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Alfa Romeo 156: Portugals legendäres Auto des Jahres

Roter Alfa Romeo Giulia Limousine auf weißem Ausstellungsboden mit Motorbild im Hintergrund.

Bis heute ist der Alfa Romeo 156 das einzige Modell der italienischen Marke, das in Portugal die Auszeichnung „Auto des Jahres“ gewinnen konnte – im selben Jahr wurde er zudem zum europäischen Auto des Jahres gewählt.

Der 156 entwickelte sich in vielerlei Hinsicht zu einem prägenden Modell für die italienische Marke und wurde schliesslich zu einem ihrer grössten Verkaufserfolge überhaupt: Von 1997 bis 2007 fanden mehr als 670.000 Exemplare einen Käufer. Seitdem erreichte kein weiterer Alfa Romeo ein vergleichbares Absatzvolumen.

Als Nachfolger des häufig kritisierten 155 brachte er deutlich mehr Raffinesse und höhere Ambitionen mit, sowohl beim Design als auch bei seinen technischen Eigenschaften.

Meisterhaftes Design des Alfa Romeo 156

Schon seine Gestaltung hinterliess einen starken Eindruck. Verantwortlich für die Linienzeichnung war Walter da Silva, damals Designchef von Alfa Romeo.

Von Retro konnte keine Rede sein. Dennoch griff das Modell Elemente auf, die an frühere Epochen erinnerten – besonders deutlich zeigte sich das an der Front.

Das markante Gesicht des Alfa Romeo 156 wurde durch einen Scudetto geprägt, der „in die Stossstange hineinragte“ und damit an Modelle vergangener Zeiten erinnerte. Dadurch musste das Kennzeichen seitlich angebracht werden – eine Lösung, die sich seither beinahe zu einem Markenzeichen der italienischen Marke entwickelte.

Obwohl es sich um einen klassischen Fronttriebler mit quer eingebautem Frontmotor handelte, stimmten die Proportionen dieser relativ kompakten Dreikasten-Limousine hervorragend. Die Seitenansicht erinnerte an ein Coupé, während der in die Fensterlinie am C-Pfosten integrierte hintere Türgriff diesen Eindruck zusätzlich verstärkte. Der 156 war nicht das erste Fahrzeug mit dieser Lösung, trug jedoch entscheidend zu ihrer Verbreitung bei.

Die Karosserieflächen blieben weitgehend klar gezeichnet. Eine Ausnahme bildeten zwei Sicken über den Radhäusern, welche zugleich die Schulterlinie formten. Schlanke, vergleichsweise klein dimensionierte Leuchten vorn und hinten rundeten die Gestaltung ab und hoben sich deutlich von vielen damaligen Konkurrenzmodellen ab.

Im Jahr 2000 ergänzte der 156 Sportwagon das Angebot und markierte die Rückkehr von Alfa Romeo zu Kombis, nachdem es seit dem Alfa Romeo 33 Sportwagon kein entsprechendes Modell mehr gegeben hatte. Wie die Limousine überzeugte auch der Sportwagon mit einer ausgesprochen attraktiven Form – beiseite gefragt: Wer erinnert sich noch an die Werbung für den Sportwagon mit Schauspielerin Catherine Zeta-Jones? Interessanterweise fiel sein Kofferraum trotz der familientauglicheren Karosserieform geringfügig kleiner aus als jener der Limousine.

Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Einführung gilt der Alfa Romeo 156 weiterhin als stilistische Referenz. Nur wenige Fahrzeuge vereinen Eleganz und Sportlichkeit so überzeugend. Eine der schönsten Limousinen aller Zeiten? Ohne Zweifel.

Während das Exterieur begeisterte, stand der Innenraum ihm kaum nach. Dort verwies der 156 noch klarer auf Alfa Romeo aus früheren Jahrzehnten, insbesondere mit seinem von zwei „überdachten“ Rundinstrumenten bestimmten Kombiinstrument sowie den Zusatzanzeigen in der zur Fahrerseite orientierten Mittelkonsole.

Der erste Common Rail

Unter der Motorhaube standen mehrere saugende Reihen-Vierzylinder-Benziner mit 1,6 bis 2,0 l Hubraum zur Auswahl. Sie trugen allesamt die Bezeichnung Twin Spark, verfügten also über zwei Zündkerzen je Zylinder, und leisteten zwischen 120 PS und 150 PS.

Bei der Markteinführung des 156 gewannen Dieselmotoren bereits zunehmend an Bedeutung, weshalb sie im Angebot nicht fehlen durften. Besonders bekannt war der 1.9 JTD des Fiat-Konzerns. Darüber rangierte ein Reihen-Fünfzylinder mit 2,4 l Hubraum, der als erster auf dem Markt eingeführter Diesel mit Common-Rail-Einspritzung auffiel und zwischen 136 PS und 150 PS leistete.

