Zum Inhalt springen

CUPRA Leon Sportstourer 2.0 TDI: Ergibt der Diesel noch Sinn?

Grauer Cupra 2.0 TDI Kombi im modernen Showroom mit großen Fenstern und TDI-Informationsschild.

Obwohl der Diesel fast ausgestorben ist, steht er weiterhin für Effizienz. Doch ergibt die CUPRA Leon Sportstourer 2.0 TDI in einem Markt voller elektrifizierter Optionen noch Sinn?


„Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen die Wünsche.“ Verzeihen Sie mir das Wortspiel, doch kaum etwas beschreibt das Modell, das ich einige Tage lang fahren konnte, besser: den CUPRA Leon Sportstourer. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Der erste steckt bereits in der Bezeichnung „Sportstourer“, mit der CUPRA einen Kombi meint. Diese Karosserieform verliert zwar angesichts des unaufhaltsamen SUV-Booms an Bedeutung, war für Familien auf der Suche nach Platz und Alltagstauglichkeit jedoch jahrzehntelang die naheliegende Wahl.

Der zweite Grund betrifft den Antrieb, der inzwischen aus den Modellpaletten vieler Marken zunehmend verschwindet: einen Dieselmotor.

Zusammen zeigen diese beiden Aspekte deutlich, in welche Richtung sich der Automarkt in den vergangenen Jahren entwickelt hat: hoch positionierte Sitzplätze und elektrifizierte Fahrzeuge sind klar gefragt. Entsprechend lässt sich dieses Modell auch als eine Art Hommage an eine noch nicht lange vergangene Ära verstehen.

Ungeachtet dessen bleibt der CUPRA Leon Sportstourer seinem Charakter treu. Er richtet sich an Fahrer, die ein emotionaleres Fahrerlebnis und eine sportlichere Optik schätzen, ohne auf die familiären und langstreckentauglichen Eigenschaften eines Diesel-Kombis verzichten zu wollen.

André Mendes konnte dieses Modell bereits testen, inzwischen erhielt es jedoch ein Update für 2025. Deshalb gehe ich nicht erneut auf Bekanntes ein, sondern konzentriere mich auf die Neuerungen.

Mehr CUPRA beim Leon Sportstourer

Die auffälligsten Änderungen betreffen das Exterieur: Der Leon soll klarer als CUPRA erkennbar sein und sich stärker von seinem Schwestermodell von SEAT abheben. Neue, aggressiver gestaltete Stoßfänger treffen auf überarbeitete Scheinwerfer mit der aktuellen Lichtsignatur der Marke aus drei Dreiecken.

Das Emblem der spanischen Marke sitzt nun auf der Motorhaube; am Heck ist es beleuchtet und vollständig in das durchgehende LED-Leuchtenband integriert. In der Seitenansicht beschränken sich die Unterschiede auf neue Räder in 18 oder 19 Zoll.

Im Innenraum hat sich wenig verändert

Im Cockpit fallen die Anpassungen dezenter aus. Es gibt neue Materialien, eine neu gestaltete Mittelkonsole und Türverkleidungen sowie einen neuen 12,9-Zoll-Infotainmentbildschirm. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos verbinden.

Ansonsten bleibt die typische CUPRA-Gestaltung erhalten: zahlreiche Akzente in Kupferfarbe, ein sportlicheres Ambiente mit dunkleren Tönen und ein schwarzer Dachhimmel unterstreichen den Auftritt.

Hinter dem Steuer bieten Lenkrad und Sitze große Verstellbereiche. Daraus ergibt sich eine ausgezeichnete, niedrige Sitzposition, wie man sie von einem Modell mit sportlichem Anspruch erwartet.

Bei den Platzverhältnissen – einem entscheidenden Punkt für jeden Kombi – macht der CUPRA Leon Sportstourer eine sehr gute Figur. Den Skoda Octavia als „Cousin“ übertrifft er zwar nicht, dank seines längeren Radstands bietet er aber mehr Raum als der Volkswagen Golf.

Bei einer auf meine Körpergröße von 1,78 m eingestellten Sitzposition finden vier Erwachsene ohne Einschränkungen bequem Platz. Kopf- und Beinfreiheit sind reichlich vorhanden, während der Kofferraum großzügige 620 Liter fasst – nur 20 l weniger als beim tschechischen Modell.

