Es gibt ein altes Sprichwort: „Wenn du sie nicht besiegen kannst, schließe dich ihnen an.“ Genau diesen Weg schlägt Ford nun ein. Unter dem Druck der wachsenden Konkurrenz chinesischer Hersteller und mit dem Ziel, die Auslastung seines Werks im spanischen Valencia zu erhöhen, hat die US-Marke eine Partnerschaft mit Geely angekündigt.
Nach Jahrzehnten, in denen das Werk ausschließlich Ford-Modelle fertigte, werden in Almussafes künftig auch Fahrzeuge der chinesischen Marke gebaut. Dafür gründen beide Unternehmen ein Joint Venture, das die Wettbewerbsfähigkeit des spanischen Standorts steigern und ihre industrielle Präsenz in Europa ausbauen soll.
„Diese Partnerschaft zeigt, wie die Hersteller die industrielle Basis Europas stärken, aber wir können das nicht allein schaffen“, erklärte Jim Baumbick, Präsident von Ford Europe.
Das neue Unternehmen wird zu 66 % Ford und zu 34 % Geely gehören. Es übernimmt die Produktion von Modellen beider Marken für den europäischen Markt.
Mit dem Vorhaben will Ford die vorhandenen Kapazitäten effizienter nutzen, Entwicklungskosten aufteilen und das Werk wettbewerbsfähiger machen. Dies geschieht in einer Phase, in der die europäische Automobilindustrie mit hohen Kosten, zunehmendem regulatorischem Druck und immer härterem internationalem Wettbewerb konfrontiert ist.
„Dieses Joint Venture mit Ford in Europa spiegelt unser Bekenntnis zur gemeinsamen Produktentwicklung als Teil unserer Wachstumsstrategie wider, vertieft unsere lokale Präsenz und unser Engagement für die Kunden in Europa“, sagte Alex Nan, Vizepräsident der Geely Group.
Fünf Modelle für Valencia
Ziel ist es, das Ford-Werk in Valencia mit einer jährlichen Kapazität von rund 500.000 Fahrzeugen zu einem gemeinsam genutzten und technologisch fortschrittlicheren Industriestandort auszubauen. In diesem 1976 eröffneten Werk lief einst die erste Generation des inzwischen eingestellten Ford Fiesta vom Band.
„Seit fast 50 Jahren produziert Valencia einige der beliebtesten Fahrzeuge unserer Geschichte, und nun wird dieses Team dazu beitragen, unsere Zukunft zu gestalten. Gemeinsam können wir ein hochmodernes Werk mit einer hervorragenden Belegschaft vollständig auslasten und den neuen Kostenstandard der Branche erreichen“, ergänzte Baumbick.
Das Werk wird den Ford Kuga weiterhin produzieren und erhält ab 2028 vier neue Modelle. Auf Seiten von Ford entstehen ein neues Mitglied der Bronco-Familie, das auf den europäischen Markt zugeschnitten ist, sowie ein gemeinsam mit Geely entwickelter Familien-Crossover mit mehreren Antriebsarten.
Hinzu kommen zwei vollelektrische SUVs von Geely. Sie sind die ersten Modelle der chinesischen Marke, die im Rahmen dieser Partnerschaft gefertigt werden.
Nach Angaben beider Unternehmen werden die neuen Fahrzeuge gezielt für den europäischen Markt entwickelt und verbinden das Know-how beider Seiten in den Bereichen Technik, Entwicklung und Produktion. Geely hat bislang nicht offiziell mitgeteilt, welche beiden Elektromodelle in Valencia gebaut werden.
Was Ford und Geely gewinnen
Die Fertigung chinesischer Fahrzeuge im spanischen Werk bringt sowohl Ford als auch Geely Vorteile. Für Geely ist sie ein Weg, schneller Produktionskapazitäten in Europa aufzubauen, ohne ein Werk von Grund auf errichten zu müssen, und zugleich die industrielle Präsenz auf dem Kontinent zu stärken.
Die lokale Produktion gewinnt zusätzlich an Bedeutung, nachdem die Europäische Union zusätzliche Zölle auf in China produzierte Elektroautos eingeführt hat. Je nach Hersteller kann die gesamte Zollbelastung dadurch auf bis zu 45,3 % steigen.
Darüber hinaus stellte die Europäische Kommission im März 2026 den Vorschlag für den Industrial Accelerator Act vor. Das noch verhandelte Gesetz soll in Europa hergestellte Produkte bevorzugen und zusätzliche Anforderungen für bestimmte ausländische Investitionen in strategisch eingestuften Branchen festlegen, darunter die Elektromobilität.
Für Ford liegt der Schwerpunkt vor allem auf niedrigeren Kosten und einer Wiederbelebung der Aktivitäten im Werk Valencia. Wie andere europäische Standorte arbeitet auch das spanische Werk deutlich unter seiner installierten Kapazität. Gründe dafür sind die sinkenden Stückzahlen der Marke und die Kosten des Übergangs zur Elektromobilität.
Indem Ford Modelle eines anderen Herstellers aufnimmt, kann das Unternehmen die Auslastung der Montagelinien erhöhen, fixe Kosten auf mehr Fahrzeuge verteilen, das Risiko weiterer Produktionskürzungen senken und Arbeitsplätze sichern.
Nächste Schritte
Die Gründung des neuen Unternehmens steht weiterhin unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden. Bei einer Freigabe soll das Unternehmen im ersten Halbjahr 2027 seine Tätigkeit aufnehmen.
Die ersten Fahrzeuge aus der Partnerschaft sollen 2028 in Valencia von den Produktionslinien rollen.
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