Nach dem 2003 präsentierten Facelift von Italdesign unter Giorgetto Giugiaro kamen weitere technische Neuerungen hinzu. So erhielt der 2,0-l-Benziner eine Direkteinspritzung und wurde unter dem Kürzel JTS für Jet Thrust Stoichiometric geführt, wodurch die Leistung auf 165 PS stieg. Auch die Diesel erhielten Mehrventil-Ausführungen: beim 1.9 bereits 2002 und beim 2.4 ebenfalls. Sie hiessen fortan JTDm, wobei der 2.4 eine Leistung von bis zu 175 PS erreichte.

Für die Benzin- und Dieselmotoren waren Fünf- und Sechsgang-Handschaltgetriebe erhältlich. Der 2.0 Twin Spark und der JTS konnten ausserdem mit dem robotisierten halbautomatischen Selespeed-Getriebe kombiniert werden.

V6 Busso

Im Mittelpunkt stand jedoch erwartungsgemäss der verehrte V6 Busso. Zunächst wurde er mit 2,5 l Hubraum angeboten, leistete 190 PS und später 192 PS. Kombinierbar war er mit der ungewöhnlichen Q-System-Automatik, deren manueller Modus für die vier Gänge ein H-Schema wie bei einem Handschaltgetriebe beibehielt.

Später folgte mit dem 156 GTA der „Vater“ aller Busso-Motoren und zugleich die sportlichste Ausführung der Baureihe. Hier wuchs der 24-Ventil-V6 auf 3,2 l Hubraum und 250 PS an – damals galt dieser Wert als Grenze dessen, was bei einem Fronttriebler sinnvoll war. Zu diesem besonders speziellen Modell empfehlen wir unseren ausführlichen Artikel:

Ausgereifte Fahrdynamik

Nicht nur Design und Motoren überzeugten, auch das Fahrwerk verdiente Beachtung. Die Anpassungen an der C1-Plattform des Fiat-Konzerns sorgten gegenüber anderen Modellen auf dieser Basis nicht nur für einen längeren Radstand, sondern auch für Einzelradaufhängungen an beiden Achsen. Vorn arbeitete eine aufwendige Doppelquerlenker-Konstruktion, hinten eine MacPherson-Achse mit passivem Lenkeffekt.

So ausgeprägt die Fahrdynamik auch war, verursachte die Aufhängung durchaus Probleme. Häufig geriet sie aus der Spur, was einen vorzeitigen Reifenverschleiss nach sich zog; an der Hinterachse erwiesen sich zudem die Silentblöcke als wenig haltbar.

Erwähnenswert ist auch die ausgesprochen direkte Lenkung, die selbst heute noch mit nur 2,2 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag beeindruckt. Tests aus jener Zeit beschrieben eine Limousine mit ausgeprägt sportlichem Fahrverhalten und einem reaktionsschnellen Chassis.

Auch im Motorsport schrieb er Geschichte

Als der Alfa Romeo 156 sowohl in Portugal als auch in Europa zum Auto des Jahres gewählt wurde, war er gerade erst auf dem Markt. Bei seinem Karriereende konnte er dagegen bereits auf ein umfangreiches Vermächtnis auf den Rennstrecken zurückblicken. Er war regelmässig in zahlreichen Tourenwagen-Meisterschaften vertreten und führte die traditionsreiche Erfolgsgeschichte des 155 fort, der sich ebenfalls im DTM hervorgetan hatte.

Dreimal gewann er die Tourenwagen-Europameisterschaft, und zwar 2001, 2002 und 2003. Hinzu kamen mehrere nationale Meistertitel in dieser Kategorie sowie im Jahr 2000 der Titel in der südamerikanischen Super-Tourenwagen-Meisterschaft. Dem 156 mangelte es nicht an Trophäen.

Nachfolge

2007 endete die Laufbahn des Alfa Romeo 156 endgültig, zehn Jahre nach seiner Premiere. Zusammen mit dem 147 war er einer der letzten grossen Erfolge von Alfa Romeo und prägte eine ganze Generation von Enthusiasten und Alfisti.

Bereits 2005 trat der Alfa Romeo 159 seine Nachfolge an. Obwohl er etwa bei Robustheit und Sicherheit stärkere Eigenschaften bot, konnte er den Erfolg seines Vorgängers nie wiederholen.

Möchten Sie die weiteren Gewinner des Auto des Jahres in Portugal kennenlernen? Folgen Sie dem untenstehenden Link:

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