Ein Cayenne, der den Sprint auf 100 km/h genauso schnell erledigt wie ein fabrikneuer 911 Turbo S – nämlich in 2,5 Sekunden, Statistikfans – und dabei 2,7 Tonnen wiegt? Klingt zunächst kaum glaubhaft. Bis klar wird, dass der neue Porsche Cayenne Turbo Electric 1.140 PS und 1.499 Nm Drehmoment liefert: geradezu absurde Werte für ein Familienauto.
So funktionieren Elektroautos nun einmal: Bei Supertrumpf sind sie stark, emotional aber nicht zwingend ebenso beeindruckend. Dass irgendjemand tatsächlich einen Cayenne mit solchen Fähigkeiten braucht, ist zwar extrem unwahrscheinlich. Aber nun ja: Mehr ist eben … mehr.
Die spektakulären Leistungs- und Drehmomentwerte lenken zudem ein wenig vom Wesentlichen ab. Direkt am Pedal stehen im Cayenne Turbo ohne Turbolader 845 PS bereit. Über die Push-to-Pass-Taste am Lenkrad kommen weitere 173 PS hinzu, während die Launch-Control die volle Leistung freischaltet. Denn 845 PS sind im Grunde der Alltagsmodus – für Einkäufe und Ähnliches.
Porsche Cayenne Turbo Electric: Fahrwerk und Fahrleistungen
Selbst mit serienmäßigen Zweiventil-Dämpfern und Zweikammer-Luftfedern oder dem optionalen Porsche Active Ride erwarten wir nicht, dass er dem erwähnten 911 Turbo S auf kurvigen Strecken folgen kann. Porsche Active Ride nutzt für jeden Dämpfer eine kleine Pumpe, die Nick-, Gier- und Wankbewegungen ausgleichen kann. Dennoch dürfte es für die Besitzer eines 911 eine unangenehm knappe Angelegenheit werden.
Noch spannender sind jedoch Konzept und Reichweite. Neben dem Turbo wird es einen „einfachen“ Cayenne Electric mit eher 400 PS geben – das vernünftige Angebot startet bei vergleichsweise zurückhaltenden 83.000 £. Wahrscheinlich folgt später ein Modell zwischen diesen beiden Varianten, das zum Marktstart allerdings noch nicht erhältlich sein wird. Der Turbo kostet 131.000 £.
Der Basiswagen erinnert in manchen Details an ein VW-Produkt; verantwortlich sind vor allem das durchgehende Leuchtenband und die horizontale Grafik am Heck. Der Turbo tritt erwartungsgemäß breiter und entschlossener auf. Vorn sitzen aufgeräumte LED-Scheinwerfer in einer gemeinsamen Einheit, dazu kommen eine zurückhaltende, stärker an den Macan erinnernde Front und modellierte Seitenschweller. Ein Fall von „das wächst einem noch ans Herz“. Vermutlich.
Aktive Aerodynamik am Cayenne Electric
Auch wenn die Gestaltung zunächst weniger verspielt wirkt, steckt viel Technik im Detail. Die Lamellen im unteren Bereich der Frontschürze öffnen und schließen sich für Kühlung und Aerodynamik. Oben an der Heckklappe sitzt ein kleiner elektrisch ausfahrbarer Spoiler. Zusätzlich fahren an den hinteren Seitenteilen Blades aus, die bei höherem Tempo nach außen wandern. Sie leiten die verwirbelte Luft hinter den Hinterrädern und um den Stoßfänger herum ab und erhöhen so die Reichweite. Über die Reparaturrechnung sollte man allerdings besser nicht nachdenken, falls man ihn auf einem Parkplatz anstößt.
Auch die technische Basis ist bemerkenswert: Die Batterie verfügt über 113 kWh und wird von zwei Seiten beheizt und gekühlt, während dies bislang nur von einer Seite erfolgte. Sogar der Kühlverlauf wird gesteuert – von der wärmeren Innenseite bis zur Außenseite. Für den Turbo nennt Porsche 640 km WLTP-Reichweite. Dank 400-kW-Gleichstromladen sollen sich in zehn Minuten 300 km Reichweite nachladen lassen; von 10 auf 80 Prozent dauert es 16 Minuten.
Statt sich Gedanken über die Suche nach einer öffentlichen Ladesäule mit mehr als 400 kW zu machen, kann man sich daran erfreuen, dass der Cayenne alles akzeptiert, was seine 800-Volt-Architektur verkraftet. Optional ist außerdem induktives, kabelloses Laden erhältlich, das allerdings bereits bei der Bestellung berücksichtigt werden muss. Und nein: Wenn sich eine Katze zwischen Ladeplatte und Auto setzt, wird sie nicht gegart – wir haben nachgefragt. Das System schaltet einfach ab, bis Mieze/Simba/Derek wieder verschwindet.
