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Volkswagen Golf R: 320 PS und Allrad im Test

Blauer Volkswagen Golf R 320 in moderner Ausstellung mit schwarzem Felgendesign und LED-Scheinwerfern.

Um den Golf GTI zu übertreffen, war die deutsche Marke zu Beginn des Jahrhunderts bereit, eine wirklich besondere Version zu bauen. Mit dem nur leicht weiterentwickelten aufgeladenen Vierzylindermotor wäre das jedoch keine leichte Aufgabe gewesen. Deshalb erhielt der erste Golf R, der 2002 auf Basis der vierten Golf-Generation vorgestellte R32, einen 3,2-Liter-Saugmotor mit sechs Zylindern. Er leistete 240 PS und 320 Nm, verfügte bereits über Allradantrieb und war zunächst mit Sechsgang-Handschaltung, später auch mit Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erhältlich. Er war das erste Serienauto überhaupt mit diesem Getriebe.

2005 folgte der R32 auf Basis der fünften Golf-Generation. Kleinere Änderungen am Motor brachten 10 zusätzliche PS, also 250 PS, während das maximale Drehmoment unverändert blieb. Das DSG wurde zunehmend zur bevorzugten Wahl und verkürzte den Spurt von 0 auf 100 km/h gegenüber dem Handschalter um drei Zehntelsekunden: 6,2 s statt 6,5 s.

Es sollte der letzte Golf R mit Sechszylindermotor bleiben: 2009 kam auf Grundlage des Golf VI der schlicht Golf R genannte Nachfolger – das R stand fortan für Racing, ohne Zahl in der Modellbezeichnung. An die Stelle des V6 trat ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit Turbolader und Direkteinspritzung, wodurch die Spitzenleistung auf 271 PS stieg.

2013 wurde der Golf R auf Basis des Golf VII zum ersten Golf, der die 300-PS-Marke erreichte – bei 380 Nm Drehmoment. In seinen letzten beiden Produktionsjahren übertraf er diese Grenze sogar und kam auf 310 PS.

Das fünfte Element: Golf R

Die fünfte Ausführung der Golf-R-Familie auf Basis des Golf VIII nutzt denselben Motor und dasselbe Siebengang-Doppelkupplungs-Automatikgetriebe, wurde jedoch etwas stärker aufgeladen und leistet nun 320 PS sowie 420 Nm. Sein Nachteil ist der deutlich höhere Preis: 57.000 Euro gegenüber dem 245 PS starken GTI, der 11.300 Euro günstiger ist. Zum 300 PS starken GTI Clubsport fällt der Abstand dagegen gering aus, denn dieser kostet lediglich 2.700 Euro weniger.

Optisch hebt sich der R durch eigene Stoßfänger mit größeren Lufteinlässen und einer vom Motorsport inspirierten unteren Spoilerlippe ab. Hinzu kommt die beleuchtete Leiste in der Mitte des Kühlergrills, die als Tagfahrlicht dient. Die Außenspiegelkappen sind in mattem Chrom gehalten; serienmäßig montiert Volkswagen spezifisch gestaltete 18-Zoll-Räder, während der GTI mit 17-Zoll-Rädern ausgerüstet ist. Auch die optionalen 19-Zoll-Räder haben ein eigenes Design.

Am Heck fallen der schwarz lackierte Aerodynamikdiffusor und die vier Endrohre auf. Mit dem R-Dynamic-Paket lässt sich die Inszenierung weiter steigern: Es ergänzt zu den größeren Rädern einen XL-Heckspoiler. Für die Optik, vor allem aber für den Klang des Golf R, ist zudem eine Titan-Abgasanlage von Akrapovič erhältlich. Sie spart 7 kg Gewicht, und der Fahrer kann ihren Sound vom „Kommandostand“ aus regeln.

Auch im Innenraum gibt es exklusive Merkmale: schwarze und blaue Stoffsitze mit integrierten Kopfstützen, alternativ Ledersitze mit seitlichen Zierelementen in Carbonoptik, die auch an den Armaturenbrettblenden zu finden sind, sowie ein Lenkrad mit blauen Applikationen und Ziernähten. Dazu kommen ein schwarzer Dachhimmel sowie Pedale und Fußstütze aus Edelstahl. Trotz der stärker konturierten Vordersitze sollte Volkswagen zumindest optional eine einstellbare Seitenwangenverstellung und eine verstellbare Oberschenkelauflage anbieten.

320 PS und 4,7 s von 0 auf 100 km/h

Der Zweiliter liefert die genannten 320 PS und 420 Nm. Das sind lediglich 20 PS und 20 Nm mehr als beim GTI Clubsport, der in der Leistungshierarchie direkt darunter liegt. Weil dieser 90 kg leichter ist – der Allradantrieb bringt eben Gewicht mit –, liegen die Fahrleistungen vergleichsweise nah beieinander. Dennoch verliert er beim Sprint von 0 auf 100 km/h eine volle Sekunde: 4,6 s gegenüber 5,6 s. Ausschlaggebend ist weniger die Mehrleistung als die Fähigkeit des R, seine Kraft mit deutlich geringeren Traktionsverlusten auf die Straße zu bringen als der ausschließlich vorn angetriebene GTI.

