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Honda WN7: Erstes Elektromotorrad trotz schwachem französischen Markt

Mann mit Helm sitzt auf elektrischem Honda-Roller an Ladestation nahe Eiffelturm in Paris.

Honda bringt mit der WN7 sein erstes Elektromotorrad auf den Markt – obwohl der französische Markt jährlich um 20 % schrumpft. Frédéric Puybareaud, Leiter der Motorradsparte von Honda Frankreich, erläuterte uns, weshalb der französische Marktführer im Motorradgeschäft dieses durchaus gewagte Vorhaben angeht.

Während der Markt für Elektromotorräder schwächelt, präsentiert Honda, der weltweit größte Motorradhersteller, sein erstes Modell: die WN7. Bemerkenswertes Timing! Frédéric Puybareaud, Direktor der Motorradsparte bei Honda Frankreich, wirkt dennoch überzeugt. Im Gespräch mit Presse-citron erklärt er diese Gelassenheit damit, dass Honda ausreichend Zeit in den Aufbau eines belastbaren Industrieprojekts investiert habe.

Die WN7 ist weder ein Prototyp noch ein Nischenprodukt. Sie ist ein vollwertiges Elektromotorrad, das gezielt für diesen Antrieb entwickelt wurde und sowohl als Führerschein-A2-Version (125-cm³-Äquivalent) als auch mit 50 kW für Inhaber eines Führerscheins aller Klassen erhältlich ist. Um eine breite Zielgruppe anzusprechen, setzt Honda den Preis der WN7 auf 15.000 Euro und bleibt damit unter den Preisen der spezialisierten Anbieter. Zero Motorcycles etwa, eine seit rund zwanzig Jahren aktive US-Marke, verlangt für vergleichbare Produkte mehr als 20.000 €.

Technisch verfügt die WN7 über Schnellladefähigkeit an Schnellladesäulen. Anders als die herausnehmbaren Akkupakete der zuvor im Honda-Programm angebotenen Modelle M1 und Qivi ist der fest verbaute Akku in den Rahmen integriert. Dadurch lässt er sich in dreißig Minuten von 20 auf 80 % aufladen. „Unser Motorrad wird hinsichtlich Design, Handling und Bremsleistung sehr gut aufgenommen“, freut sich Frédéric Puybareaud und ergänzt, dass die Ladezeit inzwischen ein eigenständiges Verkaufsargument sei.

Aus technologischer Sicht beansprucht Honda einen klaren Bruch mit bisherigen Angeboten. „Wir sind die erste große Marke, die eine echte Neuheit auf den Markt bringt“, sagt der Leiter der Motorradsparte. Harley-Davidson habe mit der LiveWire zwar den Weg bereitet, doch dem US-Hersteller hätten damals noch nicht sämtliche Technologien zur Verfügung gestanden, die nun in der WN7 stecken: ein großer Bildschirm, umfangreiche Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme.

Ein schwächelnder Markt für Elektromotorräder

So attraktiv die WN7 auch wirkt: Ob sie ihre Käufer findet, bleibt offen. Denn der Markt für Elektromotorräder gibt durchaus Anlass zur Sorge. Als in Paris kostenpflichtiges Parken für motorisierte Zweiräder eingeführt wurde, löste dies in Frankreich einen Run auf elektrische 50-cm³-Modelle aus. „In den ersten sechs Monaten gerieten natürlich alle in Panik und wechselten alle“, erinnert sich Frédéric Puybareaud. Besonders in der Île-de-France stiegen die Verkäufe stark an – getrieben eher durch regulatorischen Druck als durch eine echte Überzeugung im Alltag.

Nach diesem Höhepunkt schrumpft der französische Markt für Elektromotorräder jährlich um rund 20 %. Über das gesamte Land hinweg werden heute, marken- und segmentübergreifend, nur noch 500 bis 600 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. BMW behauptet sich mit seinen CE-Modellen besser als andere Hersteller: Die hochwertigen Elektroscooter haben sich eine treue Kundschaft aufgebaut. Dahinter ist der Markt jedoch zwischen kleinen chinesischen Marken – angeführt von Super Soco – und Fahrzeugen mit ungewöhnlicher Positionierung aufgeteilt, etwa dem CityCoco. Dessen Absatz in den französischen Überseegebieten brach ein, nachdem staatliche Förderungen wegfielen, von denen er profitiert hatte.