Innenraum, Displays und Komfortausstattung
Im Innenraum befinden sich ein gebogenes Fahrerdisplay und ein ebenfalls gebogener „Flow Screen“, der in den unteren mittleren Bereich des Armaturenbretts übergeht. Die Widgets auf dem gebogenen Teil bedienen die Fahrzeugfunktionen, während der Hauptbildschirm – sowie ein möglicher optionaler Beifahrerbildschirm – für Multimedia und auffällige Grafiken zuständig ist. Das funktioniert gut: Die Darstellung ist scharf, klar und intuitiv bedienbar.
Sogar eine Handballenauflage namens „Ferry-Pad“ ist vorhanden. Sie erlaubt es, während der Fahrt präzise die richtige Bildschirmfunktion anzutippen – keineswegs selbstverständlich bei einem Touchscreen auf auch nur leicht holpriger Straße.
Hinzu kommen ein KI-Assistent, ein riesiges Head-up-Display, das Hinweise auf die Straße vor dem Auto projiziert, und Porsche Electric Sound mit mehreren Intensitätsstufen eines V8-Grollens. Das Panorama-Glasdach bietet unterschiedliche photochromatische Muster. Ein Kommunikationslicht begrüßt die Insassen beim Einsteigen und zeigt den Ladestatus an. Eine Flächenheizung erwärmt Armlehne und Türverkleidungen, denn auch Unterarme verdienen Zuwendung. Verschiedene „Stimmungsmodi“ verändern Sitzposition, Klimaanlage, Beleuchtung und weitere Einstellungen. Insgesamt ist das ein sehr umfassendes Paket aus Technik und spielerischen Extras.
Darüber hinaus gibt es insgesamt mehr Platz, elektrisch beheizte und belüftete Rücksitze, einen großen vorderen Kofferraum und einen enormen Heckkofferraum mit 781 Litern Volumen. Zwar wird es im Modellprogramm vermutlich irgendwann einen attraktiven „S“ oder „GTS“ geben, doch der Gedanke an einen Cayenne mit mehr als 1.100 PS setzt sich dauerhaft fest. Das gilt auch für das „Offroad-Paket“, das eine Anhängelast von 3.500 kg ermöglicht. In diesen neuen elektrischen Cayenne ist offensichtlich viel Überlegung geflossen – und das merkt man.
Erwähnenswert ist, dass manche Quellen behaupten, Porsche habe sich von der Elektromobilität abgewandt. Das stimmt nicht. Tatsächlich hat Porsche angesichts veränderter Vorschriften die Laufzeit der Verbrenner- und Hybridmodelle verlängert, um die Lücke zu schließen. Der neue Cayenne bleibt deshalb weiterhin mit einem Biturbo-V6-Benziner, einem V8-Benziner im S und als E-Hybrid verfügbar.
Porsche lässt zudem den Verbrennungsmotor in neuen Versionen von Cayman und Boxster weiterleben. Auch das kommende SUV oberhalb des Cayenne startet zunächst als Benziner und E-Hybrid statt direkt als reines Elektroauto. Porsche verfolgt also wieder eine stärker gemischte Strategie, anstatt Elektroautos in nennenswertem Umfang aufzugeben. Es ändert sich vieles, aber eben auch nicht. Wir werden abwarten, ob der neue Cayenne dem Hype gerecht wird.
Technische Daten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Preis | 130.900 £ (ab 83.200 £) |
| Antrieb | Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, Leistung: 1.140 PS, 1.499 Nm Drehmoment |
| Reichweite | 640 km WLTP |
| Fahrleistungen | 0–100 km/h in 2,5 Sekunden (0–200 km/h in weniger als 10), 259 km/h Höchstgeschwindigkeit |
| Batterie und Laden | 113 kWh Bruttokapazität (108 kWh netto), Gleichstromladen mit bis zu 400 kW, 10–80 Prozent Ladezustand in weniger als 16 Min.; in 10 Min. hinzugewonnene Reichweite: 300 km, 11 kW Wechselstrom, Rekuperationsleistung von bis zu 600 kW (vergleichbar mit Formel-E-Rennwagen) |
| Gewicht | circa 2.600 kg |
| Anhängelast | 3,5 Tonnen (mit Offroad-Paket) |
10 Minuten 53 Sekunden
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