In dieser neuen Generation verzichtet der Honda Civic auf reine Verbrennervarianten und setzt stattdessen ausschliesslich auf einen Hybridantrieb – abgesehen vom Type R.
Kann dieser neue Antrieb darüber hinwegtrösten, dass die geschätzten Motoren 1.5 VTEC Turbo und 1.6 i-DTEC nicht mehr angeboten werden? Dazu kommen ein neues, zurückhaltenderes und eleganteres Design sowie ein hochwertigeres Interieur als je zuvor.
Wir haben den neuen Honda Civic eine Woche lang gefahren, um diese und weitere Fragen zu beantworten.
Überzeugt er beim Verbrauch?
Das Fundament des neuen Civic bildet ein Hybridsystem ohne Plug-in-Funktion, das sich also nicht an einer Steckdose laden lässt. Es kombiniert einen Saugbenziner mit zwei Elektromotoren. Einer davon treibt die Vorderachse über ein Getriebe mit fester Übersetzung an – ein klassisches Schaltgetriebe gibt es nicht, ähnlich wie bei den meisten reinen Elektroautos.
Laut Honda sorgt der Verbrennungsmotor, der nach dem effizienteren Atkinson-Zyklus arbeitet, für eine deutliche Kraftstoffersparnis.
Schon nach wenigen Kilometern am Steuer wird klar: Trotz des mit 1993 cm³ recht grossen Hubraums wirkt der Civic in keinem der Fahrmodi Econ, Normal oder Sport besonders durstig. Das ist eine gute Nachricht für alle, denen niedriger Verbrauch wichtig ist – gerade angesichts steigender Kraftstoffpreise.
Während des Tests liessen sich Verbrauchswerte von 5-5,5 l/100 km problemlos erzielen. Als ich das Sparpotenzial des Civic gezielt ausreizte, sank der Durchschnitt sogar auf 4,2 l/100 km. Zweifel bleiben keine: Einen Dieselmotor wird man in dieser Hinsicht nicht vermissen – und den Benziner erst recht nicht.
Und wie sieht es mit den Fahrleistungen aus?
Aus der „Verbindung“ von Verbrenner und Elektromotoren resultieren 184 PS und 315 Nm. Damit übertrifft der neue Civic die 182 PS und 240 Nm des 1.5 VTEC Turbo, der die stärksten Civic-Modelle der vorherigen Generation abseits des Type R antrieb. Doch wie macht sich das im Alltag bemerkbar?
Weil er schwerer als sein Vorgänger ist und klar auf Effizienz ausgelegt wurde, überrascht es nicht, dass der neue Civic den Benziner der vorherigen Generation vor allem bei der Performance nicht vergessen lässt.
Nicht falsch verstehen: Mit 184 PS und 315 Nm sind durchaus hohe Geschwindigkeiten möglich. Die Leistungsentfaltung fällt jedoch deutlich geschmeidiger und weniger … aufregend aus.
Vergleicht man ihn hingegen mit dem Diesel des Vorgängers, setzt sich der neue Civic „auf ganzer Linie“ durch: Er verbraucht nicht nur weniger, sondern ist auch schneller.
Honda Civic: der Modellreihe würdig
Über viele Generationen hinweg gehörten die dynamischen Fähigkeiten zu den grossen Stärken des Honda Civic. Daran ändert auch die Elektrifizierung der neuen Generation nichts.
Bereits der Vorgänger zählte in dieser Disziplin zu den Referenzmodellen seines Segments, und das bleibt auch beim neuen Modell so. Die Lenkung ist weiterhin präzise, direkt und passend gewichtet. Besonders hervorzuheben ist jedoch die Dämpfung: Sie verbindet Komfort und Fahrverhalten noch besser miteinander und unterstreicht die Langstreckenqualitäten des Civic.
Bei gemässigtem Tempo reagiert die Federung weniger hölzern als zuvor und filtert Unebenheiten souveräner heraus. Wird das Civic-Chassis stärker gefordert, bleiben die Karosseriebewegungen jederzeit gering und kontrolliert.
Dadurch fährt sich der Civic ähnlich unterhaltsam wie ein Ford Focus oder Mazda3. Damit hebt er sich beispielsweise vom etwas „braveren“, aber keineswegs weniger effektiven Volkswagen Golf ab.
Ist er das richtige Auto für Sie?
Der Honda Civic präsentiert sich in dieser Generation so kultiviert wie noch nie und dürfte dadurch einen grösseren Interessentenkreis ansprechen.
Gegenüber dem Vorgänger ist der Fortschritt klar erkennbar: Das Erscheinungsbild wirkt nüchterner und gefälliger, während der Hybridantrieb beweist, dass man „zwei Nägel mit einem Hammerschlag einschlagen“ kann. Er verbindet niedrigen Verbrauch mit sehr ordentlichen Fahrleistungen und einem gewissen Fahrspass.
Schade ist nur, dass all das seinen Preis hat. Der getestete Civic e:HEV Sport kostet fahrbereit 42 500 Euro und bewegt sich damit auf dem Niveau vergleichbarer Hybridangebote wie des Toyota Corolla 2.0 HDF. Dieser wurde kürzlich überarbeitet, leistet nun 196 PS und ist damit stärker geworden.
Der japanische Rivale bietet allerdings auch einen günstigeren Hybridantrieb an: den 1.8 HEV mit 140 PS. Sinnvoll wäre es, wenn der Civic den gleichen Hybridantrieb wie der HR-V erhielte, der einen Elektromotor mit 131 PS und einen 1,5-l-Benziner kombiniert.
Die steuerliche Belastung wäre erheblich niedriger und könnte den Einstiegspreis des neuen Civic etwa 10 000 Euro unter den dieses 2,0-l-Modells senken.
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