Drei strukturelle Hürden erklären diese schwer überwindbare Grenze. Zunächst die Reichweite: Mit heutigen Elektromotorrädern sind lange Strecken kaum realistisch. „Paris–Marseille mit einem elektrischen Zweirad zu fahren, ist deutlich komplizierter. Wir sind durch die Batteriegröße und das Gewicht eingeschränkt – und damit zwangsläufig auch durch die Handlichkeit des Fahrzeugs“, räumt Frédéric Puybareaud ein.

Danach kommt der Preis: Ein Motorrad mit 125 cm³ und Verbrennungsmotor ist für etwa 4.800 bis 5.000 € erhältlich. Für ein elektrisches Pendant zu 15.000 € muss ein Käufer seine Ausgaben also verdreifachen. Einen vergleichbaren Unterschied gibt es im Automobilbereich nicht, wo der Abstand zwischen Elektro- und Verbrennerantrieb eher bei 20 bis 25 % liegt.

Schließlich hält sich die Motorradkultur hartnäckig. Ein erheblicher Teil der Zweiräder wird aus Freude, wegen der Emotionen und wegen des Klangs eines bis an seine Grenzen gedrehten Verbrennungsmotors gekauft. Diese Eigenschaften kann ein Elektroantrieb selbst bei hoher Leistung nicht nachbilden.

Honda als Marktführer in einem tiefgreifenden Wandel

Der schwierige Kontext für Elektroantriebe scheint Honda nicht abzuschrecken. Die Marke verfügt schließlich über eine solide Basis. Vor inzwischen fünf Jahren kehrte sie nach zwanzig mageren Jahren an die Spitze des französischen Marktes zurück. Heute beansprucht Honda 21 % Marktanteil und liegt damit klar vor dem ersten Verfolger mit 13,8 %.

Diese führende Stellung erstreckt sich auf den gesamten Markt. Im sogenannten „Commuting“-Segment – 125-cm³-Modelle, Stadtroller und große Roller – kommt Honda auf 30 % Marktanteil. Ebenso stark ist die Marke im „Fun“-Segment vertreten, das große Hubräume, Naked Bikes und Reiseenduros umfasst. Insgesamt überwiegt das Fun-Segment leicht im Verhältnis 55/45. Ursache sind teilweise städtische Regelungen, die die Nutzung von Rollern in großen Ballungsräumen, allen voran Paris, schrittweise unattraktiver gemacht haben.

Frédéric Puybareaud betont außerdem, dass Honda weit mehr Konkurrenz habe als nur andere Motorradmarken. „Heute dürfen wir uns nicht als Motorradhersteller verstehen, sondern als Mobilitätshersteller.“, erklärt er. Unter den anderen Verkehrsmitteln sei das Fahrrad – elektrisch oder klassisch – vermutlich der ernsthafteste Wettbewerber. „Wenn man sich heute in Paris fortbewegen will, ist es fast einfacher und weniger einschränkend, mit dem Fahrrad als mit einem motorisierten Zweirad unterwegs zu sein.“, versichert er.

Auch die regionale Verteilung der Verkäufe verdeutlicht diesen Gegensatz. Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur bleibt vor der Île-de-France der größte nationale Motorradmarkt, wo aufeinanderfolgende Vorschriften das Volumen verringert haben. In ländlichen Gebieten verkaufen sich 125-cm³-Fahrzeuge häufiger als Motorräder; in Städten dagegen eher als Roller, die insbesondere bei Kurieren und urbanen Angestellten beliebt sind.

Hondas Strategie: Elektroantrieb, aber nicht nur

Auf Basis seiner Marktführerschaft hat Honda deshalb eine Strategie entwickelt, in der Elektroantrieb nur ein Teil des Gesamtbildes ist. „Es handelt sich nicht um Ersatzfahrzeuge, sondern um eine Mobilitätsalternative“, erklärt der Frankreich-Chef. Honda will folglich nicht seine Kernkundschaft bekehren – also Liebhaber großer Hubräume, Wochenendfahrer und Performance-Enthusiasten.

