Wir reisen erneut zurück in die Zeit der Coupés der 90er-Jahre – jener Modelle, von denen viele einst Traumwagen waren und heute sogar Kultstatus geniessen. Im ersten Teil dieses Specials standen europäische Modelle im Mittelpunkt. Dass es im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts jedoch so viele Coupés gab, verdanken wir wohl vor allem den japanischen Herstellern.
Angetrieben von der wirtschaftlichen „Blase“, die Japan in den 80er-Jahren erlebte, ehe sie 1991 abrupt platzte, schien Geld für nahezu jedes Vorhaben vorhanden zu sein. In dieser Zeit entstanden zahlreiche grosse Ikonen der japanischen Automobilindustrie: Nissan Skyline GT-R, Honda NSX und Mazda MX-5, um nur einige zu nennen.
Doch dabei blieb es nicht, wie die hier versammelten Coupés zeigen. Einige Hersteller leisteten sich sogar mehrere Coupés in ihrem Programm und deckten damit unterschiedliche Segmente und … Budgets ab. Honda ist das beste Beispiel: Vom erschwinglichen CRX über Civic, Integra und Prelude bis hin zum Anti-Ferrari NSX war alles vertreten; selbst der Accord wurde als Coupé angeboten.
Ohne weitere Umschweife: Hier sind die Coupés der 90er-Jahre aus Japan.
Legenden
Die 90er-Jahre waren für japanische Hersteller eine glanzvolle Ära im Rallyesport – und darüber hinaus. In diesem Jahrzehnt gewann erstmals ein japanisches Auto einen WM-Titel in der WRC. Es war auch die Zeit des epischen Duells zwischen Mitsubishi und Subaru, das sich von den Wertungsprüfungen auf die Strasse verlagerte. Zugleich wurden einige der grössten japanischen Automobillegenden geboren, die wegen ihrer Rallyeerfolge bis heute bei vielen Enthusiasten einen besonderen Klang haben.
Das gilt für das erste Duo der Coupés der 90er-Jahre: TOYOTA CELICA (1989-1993 und 1993-1999) sowie SUBARU IMPREZA (1995-2000).
Der 1989 eingeführte Toyota Celica T180 stellte bereits die fünfte Generation des japanischen Coupés dar. Schon mit dem Vorgänger hatte der Celica dank seiner Leistungen in der Rallye-Weltmeisterschaft, kurz WRC, deutlich an Bekanntheit und Ansehen gewonnen. Der T180 – genauer gesagt der ST185 – machte Toyota jedoch endgültig zu einer dominierenden Kraft in der WRC. Die Celica GT-Four, welche die Grundlage für das Wettbewerbsfahrzeug bildeten, trugen dabei einen eigenen Modellcode.
Ausgerechnet der Celica war das Modell, mit dem dies gelang: Er war das erste japanische Fahrzeug, das WM-Titel in der WRC holte. Mit diesem Thema haben wir uns bereits ausführlicher beschäftigt:
Trotz seiner enormen Rennerfolge währte die kommerzielle Laufbahn des Celica T180 erstaunlich kurz und endete nach nur vier Jahren. Im Herbst 1993 präsentierte Toyota die sechste Celica-Generation, den T200, einschliesslich des GT-Four ST205. Er war mit 242 PS aus dem turbogeladenen 2,0-Liter-Reihenvierzylinder 3S-GTE der stärkste Celica überhaupt, stets mit Handschaltung und Allradantrieb.
An die glorreichen WRC-Ergebnisse seines Vorgängers konnte er allerdings nicht anknüpfen. Auffälliger war der Celica T200 durch sein wesentlich aggressiveres Design, insbesondere durch die Front mit vier runden Scheinwerfern. Damit war er ein ernst zu nehmender Gegner für europäische Fronttriebler-Coupés wie Fiat Coupé und Opel Calibra.
Wenn der Celica dank der WRC zu grossem Ruhm und hoher Anerkennung kam, was lässt sich dann erst über den Subaru Impreza sagen – eines der meistverehrten japanischen Modelle aller Zeiten?
