Zum Inhalt springen

Mercedes CLA Shooting Brake elektrisch im Test: Die Reichweite begeistert

Silberner Mercedes CLA 250+ Kombi in modernem Ausstellungsraum mit reflektierendem Boden und LED-Beleuchtung.

Die elektrische Mercedes CLA Shooting Brake ist derart unkompliziert im Alltag, dass ihre Hybridvariante beinahe überflüssig wirkt. Sie bringt alles mit, vor allem eine Reichweite, die selbst auf der Autobahn kaum schrumpft. Wieder einmal hat sie mich beeindruckt …

Es klingt banal, doch die Reichweite eines Elektroautos ist für viele nach wie vor eine mentale Hürde. Stets reichlich Reserve zu haben, vermittelt nun einmal Sicherheit. Mit der neuen CLA Shooting Brake setzt Mercedes hier ein deutliches Zeichen. Dieser elektrische Kombi kommt sehr weit – ohne Mogelei: Gemessen an seinem Aktionsradius bleibt der 85-kWh-Akku vergleichsweise moderat dimensioniert.

Autobahn mit 130 km/h: Das eindeutige Verbrauchsurteil

Die versprochenen 768 km pro Ladung zeigen, wie viel Entwicklungsarbeit darin steckt. Die deutsche Marke hat im Windkanal offenbar gründlich gearbeitet, um jeden zusätzlichen Kilometer herauszuholen. Entsprechend fahre ich auf der A63 Richtung Spanien völlig entspannt. Bei 130 km/h ist der Verbrauch geradezu absurd niedrig: 18 kWh/100 km – da könnte man fast an einen Rechenfehler glauben. Mit diesem Tempo wären annähernd 500 km Reichweite denkbar.

Neben der besonders glatt ausgeformten Aerodynamik profitiert der Deutsche von seinem Zweiganggetriebe: Ab 110 km/h wird der zweite Gang eingelegt, der die Motordrehzahl senkt und damit auch den Energiebedarf reduziert. Damit ist alles erklärt. Kein Wunder also, dass der Blick eher am Tacho als an der Batteriestandsanzeige hängt. Die gute Dämmung verschleiert das Tempo zusätzlich, während die 272 PS den Wagen mühelos vorantreiben.

Königlicher Komfort und die Falle beim Schnellladen

Vorsicht vor Übermut also! Auf Schnellstraßen vermittelt das Auto zudem eine sehr angenehme Mischung aus Leichtigkeit und Stabilität. Bei diesem Tempo zeigt sich die Federung erfreulich nachgiebig, was den Komfort weiter steigert. Kurz gesagt: Es ist schwer, den Kombi aus der Ruhe zu bringen. Allenfalls der Totwinkelwarner nervt, weil er viel zu häufig piepst, wenn der Blinker einen Tick zu früh gesetzt wird. Das ist hier aber der einzige echte Kritikpunkt – und zudem ein kleiner.

Natürlich reizt eine Schnellladepause trotzdem. Da ich die CLA Limousine bereits gefahren bin, wusste ich, dass dies ebenso erfreulich ausfallen würde: Was sollte bei einer 800-Volt-Plattform, effizienter Vorkonditionierung und einer Spitzenleistung von 320 kW schon schiefgehen? Problematisch ist lediglich die Wahl der Ladesäule: Ohne den optionalen 400-Volt-Wandler funktioniert das Auto nur an 800-Volt-Ladesäulen.

Schnellladen: schlicht beeindruckende Effizienz

An Tesla-Superchargern dürfte das Laden daher ausgesprochen zäh werden … Ich suche deshalb eine Ionity-Station an der Raststätte Labenne auf. Angesteckt, und trotz noch vorhandener 66 % Batteriekapazität geht es sofort zur Sache: 164 kW sind bei diesem Ladestand ausgezeichnet. Im normalen Einsatz nennt Mercedes 22 Minuten für den Sprung von 10 auf 80 %. Leider werden wir den Akku aus den bereits genannten Gründen nie vollständig leer fahren können …

Es sei denn, man fährt mit der Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h, um die Kilowattstunden schneller aufzubrauchen … Dann aber auf einer Autobahn ohne Tempolimit und in der 350-4Matic-Version, die noch kräftigere Zwischenspurts erlaubt. Meine 250+ ist dagegen in erster Linie ein Langstreckenläufer – und genau das gefällt mir! Ich überquere daher die spanische Grenze und fahre über Akartegi wieder zur Atlantikküste hinauf. Die Straße wird schmaler, zeigt sich landschaftlich reizvoll und windet sich durch die Umgebung. Auch das macht Spaß.

Am Steuer: sehr angenehm, trotz zu leichtgängiger Lenkung

Zumal die CLA Shooting Brake kein wuchtiges SUV, sondern ein ausgesprochen schlanker Kombi ist. In Kurven macht das einen echten Unterschied. Der Wagen wirkt engagierter und bleibt dabei recht stabil in seiner Lage. Natürlich liegt sein Schwerpunkt nicht weit oben – darin besteht ebenfalls ein Vorteil dieses Fahrzeugs. Es lässt sich folglich angenehm bewegen, und das Pedalgefühl der Bremse ist nicht so unerquicklich wie bei vielen Konkurrentinnen.

