Der CUPRA Formentor 1.5 TSI hat nicht die Leistung der VZ-Modelle, könnte gebraucht aber die vernünftigste Wahl sein.
Mit dem CUPRA Formentor wurde CUPRA endgültig zu einer eigenständigen Marke. Anders als Ateca und Leon ging er nicht aus einem SEAT-Modell hervor: Er war das erste von Grund auf entwickelte Auto, das ausschließlich das kupferfarbene Emblem tragen sollte.
Der 2020 vorgestellte und seit 2021 in Portugal angebotene Formentor verband eine Crossover-Karosserie mit sportlicher Optik und einem ausreichend eigenständigen Auftritt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das Konzept ging auf: Der Formentor wurde rasch zum wichtigsten Modell von CUPRA.
Dieser Ratgeber konzentriert sich auf den 1.5 TSI mit 150 PS. Diese Variante machte den Formentor für einen größeren Käuferkreis erreichbar und stellt den rationaleren Kompromiss aus Fahrleistungen, Verbrauch und Kosten dar. Bei Pisca Pisca fanden wir Exemplare für etwa 24.000 bis 33.000 Euro, abhängig von Baujahr, Laufleistung, Ausstattung und Getriebe.
Der CUPRA, der nicht als SEAT begann
Technisch basiert der Formentor auf der MQB-Evo-Plattform des Volkswagen-Konzerns, die auch beim Volkswagen Golf, SEAT Leon, Skoda Octavia und Audi A3 eingesetzt wird. CUPRA gab ihm jedoch eine eigene Abstimmung, eine vergleichsweise niedrige Sitzposition und eine Karosserie ohne direktes Gegenstück bei den anderen Konzernmarken.
Von 2021 bis 2024 blieb die Optik des Formentor nahezu unverändert. Das große Update wurde 2024 präsentiert, die ersten überarbeiteten Fahrzeuge kamen jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt. Zu den Änderungen gehörten eine neu gestaltete Front, eine Lichtsignatur mit drei Dreiecken, ein beleuchtetes Hecklogo sowie ein neues Infotainmentsystem.
Die in diesem Ratgeber behandelten Fahrzeuge gehören daher überwiegend zur ersten Modellphase. Die Unterschiede zwischen den Modelljahren betreffen vor allem die Ausstattung, Software-Versionen, einzelne Sondermodelle und die schrittweise Behebung elektronischer Probleme, von denen frühe Exemplare betroffen waren.
Der CUPRA Formentor wirkt weiterhin teurer, als er ist
Das Design zählt nach wie vor zu den stärksten Argumenten des Formentor. Seine flache Front, die ausgeprägten Linien auf der Motorhaube, die breiten Schultern und die hintere Lichtsignatur verleihen ihm eine deutlich auffälligere Präsenz als den meisten potenziellen Konkurrenten.
Der 1.5 TSI behält nahezu dieses gesamte Erscheinungsbild, auch wenn weniger umfangreich ausgestattete Fahrzeuge auf 18-Zoll-Räder setzen und einige Details der VZ-Versionen fehlen. Die Attrappen der Endrohre nehmen dem Gesamtbild zwar etwas Authentizität, beeinträchtigen seine optische Wirkung aber nicht.
Bei der Besichtigung sollten Sie auf abweichende Farbtöne zwischen den Karosserieteilen, ungleichmäßige Spaltmaße und Hinweise auf frühere Reparaturen achten. Die großen Räder sind besonders anfällig für Beschädigungen, und Reifen im Format 245/45 R18 sind nicht günstig.
Zudem berichten Besitzer von Windgeräuschen an den Außenspiegeln sowie von Klapper- und Knarzgeräuschen bei Fahrzeugen mit Panorama-Glasdach. Fahren Sie bei der Probefahrt über schlechten Straßenbelag und prüfen Sie, ob Geräusche vom Dachhimmel, der Mittelkonsole oder dem Kofferraumbereich kommen.
Modernes Interieur, aber zu stark vom Bildschirm abhängig
Der Innenraum ähnelt dem des CUPRA Leon, besitzt jedoch eigene Details und wirkt sportlicher gestaltet. Für ein Crossover sitzt der Fahrer relativ tief, die Sitze bieten guten Halt und die Materialien in den sichtbaren Bereichen vermitteln einen überzeugenden Qualitätseindruck.
