert.

Mit 397 l Ladevolumen, das bei umgelegten Rücksitzlehnen auf 1563 Liter wächst, ist der Kofferraum naturgemäß kleiner als beim Defender 110. Dessen Volumen reicht von 231 l bei sieben Sitzplätzen über 916 l bei fünf Sitzen bis zu 2233 l bei ausschließlicher Nutzung der Vordersitze. Für den monatlichen Großeinkauf im Supermarkt ist der Stauraum aber ausreichend.

… aber agiler und mit besseren Fahrleistungen

Der Land Rover Defender 90 verfügt über dieselbe breite Palette elektronischer Helfer, um „bis ins Unendliche und noch viel weiter“ zu kommen. Dazu zählt der Tiefensensor, der vor der Wasserdurchfahrt erkennen lässt, ob der Defender noch „Boden unter den Rädern“ hat. Zwar kann er Gewässer bis 900 mm Tiefe durchqueren – mit Schraubenfedern statt Luftfederung sind es 850 mm –, doch es wäre wenig sinnvoll, sich völlig durchnässen zu lassen, wenn das Wasser tiefer ist.

Die Eignung des Defender 90 für den urbanen Alltag hat sich enorm verbessert. Trotz seiner erweiterten Fähigkeiten auf unwirtlichem Terrain liegt einer seiner größten Fortschritte darin, sich besser in das tägliche Leben einzufügen, wenn er nicht gerade Indiana Jones spielen muss.

Die hier mit dem 400-PS-Benziner ausgestattete kurze Variante fühlt sich auf der Autobahn ebenso zuhause wie auf kurvigen Landstraßen. Sie animiert dazu, die kompetente Lenkung und das in der Dreitürer-Version dynamischere Fahrwerk zu genießen, ohne wesentliche Komfortreserven einzubüßen. Die Spitzenversion X setzt auf elektronisch geregelte Dämpfer und Luftfedern. Anders als bei modernen SUVs ist allerdings deutlich spürbar, dass sich die Karosserie in Kurven und Kreisverkehren stärker neigt – schließlich handelt es sich um einen hohen, „kastenförmigen“ 4×4 „alter Schule“.

Zur insgesamt höheren Agilität gegenüber dem 110 tragen zudem das um 116 kg geringere Gewicht, die kürzere Karosserie und der reduzierte Radstand bei; der Wendekreis fällt um 1,5 m kleiner aus. Beim Tempo scheint er bereit, jeden kompakten GTI herauszufordern, wozu die 550 Nm beitragen, die dem rechten Fuß zwischen 2000 und 5000 U/min zur Verfügung stehen. Das zeigen der Sprint von 0-100 km/h in nur 6,0s und die Höchstgeschwindigkeit von 209 km/h.

Die Achtgang-Automatik von ZF nutzt den moderaten elektrischen Schub bei Zwischenspurts sinnvoll aus. Zugleich reagiert sie so, dass sportlicheres Fahren möglich wird, wenn der Wählhebel auf S steht; ihre sanfte Arbeitsweise wird in anspruchsvolleren Geländesituationen geschätzt.

Der Klang des Sechszylindermotors begleitet die Fahrt als tieffrequente Hintergrundmusik, ohne im Innenraum zu aufdringlich zu werden. Die Geräuschdämmung hat mit jener seines Vorgängers nichts mehr gemein. An die Bremsen muss man sich wegen des regenerativen Bremssystems etwas gewöhnen: In der ersten Phase des Pedalwegs greift es weniger stark ein als erwartet. Anschließend überzeugen sie jedoch bei Bremskraft und Standfestigkeit.

Beim Verbrauch sind Durchschnittswerte um 15 l/100 realistischer als die angegebenen 12,0 – selbst ohne allzu große „Ausschweifungen“ am Steuer.

Technische Daten

Land Rover Defender 90 P400 AWD Auto MHEV
Motor
Position
Bauart
Hubraum
Ventilsteuerung
Gemischaufbereitung
Verdichtungsverhältnis
Leistung
Drehmoment
Kraftübertragung
Antrieb
Getriebe
Fahrwerk
Federung
Bremsen
Lenkung
Wendekreis
Abmessungen und Kapazitäten
L. x B. x H.
Radstand
Kofferraumvolumen
Tankinhalt
Reifen
Gewicht
Fahrleistungen und Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit
0-100 km/h
Kombinierter Verbrauch
CO₂-Emissionen
4×4-Fähigkeiten
Böschungswinkel vorn/hinten/Rampenwinkel
Wattiefe
Bodenfreiheit

Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform

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