Das Impreza-Coupé erschien erst 1995, drei Jahre nach der Limousine und dem eigenwilligen Kombi, den nicht alle überhaupt als solchen einstuften. Die zweitürige Karosserie kam erst 1997 in der WRC zum Einsatz, als Subaru bereits zwei Konstrukteurstitel gewonnen hatte. Sie profitierte von der Einführung des WRC-Reglements, das die bis dahin geltende Gruppe A ablöste. Und sie setzte sich durch: Subaru gewann damit den dritten und letzten Konstrukteurstitel.
Als Hommage an diesen Erfolg und an den 40. Geburtstag der Marke entstand der Impreza 22B, einer der Höhepunkte in der gesamten Impreza-Geschichte. Von ihm wurden etwas mehr als 400 Exemplare gebaut. Gegenüber WRX und WRX STi trat er deutlich muskulöser auf und war 80 mm breiter; der aufgeladene Boxer-Vierzylinder wuchs von 2,0 auf 2,2 l und leistete offiziell 280 PS, während die Räder von 16″ auf 17″ zulegten. Auch seine Aufmachung wirkte, als käme sie direkt vom Impreza WRC-Rennwagen. Bis heute zählt er zu den am meisten verehrten Impreza.
Japanische Alternativen
Die japanischen Coupés beschränkten sich keineswegs auf jene, die sich in der anspruchsvollen Rallye-Welt durchsetzten. Wie bei den europäischen Coupés der 90er-Jahre war die Auswahl aus Japan ausgesprochen vielfältig. Das zeigt das folgende Trio: HONDA PRELUDE (1992-1996 und 1996-2002), MITSUBISHI ECLIPSE (1990-1995 und 1995-2000) und MAZDA MX-6 (1991-1997).
Den Anfang macht ein Modell, das als Coupé geboren wurde und dessen Name heute einen SUV/Crossover trägt: der Mitsubishi Eclipse. Er entstand 1990 aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit Chrysler, aus dem ebenfalls seine „Brüder“ Plymouth Laser und Eagle Talon hervorgingen. Mit seiner markanten Form kam der Eclipse nach Europa, um eine Alternative zum Celica zu bieten.
In Europa waren nur die ersten beiden Generationen, D20 und D30, erhältlich, die jeweils lediglich fünf Jahre gebaut wurden. In Nordamerika dauerte seine Karriere dagegen zwei Generationen länger. Grundsätzlich war er ein Fronttriebler, auch wenn die leistungsstärksten Varianten mit einer turbogeladenen Ausführung des 4G63, dem 4G63T, auch mit Allradantrieb verfügbar waren.
Kommt Ihnen 4G63 bekannt vor? Kein Wunder: Derselbe Motorblock kam im Mitsubishi Evolution … und im L200 zum Einsatz! Er war wirklich für alles gut.
Abgesehen von seiner auffälligen Karosserie – in der ersten Generation geradliniger, in der zweiten stärker vom Bio-Design geprägt – und den Fahrleistungen der Turboversionen war der Eclipse nicht das schärfste Coupé. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, eine treue Fangemeinde zu gewinnen. Seine „15 Minuten Ruhm“ erlebte er mit dem ersten Film der Reihe The Fast and the Furious.
Auch der Honda Prelude war in den 90er-Jahren mit zwei Generationen vertreten, der vierten und der fünften. Er war zwischen Civic Coupé und dem Super-NSX positioniert. Technisch stand er dem Accord näher, doch Honda hoffte, mit dem Prelude Kunden vom BMW 3er Coupé abwerben zu können.
Obwohl Honda zu Beginn der 90er-Jahre in glänzender Form war – in der Formel 1 unbesiegbar, der NSX als Anti-Ferrari gefeiert, VTEC-Motoren, die lauter drehten als andere, und so weiter –, traf der Prelude nie ganz den Geschmack der breiten Käuferschaft.
Schade, denn ihm mangelte es nicht an Qualitäten, und er ist bis heute eines der am meisten unterschätzten Coupés dieser Zeit. Die Topversionen boten einen starken 2.2 VTEC mit 185 bis 200 PS, Allradlenkung und ein in jeder Hinsicht sehr kompetentes Fahrverhalten. Ob seine mutige Gestaltung den Erfolg verhinderte? Wer weiss …
Beim Mazda MX-6 war es ebenfalls zunächst das Design, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Grunde handelte es sich um die Coupé-Version des damaligen Mazda 626 und damit um einen weiteren Fronttriebler. Seine fliessenden Linien galten als ausgesprochen elegant und wurden nur noch vom Peugeot 406 Coupé übertroffen, das im selben Jahr erschien, in dem der MX-6 auslief.
