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Volkswagen Golf GTI: Das beste Auto der Welt?

Roter Volkswagen GTI fährt auf kurviger Landstraße, Wald im Hintergrund.

Der erste Satz eines Fahrberichts über den neuen Volkswagen Golf GTI lässt sich doch sicher schreiben, ohne die Wirtschaft zu erwähnen. Oder vielleicht doch nicht. Dafür gibt es nämlich einen sehr guten Grund. Es ist Zeit für einen Vorschlag – nein, für eine kühne Behauptung: Der Golf GTI der sechsten Generation ist derzeit das beste Auto der Welt, das man überhaupt kaufen kann.

„Der Beste“ ist natürlich, mit aller Betonung, eine vollkommen subjektive Formulierung. Doch ein Blick auf die Entwicklung der Autoverkäufe, der Zinssätze und auf Gordon Browns Sorgenfalten genügt, um zu verstehen, dass wir fürs Erste alle ziemlich angeschmiert sind. Und genau deshalb ergibt der Golf GTI plötzlich enorm viel Sinn.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte ein Händler Mitte dreißig, mit schwangerer Ehefrau und maximal beliehener viktorianischer Doppelhaushälfte im Südwesten Londons, eine stattliche Anzahlung für einen neuen Porsche 911 Carrera S in Schwarz auf Schwarz geleistet und der besseren Hälfte einen kleinen Alltagswagen wie einen Volkswagen Polo mit 1,4-Liter-Motor gekauft. Diese Zeiten sind vorbei. Heute sitzt derselbe Mann, falls er überhaupt noch einen Arbeitsplatz hat, in einem sehr ruhigen, leeren Büro und fragt sich, welche staatliche Schule seinen Nachwuchs noch aufnehmen wird – sofern die Kinder ihre prägenden Jahre unter der Waterloo Bridge oder unter ähnlich unerquicklichsten Umständen überstanden haben.

Aus Familien mit zwei Autos werden daher Familien mit nur einem Fahrzeug. Das kann nur eines bedeuten: Porsches werden zu Kompaktsportlern. Und für einen Porsche-Besitzer kommt unter diesen Kompaktsportlern nur ein Golf GTI ernsthaft infrage.

Volkswagen Golf GTI als Auto für alle Fälle

Dieses Auto kann alles – und erledigt alles besser als jedes andere Fahrzeug, das alles oder auch nur Teile davon beherrscht. Mit „alles“ sind in diesem Fall Leistung, Alltagstauglichkeit, Elastizität, Erschwinglichkeit, Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Qualität und Zurückhaltung gemeint. Vermutlich gibt es noch jede Menge weiterer Eigenschaften mit der Endung „-keit“, die der Golf GTI besser beherrscht als die Konkurrenz. Ideologisch betrachtet ist der Golf GTI der sechsten Generation das Resultat einer Art Stammzellenforschung an Porsche und Polo, auf der Suche nach einem Heilmittel dafür, dass sich niemand mehr schnelle Autos leisten kann. Er ist das hybride Liebeskind aus Verschwendung und Vernunft. Und genau in dieser Hinsicht ist er im Kern perfekt.

Begonnen hat alles vor fünf Jahren mit der Einführung des GTI der fünften Generation, als die gesamte Welt aufhorchte und sich Notizen machte. Die unerquicklich schwammigen, stark wankenden Einkaufswagen mit symbolischer Turboaufladung gehörten der Vergangenheit an. An ihre Stelle trat ein Auto, das zwar durch und durch modern war, aber zugleich an jene goldene Ära der Kompaktsportler erinnerte, als der erste Golf GTI erschien und den Besitz von Performance-Autos auf den Kopf stellte. Wie sein Vorfahre war der Mk V leichtfüßig, agil, wirklich schnell und dennoch vergleichsweise bezahlbar. Mit einem Schlag wurde der Kompaktsportler den ölverschmierten Siebzehnjährigen wieder entrissen und dorthin zurückgebracht, wo er hingehörte: in die Hände des Yuppies. Oder seines Nachfolgers aus dem neuen Jahrtausend.

Das nun vorgestellte Modell im 33. Jahr des GTI ist eine ziemlich behutsame Weiterentwicklung des Mk V – eines Autos, das seit seiner Einführung nicht die geringsten Alterserscheinungen gezeigt hat. Die vorgenommenen Änderungen machen ihn besser, ohne ihm jene Eigenschaften zu nehmen, die auch seinen direkten Vorgänger großartig machten.