Im Fond fällt das Platzangebot besser aus, als es die Dachlinie vermuten lässt. Zwei Erwachsene reisen komfortabel, während der 1.5 TSI einen Kofferraum mit 450 Litern bietet. Bei umgeklappter Rücksitzbank wächst das Volumen auf 1505 Liter.
Das größte Manko ist die Ergonomie. Die Klimatisierung wird über den Bildschirm und zwei darunter angeordnete Touchleisten bedient, die bei frühen Fahrzeugen nicht beleuchtet waren. Nachts die Temperatur zu verändern, kann dadurch unnötig umständlich sein.
Bei gebrauchten Formentor ist vor allem die Funktion des MIB3-Systems wichtig. Eingefrorene Bildschirme, spontane Neustarts, lange Startzeiten, Verbindungsprobleme mit dem Smartphone und Fehlermeldungen der Assistenzsysteme gehören zu den häufigsten Beschwerden. Mehrere Updates haben die Probleme zwar verringert, aber nicht alle vollständig beseitigt.
Nehmen Sie sich vor dem Kauf ausreichend Zeit, das System zu prüfen. Verstellen Sie die Temperatur, verbinden Sie Android Auto oder Apple CarPlay, geben Sie ein Ziel ins Navigationssystem ein, nutzen Sie die Lenkradtasten und kontrollieren Sie, ob die Rückfahrkamera schnell angezeigt wird.
Reichen 150 PS im Formentor aus?
Der Vierzylinder 1.5 TSI Evo (EA211 Evo) leistet 150 PS und entwickelt zwischen 1500 U/min und 3500 U/min 250 Nm. Er verfügt über Direkteinspritzung, Turboaufladung und eine Zylinderabschaltung, bei der bei geringer Last zwei Zylinder deaktiviert werden.
Aus dem Formentor wird damit kein Sportwagen, für die Nutzung als Familienauto ist die Leistung jedoch ausreichend. Mit Handschaltung beschleunigt er in rund neun Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht etwa 204 km/h.
Die Leistungsentfaltung ist gleichmäßig und angenehm, aber nicht besonders explosiv. Das manuelle Sechsganggetriebe ist lang übersetzt, sodass für zügigere Zwischenspurts ein oder zwei Gänge zurückgeschaltet werden müssen.
Das automatische Siebengang-DSG mit Doppelkupplung erhöht den Alltagskomfort und passt besser zum Charakter des Formentor. Allerdings arbeitet das Getriebe DQ200 mit trockenen Kupplungen, die luftgekühlt und nicht in Öl getaucht sind. Beim Anfahren kann es deshalb gelegentlich zögern oder bei langsamen Rangiermanövern leicht ruckeln.
Eine geringe Verzögerung beim Einparken kann als typische Eigenschaft des Getriebes gelten. Starke Vibrationen, metallische Geräusche, Schwierigkeiten beim Einlegen des Rückwärtsgangs oder sehr harte Schaltvorgänge sind dagegen nicht normal. Sie können auf verschlissene Kupplungen, Probleme mit dem Zweimassenschwungrad oder Störungen der Mechatronik hinweisen.
Fahrverhalten weiterhin typisch CUPRA
Der 1.5 TSI ist leistungsmäßig zurückhaltend, bewahrt aber eine der wichtigsten Stärken des Modells: die Fahrwerksabstimmung. Die Lenkung reagiert schnell und präzise, die Karosseriebewegungen werden gut kontrolliert und die Vorderachse spricht direkter an als bei vergleichbaren Angeboten.
Auch die niedrigere Sitzposition verstärkt das Gefühl, einem herkömmlichen Pkw näher zu sein. Selbst ohne adaptive Fahrwerksregelung gelingt der Kompromiss zwischen Komfort und Fahrverhalten, insbesondere mit 18-Zoll-Rädern.
Das Fahrwerk ist straff, ohne unbequem zu werden. 19-Zoll-Räder verbessern zwar die Optik, machen das Abrollen aber härter, verteuern die Reifen und sind anfälliger für Schäden.