Der MX-6 verstand sich mehr als GT denn als Sportwagen. Selbst mit dem stärksten 2.5 V6 und rund 170 PS enttäuschte er beim Fahrverhalten jedoch nicht.
In Europa wurde auch er von vielen übersehen – ebenso wie sein Bruder, der Ford Probe. Dieser teilte mit dem MX-6 alles ausser dem ebenfalls sehr futuristischen Design. Mazda und Ford arbeiteten in diesem Zeitraum zusammen, was die enge Verwandtschaft beider Modelle erklärt. Mit dem Probe wollte Ford einen Nachfolger für den erfolgreichen Capri schaffen, doch der europäische Markt ignorierte ihn weitgehend. Dennoch fand er mehr Anhänger als sein Nachfolger Cougar, über den wir bereits im ersten Teil dieser Zusammenstellung von Coupés der 90er-Jahre gesprochen haben.
Der Radikalste: Honda Integra Type R DC2
Während sich das vorherige Coupé-Trio als alltagstauglich einstufen lässt und das Styling zu seinen wichtigsten Argumenten gehörte, ergänzte der HONDA INTEGRA TYPE R DC2 (1993-2001) sein Design um eine regelrecht raubtierhafte Absicht. Technisch eng mit dem Civic verwandt, war der Integra tatsächlich eine Modellfamilie, zu der auch eine viertürige Variante gehörte.
Seinen Legendenstatus verdankte er jedoch dem Coupé, genauer der Type-R-Version, die uns 1998 erreichte. Noch heute gilt er vielen als bester Fronttriebler überhaupt, so kompromisslos hatten die Honda-Ingenieure daran gearbeitet, das gesamte Potenzial des Modells auszuschöpfen. Dieses fantastische und im Kosmos der Coupés der 90er-Jahre einzigartige Auto haben wir bereits ausführlicher behandelt:
(Vielleicht) einzigartig
Last, but not least … In dieser Liste der Coupés der 90er-Jahre darf womöglich jenes einzige Modell nicht fehlen, das von Grund auf als Sportcoupé mit eigener Basis entwickelt wurde. Es leitete sich nicht von einem anderen Fahrzeug ab, das eher familiären oder alltäglichen Aufgaben wie dem Schulweg der Kinder oder dem Wocheneinkauf dienen sollte.
NISSAN 180SX (1989-1993) und NISSAN 200SX (1993-1998) verfügten über die richtigen Grundlagen für jeden Sportwagen: längs eingebauter Frontmotor, Hinterradantrieb und … zwei Rücksitze, die kaum mehr konnten, als zusätzliches Gepäck aufzunehmen. Gewiss, BMW 3er und Mercedes-Benz CLK besitzen eine ähnliche Architektur und bieten hinten tatsächlich nutzbaren Platz für Personen, doch sie basierten auf viertürigen Limousinen. Diese Nissan-Coupés nicht!
Ob S13 oder S14: Von ihren Konkurrenten hoben sie sich durch den Hinterradantrieb und ihr ausgefeiltes Fahrverhalten ab. Der 180 SX S13 mit Klappscheinwerfern wurde in Europa mit einem 1.8 Turbo und 180 PS verkauft. Sein Nachfolger, der 200SX S14, erhielt den neuen turbogeladenen 2,0-Liter-Motor SR20DET mit 200 PS. Sein Ruf und seine Fähigkeiten überdauerten die Verkaufszeit.
In bester japanischer Tradition wurden sie von ihren Fans bis ins Letzte modifiziert – ein originales Exemplar zu finden, grenzt inzwischen an Unmöglichkeit. Dank ihrer Architektur sind sie zudem regelmässig bei Drift-Veranstaltungen anzutreffen.
Einen besseren Abschluss für dieses Wiedersehen mit den Coupés der 90er-Jahre hätten wir wohl kaum finden können.
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