Der Motor ist nun kompakter und 3 kg leichter. Gleichzeitig arbeitet er umweltfreundlicher und sparsamer, leistet 10 bhp mehr und stellt sein maximales Drehmoment 100 U/min früher bereit. Das sind Kleinigkeiten, die sich jedoch zu einem überzeugenderen Gesamtpaket summieren. Die Gesamtleistung liegt damit bei 207 bhp; der GTI beschleunigt in 7,2 Sekunden auf 62 mph und erreicht 148 mph – Werte, die nahezu identisch mit denen des Vorgängers sind.

Design des Golf GTI der sechsten Generation

Die wichtigsten Neuerungen am neuen Modell sind möglicherweise optischer Natur. Während der Mk V eine ausgesprochen bewusste Hommage an den Mk 1 darstellte und verschiedene sofort vertraute Gestaltungselemente aufgriff und weiter ausarbeitete, geht der Mk 6 einen Schritt weiter: Er formt die Nostalgie in etwas Zeitgemäßeres um. Die Scheinwerfergläser sind geometrischer gestaltet, der Kühlergrill besteht aus einem schlichteren, schmalen, parallel verlaufenden Schlitz – weiterhin eingefasst von dem mittlerweile typischen roten Akzent. Die vorderen Nebelscheinwerfer sitzen so weit außen wie möglich in den Stoßfängerecken, was dem Wagen optisch mehr Breite und damit auch mehr Aggressivität und Bedrohlichkeit verleiht.

Die etwas ungelenke Seitenschürze des Vorgängers, die zum hinteren Radlauf hin nach oben schwang, wurde durch ein deutlich dezenteres schwarzes Zierteil ersetzt. Dadurch wirken die Hüften des Autos schmaler, ähnlich dem Knick einer Cola-Flasche. Zwar versicherte uns ein ausgewiesener Volkswagen-Mann, die Gestaltung bringe einen gewissen aerodynamischen Vorteil, doch selbst ihn beschäftigte vor allem, wie viel agiler und ausgewogener der Wagen aus der Entfernung aussieht.

Auch das Heck des neuen GTI ist ein kleiner Triumph der Symmetrie. Der spezifische hintere Stoßfänger wurde so entworfen, dass er perfekt mit dem diagonalen Bereich des Nummernschilds fluchtet. Zudem positionierten die Ingenieure die beiden Endrohre nach erheblichem Zeit- und Arbeitsaufwand ganz außen in den Ecken – ähnlich wie die vorderen Nebelscheinwerfer.

Insgesamt ist der Effekt zurückhaltend, aber deutlich: Der neue GTI ist sofort zu erkennen und sorgte am Tag unserer Testfahrt in Europa für mehr als einen erstaunten zweiten Blick.

Bei einem Thema, das letztlich stets Geschmackssache bleibt, muss ich allerdings die Ansicht vertreten, dass Volkswagen eines der zentralen GTI-Prinzipien leicht verpatzt hat: seine Klasse. Der Wagen ist nach wie vor eindeutig teuer und ganz und gar deutsch, doch einige Details – vor allem die Scheinwerfergläser, der Grill und die neuen schwarzen Einsätze der Monza-Felgen – wirken etwas nachgerüstet. Die große Mehrheit der Menschen, die das Geld und die Möglichkeiten für ein solches Auto haben, möchte es weder aufmotzen noch muss sie das tun. Und genau jene minderwertige Spielart des automobilen Verschandelns, die solche Maßnahmen befördert, nimmt den Golf GTI ins Visier, weil er ursprünglich klassisch und dezent ist. Vielleicht bin ich meiner Zeit voraus altmodisch, und an Autodesign gewöhne ich mich ohnehin immer, doch im Moment bevorzuge ich die ruhigere Gestaltung des Mk V. Genau darum sollte es bei einem GTI gehen.

Diese leichte Verschiebung von Untertreibung zu Übertreibung setzt sich im Innenraum fort. Das neue Lenkrad übertreibt etwas, was im Vorgänger bereits nahezu perfekt war: Es wirkt nun ein wenig zu dick, zu verspielt und zu kleinteilig. Der Schalthebelknauf trägt einen kräftig roten – oder ist es orangefarbenen? – Farbakzent, passend zu den Kontrastnähten, die gefühlt überall auftauchen.