Im Test von Razão Automóvel verbrauchte der Formentor 1.5 TSI 7,7 l/100 km. Mit zurückhaltenderer Fahrweise sind weniger als sieben Liter möglich. Bei Spritmonitor, das Daten realer Nutzer erfasst, liegt der Durchschnitt für den 1.5 TSI mit Handschaltung bei 7,11 l/100 km; mit Automatikgetriebe steigt er auf 7,5 l/100 km.
Der Motor bereitet weniger Sorgen als die Elektronik
Der 1.5 TSI ist eine Weiterentwicklung der EA211-Motoren des Volkswagen-Konzerns und zeigt in dieser Ausbaustufe nicht mehr die Probleme, die mit den frühen TSI-Generationen verbunden waren.
Trotzdem gibt es einige Punkte, die überprüft werden sollten. Bei überwiegend innerstädtischer Nutzung können sich vor allem bei hoher Laufleistung Ablagerungen im Ansaugtrakt bilden. Auch Spuren von Undichtigkeiten im Kühlsystem sind zu suchen, insbesondere im Bereich der Wasserpumpe und des Thermostatgehäuses.
Unruhiger Leerlauf, Zündaussetzer oder Leistungsverlust können durch Zündspulen, Zündkerzen, Einspritzdüsen oder Ablagerungen verursacht werden. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um gravierende Motorschäden, doch eine umfassende Reparatur am Ansaug- oder Einspritzsystem kann teuer werden.
Stellen Sie sicher, dass das Öl regelmäßig gewechselt wurde, auch wenn der flexible Wartungsplan lange Intervalle erlaubt. Bei einem Gebrauchtwagen würden wir Fahrzeuge bevorzugen, bei denen Öl und Filter jährlich oder ungefähr alle 15.000 km erneuert wurden, statt Exemplare zu wählen, die stets bis zur maximalen Vorgabe des LongLife-Plans gefahren wurden.
Bei Fahrzeugen mit DSG sollten Sie mindestens 15 Minuten im zähfließenden Verkehr fahren und mehrere Rangiermanöver durchführen, um Vibrationen oder Verzögerungen festzustellen.
Wie viel sollten Sie bezahlen?
Das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt ist bereits groß, doch die Preise bleiben hoch, da der Formentor modern wirkt und weiterhin verkauft wird.
Bei PiscaPisca fanden wir 1.5-TSI-Modelle nahe 24.000 Euro, Exemplare aus 2023 zwischen 28.500 Euro und 30.000 Euro sowie Fahrzeuge aus 2024 mit DSG für rund 32.500 Euro.
Diese Grafik von Pisca Pisca/MotorCV zeigt die Preisentwicklung des Formentor im Zeitverlauf:
Das DSG, 19-Zoll-Räder, Sportsitze, Panorama-Glasdach und Assistenzpakete können höhere Preise rechtfertigen. Zahlen Sie jedoch keinen hohen Aufpreis allein für die Räder oder das Panorama-Glasdach, zumal beides die späteren Kosten erhöhen kann.
Wichtiger als 1000 Euro zu sparen, ist ein nicht modifiziertes portugiesisches Fahrzeug mit nachvollziehbarer Wartungshistorie und vollständig erledigten Rückrufaktionen.
Was können Reparaturen kosten?
Außerhalb der Garantie kann die Elektronik den häufigsten Kostenpunkt darstellen. Ein Update des MIB3-Systems sollte im Vertragsnetz zwischen 100 Euro und 150 Euro kosten, in einer freien Werkstatt dagegen 50 Euro bis 80 Euro. Muss das Steuergerät ersetzt werden, kann die Rechnung bei CUPRA auf 1200 Euro bis 1800 Euro steigen; mit einem reparierten oder wiederaufbereiteten Bauteil sind 600 Euro bis 900 Euro möglich.
Beim DSG7 kostet ein Doppelkupplungssatz bei der Marke etwa 1400 Euro bis 1800 Euro und außerhalb des Vertragsnetzes 900 Euro bis 1200 Euro. Ein Defekt der Mechatronik kann noch kostspieliger sein: Der Austausch kann bei CUPRA 2500 Euro erreichen, während eine Reparatur in einer spezialisierten Werkstatt voraussichtlich zwischen 800 Euro und 1300 Euro liegt.