Die deutschen Ingenieure hatten aus dieser Generation des EA888-Motors bereits 333 PS herausgeholt. Wegen der Emissionsvorschriften musste jedoch ein Partikelfilter eingebaut werden, wodurch die Leistung um 13 PS sank. Mit dem optionalen Performance-Paket steigt die Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 270 km/h. In Deutschland kann das für Fahrer mit Rennsportambitionen sinnvoll sein, die diesen Vorteil auf vielen Autobahnen legal nutzen können.

Vor namhaften Rivalen

Bei den Zwischenspurts – vermutlich wichtiger als reine Beschleunigungswerte abseits einer Rennstrecke – besitzt der Golf R keinen großen Vorsprung vor dem ebenfalls ausgezeichneten GTI Clubsport. Dieser ist leichter und erreicht sein maximales Drehmoment bei einer geringfügig niedrigeren Drehzahl, nämlich bei 2.000 statt 2.100 U/min. Bei höheren Drehzahlen zeigt sich jedoch, dass der R über „vollere Zylinder“ verfügt: Sein maximales Drehmoment liegt bis 150 U/min später an, also bis 5.350 U/min.

All das bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Die Anerkennung gebührt sowohl dem hervorragend ansprechenden Motor als auch seinem sehr guten Zusammenspiel mit dem schnellen Siebengang-DSG. Im Vergleich außerhalb des Volkswagen-Konzerns ist der Golf R – wenn auch nur um eine bis drei Zehntelsekunden – schneller als die wichtigsten Rivalen Mercedes-AMG A 35, MINI JCW GP, BMW M135i mit jeweils 306 PS sowie Audi S3 Sportback mit 310 PS. Alle verfügen ebenfalls über Allradantrieb.

Verbesserungen am 4×4-System

Der Golf R behält seinen Allradantrieb bei, der die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse weiterhin variieren kann. Neu ist jedoch ein selbstsperrendes Hinterachsdifferenzial mit Torque Vectoring. Es kann die gesamte ankommende Kraft an eines der beiden Räder weiterleiten; dafür sitzt jeweils eine Kupplung an jedem Ausgang des Differenzials.

So lässt sich beispielsweise ein Giermoment erzeugen, das die Linie enger macht und den Grip in schnell beschleunigten Kurven verbessert. Außerdem sind kontrollierte Drifts möglich, sofern das Fahrzeug mit dem Fahrmodus Drift ausgestattet ist. Dieser gehört zusammen mit dem Modus Special – abgestimmt auf die deutsche Nürburgring-Strecke, wo die adaptiven Dämpfer wegen der permanenten Asphaltunebenheiten nicht zu „hart“ reagieren sollten – zu den zusätzlichen Programmen des R-Performance-Pakets.

Serienmäßig stehen stets vier Modi bereit: Comfort, Sport, Race und Individual. Im für die Rennstrecke vorgesehenen Race-Modus greift die Stabilitätskontrolle später ein. Das selbstsperrende Hinterachsdifferenzial leitet zudem mehr Kraft an das kurvenäußere Rad, um Übersteuern und Heckausbrüche leichter zu ermöglichen.

An der Vorderachse übernimmt das elektronische XDS-Differenzial eine Funktion mit ähnlicher Wirkung: Es zieht das Fahrzeug in die Kurve und verhindert ein Aufweiten der Linie, wenn die Fahrweise zunehmend sportlich wird. Auch das Fahrwerk mit vier einzeln aufgehängten Rädern wurde neu abgestimmt. Seine Federn senken das Auto um weitere 5 mm gegenüber dem GTI, der seinerseits bereits 20 mm tiefer liegt als die weniger leistungsstarken Golf-Versionen.

Vielseitiger Charakter

Das Ergebnis dieses sehr umfassenden Technologie-Cocktails ist ausgesprochen überzeugend. Der Fahrkomfort reicht im Comfort-Modus von angemessen geschmeidig – für ein Auto mit diesen Reifen, dieser Leistung und diesen Ambitionen – bis ausgesprochen straff am anderen Ende der Skala. Dort überzeugen die Agilität des Golf R und die Präzision seiner progressiven, direkten Lenkung mit nur 2,1 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag. Dazu passen die verstärkten Bremsen, die mit denen des GTI Clubsport identisch sind.

Dank der verschiedenen verfügbaren Modi besitzt der Golf R tatsächlich einen sehr vielseitigen dynamischen Charakter. Damit eignet er sich für gute Leistungen auf unterschiedlichsten Straßen, in verschiedenen Verkehrssituationen und sogar für wechselnde Stimmungen des Fahrers.

Technische Daten

Volkswagen Golf R
Motor
Position
Bauart
Hubraum
Ventilsteuerung
Aufladung
Leistung
Drehmoment
Kraftübertragung
Antrieb
Getriebe
Fahrwerk
Federung
Bremsen
Lenkung/Lenkradumdrehungen
Abmessungen und Kapazitäten
Länge × Breite × Höhe
Radstand
Kofferraumvolumen
Tankinhalt
Räder
Gewicht
Fahrleistungen und Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit
0–100 km/h
Kombinierter Verbrauch
CO₂-Emissionen

Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform

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