Hinzu kommen modernere Türverkleidungen, die man leicht übersehen könnte. Auch die karierten Stoffsitze, deren nostalgische Rückkehr im Mk V so willkommen war, sind zeitgemäßer geworden. Sie sehen weiterhin großartig aus und zitieren die VW-Vergangenheit recht deutlich, erinnern aber daran, dass mit fortschreitender Zeit auch die pseudo-schottische Polsterung weiterziehen muss.

Komfort, Sicherheit und Fahreindruck

Mit der neuen Generation kommen zudem einige wertvolle Verbesserungen bei Komfort und Sicherheit: stärkere Dämmung, Knieairbags und eine Schaltempfehlung im Kombiinstrument, die dabei hilft, den Verbrauch zu optimieren. Hoppla. Da ist dieses Wort schon wieder.

Bei einem Auto, das sich schrittweise, aber eindeutig zum Besseren entwickelt hat, würde man einen ebenso schrittweisen und positiven Fortschritt beim Fahren erwarten. Und genau das trifft ziemlich genau zu.

Was beim letzten Mal bemerkenswert schien, ist es weitgehend noch immer: Der GTI bleibt ein sehr komfortabler und kultivierter Kompaktwagen der gehobenen Klasse, vermittelt seinem Fahrer jedoch ein ungewöhnlich hohes Maß an Vertrauen. Die Lenkung ist leicht, zugleich präzise und mitteilsam – eine Eigenschaft, die ihm offenbar besser gelingt als diversen Konzernschwestern von Audi. Die Schaltung arbeitet zwar nicht so kurz und unmittelbar, wie man es sich bei einem Auto mit derart spontan verfügbarer Leistung wünschen würde, sie ist aber dennoch leichtgängig, unkompliziert und direkt. Wird das adaptive Fahrwerk von Comfort auf Sport umgestellt, straffen sich die Dämpfer, die Lenkung wird angenehm schwerer, und das gesamte Auto scheint sich wie eine Napfschnecke an die Straße zu saugen.

Reichlich Druck – sowohl durch das früh anliegende Drehmoment als auch durch die hohe Spitzenleistung – lässt den GTI in jedem Bereich jedes Gangs schnell wirken. Auf einer freien Geraden mit Nachdruck beschleunigt, fällt es schwer, sich im echten Straßenverkehr einen Bedarf nach noch mehr Vortrieb vorzustellen. Wirft man ihn entschlossen in eine schnelle, enge Kurve, neigt er sich moderat und gleichmäßig, bleibt ausgewogen und stabil; die Traktion wird dank des erstmals eingesetzten Sperrdifferenzials des GTI maximiert. Verlangt man einen harten Bremsvorgang, gehorcht er blitzschnell und souverän, um anschließend ohne Turboloch sofort wieder Tempo aufzubauen. Und währenddessen stehen ein großer Kofferraum, vollwertige Rücksitze und sämtliche Ausstattungs-Extras des modernen Autofahrens zur Verfügung. Eines davon verdient hier besondere Erwähnung: Legt man den Rückwärtsgang ein, zeigt der Navigationsbildschirm das Bild der Rückfahrkamera. Deren Linse fährt, ganz im Stil eines Bond aus der Cubby-Broccoli-Ära, hinter dem VW-Emblem an der Heckklappe hervor. Und warum zum Teufel auch nicht?

Damit ist dies tatsächlich Porsche trifft Polo: das Performance-Auto für unsere Zeit. Auf britischen oder europäischen Straßen ist er in jeder Hinsicht so schnell und kompetent, wie man es jemals brauchen wird, und dazu wirklich unkompliziert im Alltag. Und vergleichsweise gesehen auch in der Anschaffung.

Die ersten Rechtslenker werden im Mai eintreffen und in der dreitürigen Version ab £22,000 kosten. Das sind rund £3,000 weniger als für Fords Focus RS, an dem der GTI zwangsläufig gemessen werden wird. Den RS bin ich noch nicht gefahren, vermute aber stark, dass er deutlich leistungsfähiger sein wird als der GTI. Im Vergleich zum Golf wird er jedoch ein Auto mit Brusthaarperücke sein – ungeachtet seiner eigenen Nachrüst-Optik. Wenn der VW GTI der 911 von heute ist, dann gleicht der RS vermutlich einem TVR Tuscan. Und ich weiß, in welchem der beiden ich lieber gesehen würde.

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