Der 1.5 TSI weist keine schwerwiegenden chronischen Probleme auf, doch eine Reinigung des Ansaugtrakts von Ablagerungen kann zwischen 350 Euro und 500 Euro kosten. Der Austausch von Wasserpumpe oder Thermostat dürfte bei der Marke 600 Euro bis 800 Euro kosten, in einer freien Werkstatt 350 Euro bis 450 Euro.
Ein Satz vorderer Bremsscheiben und Bremsbeläge sollte im Vertragsnetz 350 Euro bis 450 Euro kosten, außerhalb davon 200 Euro bis 280 Euro. Alle Beträge sind Richtwerte und hängen von der Werkstatt, den verwendeten Teilen und dem Umfang der Arbeiten ab.
Rückrufaktionen vor dem Kauf prüfen
Für den CUPRA Formentor gab es Aktionen zum Front Assist, zu den Sicherheitsgurten, Airbags, der Motorabdeckung und bei bestimmten DSG-Fahrzeugen zum Hitzeschutz im Bereich des Bremskraftverstärkers. Nicht jede Aktion betrifft den 1.5 TSI oder alle Produktionsjahre, daher muss die Prüfung über die Fahrgestellnummer erfolgen.
Bitten Sie den Verkäufer um einen Nachweis der durchgeführten Arbeiten und erkundigen Sie sich bei CUPRA, ob noch Aktionen offen sind. Auch die Aktualisierungen des Infotainmentsystems sollten kontrolliert werden, obwohl sie nicht immer als Rückrufaktion eingestuft werden.
Lesen Sie den MotorCV-Bericht, um die Rückrufaktionen des CUPRA Formentor 1.5 TSI im Detail kennenzulernen:
Handschaltung oder Automatik?
Anders als bei anderen Modellen bietet der CUPRA Formentor keine festen Ausstattungslinien. Die Entscheidung fällt daher im Wesentlichen zwischen dem 1.5 TSI mit Handschaltung und DSG. In diesem Fall würden wir den Formentor 1.5 TSI DSG wählen.
Das DSG passt besser zum täglichen Einsatz und umgeht die zu lange Übersetzung des manuellen Getriebes. Es verbraucht mehr, doch der Unterschied ist nicht so groß, dass man es ausschließen sollte. Prüfen Sie seine Funktion aber unbedingt im Stop-and-go-Verkehr und beim Rangieren.
Suchen Sie außerdem nach Fahrzeugen mit Rückfahrkamera, da die Sicht nach hinten im Formentor nicht besonders gut ist, sowie mit dem 12-Zoll-Infotainmentsystem. Empfehlenswert sind ebenfalls 18-Zoll-Räder. Die 19-Zoll-Räder halten wir nicht für unverzichtbar: Die 18-Zoll-Ausführung bietet mehr Komfort, günstigere Reifen und ein geringeres Schadensrisiko, auch wenn die 19-Zoll-Räder die Radhäuser besser „ausfüllen“.
Wir würden außerdem eher nach Fahrzeugen aus 2022 und 2023 suchen, die von stabilerer Software profitieren. Dennoch ist bei ihnen weiterhin ein vollständiger Test der Elektronik angebracht.
Alternativen
Zu den Alternativen zählt der Volkswagen T-Roc der ersten Generation, der kompakter, konventioneller und unkomplizierter im Alltag ist. Der Mazda CX-30 bietet einen hochwertiger wirkenden Innenraum und einen Saugmotor, der vor allem wegen der Getriebeübersetzung „schwächer“ wirken kann. Der BMW X2 der ersten Generation besitzt ebenfalls eine eigenständige Optik, verursacht aber höhere Kosten.
Falls Crossover und SUV für Sie nicht infrage kommen, bietet der CUPRA Leon 1.5 TSI innerhalb der Marke ein dynamischeres Fahrerlebnis für weniger Geld. Gegenüber dem Formentor muss er lediglich beim Platzangebot leichte Nachteile hinnehmen.
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