Ein Hot Hatch mit sechs Zylindern? Noch heute ist das eine faszinierende Rezeptur. Schliesslich geht es darum, Motoren mit bereits grossem Hubraum in vergleichsweise kompakte Fahrzeuge einzubauen.
Während die heutige Hot-Hatch-Welt – abgesehen von zwei oder drei Ausnahmen – von turboaufgeladenen Reihen-Vierzylindern geprägt wird, bot die Vergangenheit mehr und vor allem reizvollere Vielfalt. Vierzylinder, ob mit Turboaufladung oder als Saugmotoren, blieben zwar die häufigste Wahl, doch es gab im übertragenen wie im wörtlichen Sinn Raum für zusätzliche Zylinder.
Neben Hot Hatches mit Reihen-Fünfzylindern von Fiat, Ford, Volvo und Audi – nur Audi führt dieses Konzept im RS 3 bis heute fort – gab es auch Modelle mit edleren V6- und Reihen-Sechszylindermotoren. Eine höhere Zylinderzahl machte nicht automatisch die besten Hot Hatches, dennoch gehören diese Fahrzeuge zu den aussergewöhnlichsten Vertretern dieser Klasse. Zeit, sie kennenzulernen.
Alfa Romeo 147 GTA
Der 147 GTA steht nicht deshalb am Anfang, weil diese Liste alphabetisch sortiert wäre – ist sie nicht –, sondern weil er wohl der leidenschaftlichste Hot Hatch mit sechs Zylindern überhaupt ist. Der Hauptverantwortliche? Sein V6 Busso, der noch immer als einer der besten V6-Motoren aller Zeiten gilt und zudem mit seinem grossartigen Klang begeistert.
Bei seiner Einführung 2002 setzte er sich mit 250 PS aus 3,2 l V6 an die Spitze seiner Klasse und lieferte für die damalige Zeit eindrucksvolle Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h ging es in 6,3 s, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 246 km/h. Leistung war reichlich vorhanden, doch die allein angetriebene Vorderachse hatte sichtbar Mühe, alles auf den Asphalt zu bringen. Ein Sperrdifferenzial half dabei, das Temperament des V6 besser zu bändigen – und genau das rüsteten viele Besitzer nach.
Volkswagen Golf VR6/Golf R32
Nach der „Durststrecke“ des Golf GTI in der dritten und vierten Generation fehlte dem deutschen Modell eine Variante, welche seine sportlichen Gene wirklich wiederbeleben konnte. Erste Anzeichen dafür gab es bereits in der dritten Generation mit dem Golf VR6 (1991-1997).
Diese ersten Golf mit mehr als vier Zylindern bescherten ihm gegenüber dem damaligen GTI einen deutlichen Zugewinn bei Leistung und Performance: Zunächst kamen 2,8 l, 174 PS und Frontantrieb zum Einsatz, am Ende seiner Laufbahn waren es 2,9 l, 190 PS und Allradantrieb. In der Hot-Hatch-Szene blieb sein Auftritt dennoch eher unauffällig, nicht zuletzt wegen herausragender zeitgenössischer Fahrzeuge wie Ford Escort RS Cosworth und Lancia Delta Integrale, die auf den Wertungsprüfungen der Rallye-Weltmeisterschaft für Aufsehen sorgten.
Mit dem Golf IV stellte sich der Bekanntheitsgrad ein; diese Baureihe gilt bis heute als eine der prägendsten Generationen des traditionsreichen deutschen Modells. Der GTI enttäuschte jedoch erneut. Die Ehre des Golf bei den Hot Hatches verteidigte zunächst der Nachfolger des VR6, der nun schlicht V6 hiess und dessen 2,8-l-Motor auf 204 PS erstarkte. Was anschliessend folgte, sollte den Golf endgültig auf die Landkarte der Enthusiasten setzen.
Der 2002 eingeführte Volkswagen Golf R32, das erste Mitglied der R-Familie, war tatsächlich etwas Besonderes. Der VR6 wuchs auf 3,2 l Hubraum, während die Leistung auf 241 PS stieg und ihn zu einem der stärksten Hot Hatches seiner Zeit machte.
Vielleicht „schrie“ er nicht so emotional wie der im selben Jahr vorgestellte 147 GTA, doch bei der Effizienz setzte er sich stärker in Szene: Allradantrieb (4Motion) und eine unabhängige Hinterradaufhängung verliehen dem Golf jene „Lebensfreude“, die ihm seit dem Golf II GTI gefehlt hatte. Zudem war er das erste Serienfahrzeug mit dem heute allgegenwärtigen DSG-Doppelkupplungsgetriebe, damals mit sechs Gängen. Das machte ihn nochmals schneller und effektiver: Für den Sprint auf 100 km/h benötigte er nur 6,4 s.
Der Golf R32 blieb noch für eine weitere Generation im Programm. Der VR6 behielt 3,2 l Hubraum, die Leistung stieg jedoch auf 250 PS. Seine Wirkung war nicht mehr ganz so gross, vor allem weil ein hervorragender, neu erstarkter Golf GTI sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zog. In der folgenden Generation blieb der Golf R erhalten, ersetzte den Sechszylinder jedoch durch eine stärkere Ausführung des turboaufgeladenen 2,0-l-Vierzylinders aus dem GTI. Einen Golf mit sechs Zylindern gab es danach nie wieder.