Vielmehr sollen neue Nutzergruppen gewonnen werden: Stadtbewohner, die über ihr Auto bereits in die Elektromobilität eingestiegen sind, Menschen, die ein leichtes Zweitfahrzeug für tägliche Fahrten suchen, oder auch – als weniger erwartetes Segment – Fahrer, denen ihre Fahrerlaubnis vorübergehend entzogen wurde und die in einem elektrischen 125-cm³-Modell eine Ausweichlösung finden könnten.

Bei einem Markt von kaum 500 Einheiten pro Jahr möchte Honda BMW oder Zero Motorcycles ohnehin keine Marktanteile abnehmen. Stattdessen soll der gesamte Markt wachsen. „Wir wollen versuchen, diesen Markt zu vergrößern, indem wir unser Motorrad integrieren – nicht indem wir Marktanteile wegnehmen, sondern indem wir den Markt entwickeln“, so Frédéric Puybareaud.

Dafür räumt Honda ein, seine Ambitionen nach unten korrigiert zu haben. Die Marke hatte zugesagt, bis 2030 mehrere Milliarden Euro in die Elektrifizierung ihres gesamten Angebots – Autos und Motorräder zusammen – zu investieren. „Wir haben den Prozess etwas verlangsamt“, gesteht Frédéric Puybareaud. Entwicklungs- und Fertigungskosten seien zu hoch geblieben, um diesen Zeitplan einzuhalten, ohne die Rentabilität zu gefährden.

Für Honda ist Elektroantrieb vor allem Bestandteil einer umfassenden Strategie für die Energiewende. Das Unternehmen setzt auf eine Zukunft mit mehreren Energieformen. Elektrische Antriebe sollen ihren Platz in urbanen Einsatzbereichen finden, in denen Reichweitenbeschränkungen weniger stark ins Gewicht fallen. Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe könnten langfristig eine dekarbonisierte Alternative für Langstrecken bieten, ohne die für Batterien typischen Einschränkungen bei Gewicht und Volumen.

„Als großer Hersteller haben wir die Pflicht, im Vorfeld alle möglichen Optionen bei erneuerbaren oder anderen Energien zu prüfen, um den Einsatz von Verbrennungsmotoren zu ersetzen“, schließt Frédéric Puybareaud.

Honda verpflichtet sich langfristig

Hinter der Produktstrategie verfolgt Honda zwei groß angelegte Ziele: null Emissionen und null Unfälle.

Null CO₂-Emissionen bis 2050

Das Ziel umfasst den gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung über die Nutzung bis zum Ende der Fahrzeuglebensdauer. Dafür müssen neue Antriebe eingeführt werden, aber auch innovative Materialien zum Einsatz kommen: Durabio, ein biobasierter Kunststoff aus Mais, wird bereits bei mehreren Modellen der Baureihe verwendet, darunter Africa Twin, X-ADV und Forza 750.

Honda arbeitet zudem am Aufbau von Recyclingkreisläufen: Kunststoff wird aus dem Meer zurückgewonnen, Produktionsreste werden aufbereitet und Stoßfänger aus Altfahrzeugen verwertet.

Null Unfälle mit Personenschäden

Honda begann dieses Vorhaben, indem die Gold Wing als erstes Serienmotorrad mit einem Airbag ausgestattet wurde. Die Marke entwickelt dies mit ADAS-Systemen weiter, die Radar, Kameras und GPS miteinander verknüpfen, um Gefahrensituationen vorauszusehen – etwa einen Fußgänger, der die Straße überquert, ein plötzlich auftauchendes Kind oder ein abrupt bremsendes Fahrzeug.

In Frankreich hat Honda kürzlich eine Partnerschaft mit In&motion geschlossen, einem Spezialisten für vernetzte Airbagwesten. Gemeinsam soll ein Ausrüstungsprodukt unter der Marke Honda entwickelt werden, das perspektivisch europaweit eingeführt werden soll.

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