In der Welt der Bestzeiten und Rekordjagden sorgen chinesische Elektroautos zunehmend für Aufsehen – insbesondere der YangWang U9 Xtreme von BYD. Ende vergangenen Jahres umrundete der Supersportwagen die Nürburgring-Nordschleife in 7min17,9s.
Diese Zeit reichte zwar nicht aus, um den Rimac Nevera oder den Porsche Taycan Turbo GT zu übertreffen, doch sie bestärkte die chinesische Marke darin, weitere Rekorde anzugreifen. Bereits in diesem Jahr erreichte der YangWang U9 auf dem Testgelände der Automotive Testing Papenburg (ATP) in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 472,41 km/h. Einen Monat später legte er nochmals nach und erzielte 496,3 km/h.
YangWang U9 Xtreme auf der Nürburgring-Nordschleife
Dass sich dieses Modell mitsamt einem kompletten Ingenieurteam in Deutschland aufhielt, verfolgte allerdings ein anderes Ziel. In der Automobilwelt gilt die Rundenzeit auf den 20,832 km der Nürburgring-Nordschleife als maßgeblicher Rekordmaßstab. Nach dem jüngsten gezeiteten Versuch war das Ergebnis historisch:
Die Runde wurde im August gefahren, doch die Marke veröffentlichte die Daten erst jetzt. Der YangWang U9 Xtreme absolvierte den gesamten deutschen Kurs in 6min59,157s.
Damit ist der chinesische Supersportwagen das schnellste Elektro-Serienfahrzeug aller Zeiten auf der Nürburgring-Nordschleife – und zugleich das erste, das die Sieben-Minuten-Marke unterbot.
Entscheidend ist dabei der Zusatz „Serienfahrzeug“: 2019 fuhr der ebenfalls elektrische Volkswagen ID.R eine Runde in 6min05,336s. Im April dieses Jahres bewältigte zudem der Xiaomi SU7 Ultra Prototype die Strecke in 6min22,091s. Beide Fahrzeuge sind jedoch keine Serienmodelle.
Und was ist mit Verbrennungsmotoren?
Obwohl der YangWang U9 nun den Titel des schnellsten Elektro-Serienfahrzeugs am Nürburgring trägt, reicht seine Leistung nicht aus, um etwa einen Porsche 911 GT3 mit Handschaltung zu verdrängen. Das wohl bekannteste Modell aus Zuffenhausen bewältigte dieselbe Runde drei Sekunden schneller. Das ist bemerkenswert, wenn man den enormen Leistungsunterschied der beiden Fahrzeuge betrachtet.
Der chinesische Supersportwagen verfügt über rund 3000 PS und damit fast die sechsfache Leistung des Porsche 911 GT3 mit 510 PS. Dennoch beträgt der Vorsprung des Deutschen lediglich drei Sekunden. Anders ausgedrückt: Pro zusätzlichen 1000 PS konnte der U9 auf der Strecke nicht einmal eine Sekunde gutmachen. Das verdeutlicht, wie wichtig Gewicht, Aerodynamik und fahrdynamische Balance im Vergleich zur reinen Motorleistung sind.
Leistung, Fahrverhalten und Präzision im Vergleich
Die Videos der Runden beider Modelle zeigen die Unterschiede deutlich. Der YangWang U9 Xtreme schießt aus jeder Kurve wie „abgefeuert“ heraus und verschlingt die Geraden mit beinahe unwirklicher Beschleunigung – dabei erreicht er sogar 350 km/h.
Der Porsche 911 GT3 hat bei Vollgas dagegen nicht einmal genug Raum, um die Marke von 300 km/h zu überschreiten. Seine außergewöhnliche Präzision in den Kurven gleicht jedoch alles andere aus: Er fährt flüssiger und kontrollierter, ohne abrupte Korrekturen zu benötigen. Und bei diesem 911 handelt es sich noch nicht einmal um den noch aggressiveren und auf der Rennstrecke schnelleren GT3 RS.
Die fahrdynamische Ausgewogenheit des 911 GT3 ist das Geheimnis seiner Effizienz. Hinterradantrieb, das vergleichsweise geringe Gewicht und das unmittelbare Ansprechverhalten des Saugmotors schaffen eine direkte Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrer. Auf dem Nürburgring macht genau das den Unterschied: Nicht allein die Leistung, sondern Kontrolle und Konstanz entscheiden über echte Rekorde. Er hat zwar nur ein Sechstel der Leistung und verbrennt Benzin statt Elektronen zu verbrauchen, kommt im „Grünen Inferno“ aber dennoch drei Sekunden vor dem schnellsten Elektroauto aller Zeiten ins Ziel.
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