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Renault 20 Turbo 4×4: der überraschende Sieg bei der Rallye Dakar 1982

Beiges Renault Concept-SUV mit großen Offroad-Reifen und Dachleuchte in hellem Raum mit Wüstenblick.

Betrachtet man den Renault 20, den Nachfolger einer langen Reihe von Spitzenmodellen der Marke mit der Raute, die jedoch ... vergleichsweise unbekannt blieben, würde man ihm wohl kaum das Potenzial zum Sieger der Rallye Dakar zuschreiben.

Genau das geschah jedoch bei der Rallye Dakar 1982: Ein Renault 20 Turbo 4×4 gewann die härteste Rallye der Welt. Es war der endgültige „Moment des Ruhms“ für ein Modell, dessen Verkaufskarriere letztlich eher unauffällig verlief.

Wie kam eine komfortable Limousine wie der Renault 20 überhaupt zur Dakar? Überraschenderweise ging die entscheidende Initiative direkt von Renault aus.

Die Vorgeschichte des Renault 20 bei der Rallye Dakar

Um die Gründe dafür zu verstehen, muss man in der Geschichte der Rallye Dakar einige Jahre zurückgehen. Dabei überrascht es vielleicht weniger, erneut auf einen Renault zu stoßen.

Bei den Dakar-Ausgaben 1979 und 1980 gehörte der Renault 4L Sinpar zu den auffälligen Teilnehmern. 1979 erreichte er den 5. Platz, 1980 sogar einen bemerkenswerten 3. Platz – damals verfügte der 4L bereits über Allradantrieb.

Der 4L Sinpar war das Werk der Brüder Claude und Bernard Marreau. Ihre Resultate weckten bei Renault großes Interesse und veranlassten die französische Marke, sich ernsthafter an der Rallye zu beteiligen. Renault stellte den Marreau-Brüdern deshalb folgende Aufgabe:

„Könnt ihr mit unserem Spitzenmodell, dem Renault 20, dasselbe schaffen?“

Die Wahl fiel auf den deutlich größeren Renault 20, weil die Marke mit einem ihrer neueren Modelle antreten wollte: Während der 4L in den 1960er-Jahren vorgestellt worden war, kam der R20 1976 auf den Markt. Renault entschied sich damit für sein damaliges Spitzenmodell und nicht für den noch neueren Renault 18 von 1978.

Um den Brüdern Marreau das Projekt schmackhaft zu machen, überließ Renault ihnen die Karosserie eines Renault 20 und gab ihnen „freie Hand“, ihn nach ihren Vorstellungen für die anspruchsvollste Rallye der Welt umzubauen.

Renault 20 Turbo 4×4: maßgeschneiderter Dakar-Umbau

Der Renault 20 Turbo, mit dem die Brüder Marreau schließlich bei der Dakar antraten, hatte erwartungsgemäß nur noch wenig mit der Version gemein, die bei den Händlern erhältlich war.

Die Bodenfreiheit wurde erhöht, die Karosserie erhielt zahlreiche Schutzvorrichtungen und Verstärkungen, und der Frontantrieb wich – wie zu erwarten – einem Allradsystem. Doch die Änderungen gingen noch weiter.

Anstelle der unabhängigen Hinterachse kam die robustere Starrachse des Renault Trafic zum Einsatz. Auch dessen 14″-Räder und breitere Reifen wurden übernommen. Für die nötige Leistung borgte man sich vom Renault 18 Turbo, seinem „jüngeren Bruder“, den Motor aus – denn für den Renault 20 gab es keine aufgeladenen Benzinmotoren.

Im ursprünglich 1980 eingeführten 18 Turbo leistete der 1,6-l-Vierzylinder 110 PS. Im „Dakar-festen“ Renault 20 wurde die Leistung jedoch auf 135 PS gesteigert.

Selbst die Auspuffanlage blieb von den Anpassungen für die Dakar nicht verschont. Statt wie üblich unter dem 20 Turbo entlangzulaufen, trat sie durch die Motorhaube aus und führte an der A-Säule bis zum Dach hinauf. Sie erinnerte damit an einen Schnorchel, über den der Renault 20 Turbo kurioserweise nicht verfügte.

Warum diese Lösung gewählt wurde, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich verlegten die Marreau-Brüder den Auspuff aufs Dach, um ihn vor möglichen Einschlägen zu schützen oder um dem Allradantrieb „Platz zu schaffen“.

Dort, wo zuvor die Rücksitze gewesen waren, befanden sich nun zwei Ersatzreifen sowie ein Kraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von ... 200 Litern (!).

Damit das Gewicht in einem vertretbaren Rahmen blieb – was Fahrleistungen und Verbrauch zugutekam –, ersetzten die Marreau-Brüder mehrere Karosserieteile des Renault 20 Turbo 4×4 durch Aluminiumteile: Motorhaube, vordere Kotflügel und die Außenbleche der Türen. Außerdem bestanden die Seitenscheiben nun aus Plexiglas.

Ein zurückhaltender Einstand und ein siegreicher Abschied

Der erste Start bei der Rallye Dakar erfolgte 1981 und ... verlief überhaupt nicht gut. Nach mehreren Kollisionen mussten die Brüder Marreau aufgeben, weil die Technik ihres Renault 20 mit Turbomotor und Allradantrieb nicht standhielt.

Das lag auch an der kurzen Erprobungszeit für die neue Maschine: Fertig wurde sie erst einen Monat vor dem Rennen.

Trotz des Ausfalls war das Siegpotenzial ihres Renault 20 Turbo 4×4 deutlich erkennbar. Zeitweise hatten sie die Rallye sogar angeführt.

1982 kehrten sie zur Rallye Dakar zurück. Dieses Mal gelang ihnen zur Überraschung vieler ihr erster Sieg bei der Rallye Dakar: Mit dem Renault 20 Turbo 4×4 setzten sie sich gegen Fahrzeuge wie die offiziellen Mercedes-Benz von Jacky Ickx und Jaussaud oder die Lada Niva von Briavoine und Deliaire durch.

1983 trat der Renault 20 Turbo nicht mehr bei der Dakar an, um seinen „Titel zu verteidigen“. Die Zusammenarbeit zwischen Renault und den Brüdern Marreau bestand allerdings fort, nun mit einem Renault 18 Break 4×4 am Steuer – jenem Modell, das sie 1983, 1984 und 1985 einsetzten.

Leider konnten sie den mit dem Renault 20 errungenen Sieg nicht wiederholen; der Erfolg von 1982 blieb der einzige der Brüder Marreau. Die Ergebnisse waren dennoch positiv: 9. Platz 1983 sowie jeweils 5. Platz 1984 und 1985.

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