Diesel als entscheidender Vorteil

Auch wenn er offenbar auf dem Weg zum Aussterben ist, punktet der Diesel weiterhin mit Effizienz, Reichweite und unkomplizierter Alltagstauglichkeit. Genau das ist die wichtigste Stärke dieses CUPRA Leon Sportstourer.

Unter der Motorhaube arbeitet der bekannte 2.0 TDI mit 150 PS und 360 Nm Drehmoment. Diese Werte ermöglichen ein zügiges Tempo und zugleich Verbrauchswerte, die vergleichbare Benzinmodelle nicht erreichen.

Während meiner Tage mit dem Leon nutzte ich unterschiedliche Fahrprofile und rief seine Leistungsbereitschaft auch voll ab: Das maximale Drehmoment liegt bereits bei 1700 U/min an und bleibt bis 2500 U/min verfügbar. Selbst mit etwas Eile „hier und da“ lag der Durchschnittsverbrauch bei 5,5 l/100 km.

Noch niedrigere Werte sind jedoch problemlos möglich. Mit etwas mehr Zurückhaltung am Gaspedal erzielte ich Verbräuche deutlich unter fünf Litern. In Verbindung mit dem 45-Liter-Kraftstofftank sind damit fast 1000 km pro Tankfüllung möglich – ein Wert, der nahezu jede Reichweitendiskussion beendet.

Letztlich sitzt man aber in einem CUPRA. Zwar handelt es sich nicht um eine Hochleistungsversion – dafür gibt es Modelle wie den neuen CUPRA Leon Extreme –, doch die Marken-DNA ist eindeutig spürbar. Das zeigt sich unter anderem an der eher straffen Dämpfung.

In der Stadt kann diese „Härte“ den Komfort gelegentlich beeinträchtigen. Auf kurvenreichen Straßen entschädigt sie jedoch mit ausgezeichneter Stabilität, kontrollierten Karosseriebewegungen sowie einer direkten und präzisen Lenkung.

Auch das Siebengang-DSG sorgt für schnelle Gangwechsel. Der Motorsound zählt allerdings nicht zu den mitreißendsten und dringt bisweilen sogar zu deutlich in den Innenraum.

Ab 44.290 Euro

Die Einstiegsversion des CUPRA Leon Sportstourer wird vom 1.5 TSI-Benziner mit 150 PS angetrieben und startet bei 38.860 Euro. Für die getestete Dieselvariante sind mehr als 5400 Euro zusätzlich fällig, womit der Grundpreis dieses Modells auf 44.290 Euro steigt.

Das Testfahrzeug war außerdem mit mehreren Extras ausgestattet, die den Preis weiter erhöhten – etwa der Lackierung Magnetic Tech Grau für 775 Euro und den CUPRA-Seitenschwellern für 357 Euro. Während diese beiden Ausstattungen verzichtbar waren, gilt das nicht für das EDGE-Paket für 969 Euro: Es umfasst unter anderem eine Rückfahrkamera und erwies sich im Alltag als deutlich nützlicher.

Ist der Diesel noch die beste Wahl?

Dennoch gibt es zwei Szenarien, die Sie berücksichtigen sollten. Wer wöchentlich mehrere hundert Kilometer außerhalb von Städten zurücklegt, trifft mit dem Diesel weiterhin die richtige und rationalste Wahl. Genau dafür wurden Dieselmotoren entwickelt.

Wer viele Kilometer fährt, dies aber überwiegend im Stadtverkehr tut, für den ist dieser Antrieb hingegen nicht geeignet. Elektrifizierte Alternativen erfüllen diese Aufgabe besser.

Ein gutes Beispiel findet sich im eigenen Haus: Der CUPRA Leon Sportstourer e-HYBRID nutzt ein Plug-in-Hybridsystem und kann damit mehr als 130 km rein elektrisch zurücklegen – vorausgesetzt natürlich, er wird regelmäßig geladen.

Er ist zwar teurer – jeweils 2400 Euro und 7800 Euro gegenüber dem 2.0 TDI beziehungsweise dem 1.5 TSI –, doch wer laden kann und dies häufig tut, kann ihn ähnlich wie ein Elektroauto nutzen. Dadurch können die Kosten pro Kilometer erheblich sinken. Die höhere Anfangsinvestition wird durch die Einsparungen beim weiterhin teureren Diesel ausgeglichen. Für Unternehmen kommen zudem steuerliche Vorteile infrage.

Und sobald längere Strecken anstehen, übernimmt der Verbrennungsmotor, ohne dass die für die meisten Elektroautos typische Planung erforderlich wird.

Technische Daten

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen