Im selben Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg endete – 1945 –, begann die Serienfertigung eines der bedeutendsten Automobile aller Zeiten: des Type 1, der hierzulande als Käfer bekannt wurde.
Streng genommen hatte die Produktion des Käfers bereits Jahre zuvor, 1938, eingesetzt. Sie bildete den Abschluss eines von den Nationalsozialisten angestoßenen Projekts. Nach lediglich 630 gefertigten Exemplaren wurde die Herstellung des „KdF-Wagen“ jedoch eingestellt: Wolfsburg wurde 1939, dem Jahr des Kriegsbeginns, auf die Rüstungsproduktion umgestellt.
Der Volkswagen Type 1 nach dem Krieg
Erst nach Kriegsende 1945 lief die Serienproduktion des Type 1 wieder an. Seit Juni 1945 standen die Wolfsburger Werksanlagen unter der Kontrolle der britischen Militärbehörden.
Statt das durch die zahlreichen Angriffe des Krieges schwer beschädigte Werk abzureißen, bewahrte britischer Pragmatismus die Fabrik vor diesem Schicksal. Entscheidend war vor allem der Weitblick und das entschlossene Handeln von Major Ivan Hirst. Dank seiner Ideen und seines Improvisationsvermögens konnte das Werk wieder für den Bau ziviler Fahrzeuge hergerichtet werden – genau entsprechend seiner ursprünglichen Bestimmung. Dies war der schnellste Weg, den dringenden Transportbedarf in der britischen Besatzungszone zu decken.
Wie dringend dieser Bedarf war, zeigte sich im August 1945: Lange bevor das erste Fahrzeug die Fertigungsstraße verließ, hatte die britische Militärregierung bei Major Ivan Hirsts Wolfsburger Werk bereits 20.000 Fahrzeuge bestellt.
Wiederaufbau des Wolfsburger Werks
Trotz des akuten Mangels an Rohstoffen, der noch mehrere Jahre anhalten sollte, und ihrer Rationierung durfte keine Zeit verloren gehen. Die Schwierigkeiten beschränkten sich allerdings nicht auf Materialien: Auch die Unterbringung und Versorgung der Beschäftigten musste geklärt werden.
Unter diesen äußerst schwierigen Umständen gelang es Major Ivan Hirst, das Werk wieder in Betrieb zu nehmen, und wenige Tage nach Weihnachten 1945, am 27. Dezember, lief der erste Type 1 vom Band. Bis zum Jahresende entstanden 55 Fahrzeuge. Auch im folgenden Jahr beeinträchtigten fehlende Rohstoffe, Strommangel und sogar Personalknappheit die Fertigung, sodass monatlich nur etwa 1000 Fahrzeuge gebaut werden konnten.
Die Anfänge von Volkswagen
Das hielt die Verantwortlichen nicht davon ab, weiter nach vorn zu blicken und die Grundlagen für künftiges Wachstum zu schaffen. Sie begannen, die damalige Volkswagenwerk GmbH in das Volkswagen-Unternehmen zu verwandeln, das wir heute kennen, und bauten einen Vertriebs- sowie Kundendienst auf. Der Export des Käfers in andere Märkte hatte sogar schon 1947 begonnen.
Die frühe Entwicklung eines zivilen Werks zur Serienproduktion des Volkswagen Type 1 verschaffte der Volkswagenwerk GmbH eine hervorragende Ausgangsposition, als die deutsche Wirtschaft nach der Einführung der neuen Währung im Jahr 1949, der Deutschen Mark, rasch zu wachsen begann. Das Wolfsburger Werk wurde zugleich zu einem Symbol der britischen politischen Strategie für das deutsche Gebiet: Wirtschaftliche Sicherheit und Zukunftsperspektiven für die Bevölkerung galten als wesentliche Voraussetzungen für den Aufbau demokratischer Strukturen.
Der Volkswagen Type 1, der Käfer, entwickelte sich schließlich weltweit zu einem der beliebtesten Automobile aller Zeiten. Die Produktion des ursprünglichen Käfers endete erst 2003 in Mexiko; in Wolfsburg, seinem ersten Produktionsort, war sie bereits am 1. Juli 1974 eingestellt worden. Insgesamt entstanden 21 529 464 Exemplare, davon 15,8 Millionen in Deutschland, verteilt auf mehrere deutsche Werke.
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