SEAT Leon CUPRA 4
Es lag nahe, dass der Volkswagen-VR6 auch in weiteren Marken des Konzerns verwendet werden würde. Audi setzte ihn sowohl im TT als auch im A3 ein – die sportlichen Modellversionen S3 und RS 3 nutzten allerdings nie den VR6 – und auch bei SEAT kam er zum Einsatz.
Die erste Leon-Generation basierte auf dem Golf IV, und der VR6 trieb eine der zahlreichen CUPRA-Versionen an. Um dem Golf-Verwandten nicht zu nahe zu kommen, war er auf 2,8 l und 204 PS begrenzt; Allradantrieb gehörte stets dazu. Es blieb der einzige Leon der Geschichte mit mehr als vier Zylindern, doch auch dieser Hot Hatch geriet mit der Zeit etwas in Vergessenheit.
Verantwortlich dafür waren die anderen Leon CUPRA mit dem 1,8-l-Turbo-Vierzylinder, die einige Jahre später erschienen. Sie übertrafen den VR6 nicht nur bei der Leistung – zunächst mit 210 PS, später mit 225 PS –, sondern waren trotz ausschliesslichem Zweiradantrieb auch schneller, agiler und leichter.
BMW 130i/M135i/M140i
Bis zur Einführung der dritten und aktuellen Generation nahmen die BMW 1er eine Sonderrolle in ihrem Segment ein. Denn dank der gemeinsamen Plattform mit dem grösseren 3er waren sie die einzigen Fahrzeuge ihrer Klasse mit Hinterradantrieb. Vom 3er stammten auch die begehrten Reihen-Sechszylinder, welche die stärksten Varianten des 1er E87 und F20 – der ersten und zweiten Generation – antrieben.
Welche passendere Rezeptur könnte es für einen Hot Hatch mit sechs Zylindern geben, als diese mit Hinterradantrieb zu verbinden?
Im 130i E87 bedeutete das einen 3,0-l-Saugmotor mit 265 PS und sechs Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Vermutlich war dies der Hot Hatch mit der reinsten Architektur überhaupt: ein längs eingebauter Reihen-Sechszylinder, Hinterradantrieb und ein manuelles Getriebe, wobei auch eine Automatik erhältlich war. Perfekt war er nicht – bei widrigeren Wetterbedingungen erwies sich die Hinterachse nicht immer als bester Freund –, aber sein Fahrerlebnis war im Segment einzigartig.
Das setzte sich in der zweiten Generation, dem F20, fort. Noch immer auf derselben Basis wie der 3er aufgebaut, erhielten die schärferen 1er-Modelle das M-Präfix – M135i und M140i – und der Reihen-Sechszylinder einen Turbolader. Daraus resultierte ein gewaltiger Leistungssprung: zunächst auf 326 PS im M135i, nach dem Facelift auf 340 PS im M140i.
Zur Wahl standen Hinterrad- oder Allradantrieb sowie ein manuelles oder automatisches Getriebe. Unabhängig von der Konfiguration war die Performance stets hoch, und erstmals fiel der Sprint auf 100 km/h unter die Marke von 5,0 s.
Volkswagen Beetle RSI
Zurück zu Volkswagen und dem VR6, der im Beetle RSI (2001) seine extravaganteste Ausprägung fand. Unter seiner bewusst nostalgischen und deutlich umgestalteten Karosserie – erheblich breiter, mit auffälligem Heckflügel – verbargen sich im Wesentlichen Technik und Fahrwerk des Golf R32. Im „Super-Käfer“ leistete der VR6 allerdings 224 PS, die Fahrleistungen entsprachen jedoch in jeder Hinsicht weitgehend denen des konventionellen Golf R32.
Innerhalb dieser Liste ist er der seltenste Hot Hatch. Vom Beetle RSI entstanden lediglich 250 Exemplare – für Sammler?
Renault Clio V6
Kann man den Renault Clio V6 (2001-2005) tatsächlich als echten Hot Hatch bezeichnen? Schliesslich macht der grosse V6 hinter den Vordersitzen aus ihm einen Zweisitzer und schränkt damit die Vielseitigkeit stark ein, die man üblicherweise mit dieser Fahrzeugklasse verbindet.
Trotz des Motors „hinter dem Rücken“ unterscheidet er sich aber nicht von den radikalsten Vertretern seiner Klasse, die eine ähnlich ausgeprägte Abneigung gegen Rücksitze zeigten: vom Renault Mégane R.S. R26.R bis zum Volkswagen Golf GTI Clubsport S.
Schon als R.S. beeindruckte der Clio II und wird von vielen als einer der besten Vertreter der Hot-Hatch-Gattung angesehen. Diese Version mit mittig hinten eingebautem V6 und Hinterradantrieb – eine Erinnerung an den Renault 5 Turbo – brachte jedoch das Prädikat exotisch in diese Klasse.
Hinter den Sitzen arbeitete der 3,0-l-V6 PRV, zunächst mit 230 PS; mit dem Facelift des bescheidenen Clio stieg seine Leistung auf 255 PS. Das Fahrverhalten der ersten Version galt, freundlich ausgedrückt, als heikel… In der zweiten Ausführung wurde das dynamische Potenzial des Clio V6 angemessen abgestimmt, wodurch er effektiver und berechenbarer wurde.
Noch immer zählt er zu den fantastischsten Kreationen von Renault Sport.
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