Niedrigere Betriebskosten und eine Reichweite von 1500 km sind die unschlagbaren Argumente des Dacia Duster Hybrid-G 4×4. Bewähren sie sich auch in der Praxis?
Über den Dacia Duster ist bereits fast alles gesagt worden. In dieser Generation ist er zum besten Dacia aller Zeiten gereift und setzt den Erfolgskurs fort, den das Modell seit seiner Einführung im Jahr 2010 verfolgt.
Er erhielt ein neues Design, einen deutlich aufgewerteten Innenraum und eine vollständig neue Plattform. Letztere ebnete den Weg für neue elektrifizierte Antriebe. Einer davon ist eine Marktneuheit, denn er vereint vier Systeme: Hybridantrieb, LPG, Automatikgetriebe und Allradantrieb.
Zugegeben, das klingt kompliziert. Dennoch sollte man nicht gleich abschalten: Theoretisch könnte dies der vielseitigste Dacia Duster aller Zeiten sein. Ich habe ihn getestet und genau unter die Lupe genommen:
Das Design als starkes Argument
Bei früheren Dacia-Modellen war das Exterieur eher unerquicklich, während der Innenraum gerade eben seinen Zweck erfüllte. Heute sieht das völlig anders aus: Gerade der abenteuerlichere Auftritt des Duster zählt mittlerweile zu seinen überzeugenden Stärken.
Das gilt ebenso für den Innenraum. Hartplastik ist nach wie vor vorhanden, doch die Verarbeitung wirkt solide und die Gestaltung ist wesentlich angenehmer organisiert.
Besonders hervorzuheben ist zudem das neue Technologieangebot: Es umfasst ein volldigitales 7-Zoll-Kombiinstrument sowie einen 10,1-Zoll-Multimediabildschirm mit kabelloser Smartphone-Integration über Android Auto und Apple CarPlay.
Hybrid + LPG
Am Einstieg der Duster-Palette steht die Bi-Fuel-Variante mit Benzin und LPG. Dacia baut dieses Angebot kontinuierlich aus, während die Technik auf dem portugiesischen Markt immer mehr Anhänger findet.
Angesichts der wachsenden Beliebtheit dieser Antriebstechnik hat Dacia sie auf die nächste Stufe gehoben und mit weiteren Technologien zu einem auf dem Markt einzigartigen System kombiniert.
Vorn arbeitet ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit 140 PS, während an der Hinterachse ein Elektromotor mit 23 kW (31 PS) sitzt. Zusammen erreicht das System eine maximale Gesamtleistung von 113 kW (154 PS).
Der Verbrennungsmotor liefert 230 Nm Drehmoment und ist mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsautomatikgetriebe gekoppelt. Dieses lässt sich über Schaltwippen am Lenkrad bedienen – ebenfalls eine Neuheit für die rumänische Marke.
Der hintere Elektromotor stellt dagegen 87 Nm bereit und ist mit einem Zweiganggetriebe verbunden. Der erste Gang sorgt bei niedrigem Tempo für hohes Drehmoment, was beim Fahren abseits befestigter Wege oder auf Untergrund mit geringer Haftung wichtig ist. Die zweite Übersetzung senkt bei höherem Tempo die Drehzahl des Elektromotors und gewährleistet bis 140 km/h Antrieb an der Hinterachse.
Doch die Besonderheiten des Getriebes für den hinteren Elektromotor gehen noch weiter: Die Einheit besitzt einen Neutralmodus, in dem sie vollständig von der Hinterachse getrennt werden kann. Dadurch werden mögliche Reibungsverluste vermieden. Auch das ist eine weitere einzigartige Lösung für einen 48-Volt-Elektromotor, der von einer Lithium-Ionen-Batterie mit 0,84 kWh Kapazität gespeist wird.
Rekordreichweite des Dacia Duster Hybrid-G 150 4×4
Für eine echte rein elektrische Reichweite reicht das zwar nicht aus. Da die Batterie während der Fahrt jedoch fortlaufend geladen wird, kann der Duster Hybrid-G 150 4×4 im Stadtverkehr bis zu 60 % der Zeit fahren, ohne auch nur einen Tropfen Kraftstoff zu verbrauchen.
Der entscheidende Vorteil dieses Systems liegt allerdings im LPG-Betrieb. Der Duster verfügt damit über zwei Kraftstofftanks mit jeweils 50 Litern – einen für Benzin und einen für LPG. Zusammen ermöglichen sie eine Reichweite von bis zu 1500 km im kombinierten WLTP-Zyklus ohne Tankstopp.
Mit diesem Wert kann kein Elektroauto auch nur annähernd mithalten. Das erhöht die Vielseitigkeit des Modells zusätzlich und sorgt für niedrigere Betriebskosten als beim Duster Hybrid, den wir ebenfalls bereits getestet haben:
Noch stärker abseits befestigter Wege
Auf der Straße präsentiert sich das System sparsam, angenehm im Umgang – wofür vor allem das Getriebe verantwortlich ist – und ausgesprochen kraftvoll. Die maximale Leistung von 154 PS ist klar spürbar. Auf schlechten Wegen schlägt sich dieser Duster ebenfalls weiterhin außerordentlich gut.
Mit 21 cm Bodenfreiheit und guten Böschungswinkeln lässt sich diese Allradversion mit zusätzlichem Vertrauen ins Gelände bewegen. Im hervorgehobenen Video dieses Artikels ist der Duster in Schlamm und auf unbefestigtem Boden zu sehen.
Die Fahrt war zwar vergleichsweise kurz, bestätigte aber meinen bereits gewonnenen Eindruck: Wer nicht besonders anspruchsvolle Offroad-Strecken fahren möchte – dann ist dieses Auto ohnehin nicht das richtige –, findet im Duster alles Nötige, um eine Schotter- oder Sandpiste in Angriff zu nehmen.
Interessanterweise funktioniert trotz der erwartbaren Systemkomplexität alles unkompliziert. Auf offenen Straßen ist der Modus „Auto“ fast immer die beste Wahl: Das System wechselt automatisch zwischen 4×2 und 4×4 und stellt in jeder Situation die bestmögliche Traktion bereit.
Bei schwierigeren Bedingungen, insbesondere in Schlamm wie während meiner Fahrt, empfiehlt es sich hingegen, den Modus „Mud/Sand“ zu aktivieren. Dann reagiert das System schneller und entschlossener auf Traktionsverluste.
Was kostet er?
Die Dacia-Duster-Palette startet bei 19 900 Euro für die Eco-G-Version mit Bi-Fuel-Antrieb und reicht bis zu 29 300 Euro für den Hybrid 155, der weiterhin das Spitzenmodell bleibt.
Direkt darunter positioniert sich nun der neue Hybrid-G 150 4×4, der ab 27 850 Euro in der Ausstattung Expression erhältlich ist.
Anders lässt es sich kaum ausdrücken: Ein großer Teil des Duster-Erfolgs beruhte schon immer auf seinem Preis, und bei dieser Version fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgesprochen attraktiv aus. Denn damit ist er ohne Zweifel der vollständigste und vielseitigste Duster von allen.
Er bietet Allradantrieb, Automatikgetriebe, 154 PS maximale Leistung, 1500 km Reichweite und ein System, das im Stadtverkehr bis zu 60 % der Zeit elektrisches Fahren ermöglicht. All das steckt in einem einzigen Gesamtpaket. Darüber hinaus kann er bei Mautstellen der Klasse 1 zugeordnet werden, sofern Via Verde genutzt wird.
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