Die Lenkung bleibt allerdings selbst im Sportmodus zu stark unterstützt. Dadurch lässt sich der Straßenbelag schlechter einschätzen, zumal es in den vergangenen Stunden kräftig geregnet hat. Auf nasser Fahrbahn bin ich entsprechend vorsichtig. Dann erscheint vor mir eine wunderschöne Küstenstraße – die perfekte Gelegenheit für Fahrzeugfotos. Dabei wird eines klar: Die CLA Shooting Brake sieht gut aus, insbesondere von hinten.

Riesige Bildschirme und weiterhin etwas zu viel Touch-Bedienung

Gegenüber der Limousine gibt es keinen Rucksackeffekt. Die Front ist ebenso gestreckt, die Seitenansicht genauso fließend. Im Innenraum sorgt der optionale Superscreen mit drei hochwertigen Displays für den großen Auftritt. Das MBUX-Infotainment reagiert schnell und bietet eine Vielzahl an Funktionen. Die Verarbeitung macht insgesamt einen soliden Eindruck, auch wenn in den unteren Bereichen preisgünstige Materialien eingesetzt werden.

Auch wenn sie noch nicht vorbildlich ist, hat sich die Ergonomie leicht verbessert. Mercedes hat die Touch-Schieber am Lenkrad durch praktischer zu bedienende physische Rändelräder ersetzt. Dennoch werden viele wichtige Funktionen über den Touchscreen gesteuert, etwa die Einstellung der Lüftung oder das Abschalten störender Fahrassistenten. Der Schalter „Heck“ für die Auswahl der hinteren Fenster ist keine gute Lösung.

Im Alltag: wenige Ablagen, dafür ein guter vorderer Kofferraum

In der zweiten Reihe ist das Platzangebot ordentlich, auch wenn die Sitze die Oberschenkel nicht ausreichend abstützen. Dafür ist der Boden eben, sodass sich der mittlere Passagier weniger verrenken muss. Die Ablagemöglichkeiten fallen knapp aus, doch zum 455 Liter großen Kofferraum hinten kommt ein vorderes Fach mit 101 Litern hinzu. In Sachen Alltagstauglichkeit reicht das, auch wenn die CLA Shooting Brake nicht der beste Umzugshelfer ist.

Ich fahre weiter und bin nach rund zehn Kilometern durch eine fast schottisch anmutende Landschaft beinahe auf dem falschen Weg: Geradeaus geht es nach San Sebastián, am Kreisverkehr müsste ich jedoch links abbiegen, um nach Frankreich zurückzukehren. Letztlich lande ich trotzdem in der Stadt, genauer gesagt in Errenteria, für Kenner. Dort zeigt der Deutsche bei Bodenschwellen eine straffere Dämpfung, zudem ist die Übersicht nicht tadellos – insbesondere nach hinten.

Preis: für einen Mercedes angemessen

Bei 4,73 m Länge und 1,86 m Breite ist also Aufmerksamkeit gefragt. Im Stadtverkehr vereinfacht der One-Pedal-Modus das Fahren dagegen. Noch besser: Über die Schaltwippen am Lenkrad stehen mehrere Rekuperationsstufen zur Verfügung. Dadurch sinkt der Verbrauch auf 11,5 kWh/100 km. Die Preise hingegen bewegen sich auf einem recht hohen Niveau. Das Basismodell kostet 49.450 €, während unsere 250+ AMG Line bei 60.500 € liegt.

Zu ihrer Ausstattung gehören unter anderem ein spezielles Karosseriepaket, Panoramadach, 18-Zoll-Räder, beleuchteter Kühlergrill, LED-Scheinwerfer, schlüsselloser Zugang und Start, Wärmepumpe, Navigation mit Routenplaner, beheizbare Vordersitze, Rückfahrkamera und Tempomat. Das ist recht umfangreich, wenngleich die Optionsliste lang bleibt und einige Extras nur im Abonnement erhältlich sind.

Mein Urteil zur neuen Mercedes CLA Shooting Brake

Das kurze und erwartbare Fazit am Flughafen Biarritz: Wie die Limousine löst auch die CLA Shooting Brake das Reichweitenthema durch ihren winzigen Verbrauch. Ihr ultraschnelles Laden beseitigt die letzten Zweifel, während der Kofferraum besser zugänglich ist, wenngleich er weiterhin nicht zu den geräumigsten zählt. Auch das Fahrverhalten überzeugt, weil es weder zu straff noch zu weich ausfällt. Kurzum: Ich steige mit einem breiten Grinsen aus.

Mercedes CLA 250+ Shooting Brake AMG Line

60.500 €

Urteil

9.0/10

Das gefällt uns

  • Die beeindruckende Reichweite
  • Der extrem niedrige Verbrauch
  • Das hervorragende Schnellladen
  • Das angenehme Fahrverhalten

Das gefällt uns weniger

  • Die wenigen Ablagen
  • Die Sitzposition im Fond
  • Die Optionen im Abonnement

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen