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Mercedes-Benz C-Klasse elektrisch gefahren: Warum sie eine neue Ära für die Marke einläutet

Silberner Mercedes C-Electric Elektroauto steht in modernem Showroom mit Ladestation und digitalem Display.

Wir sind den neuen elektrischen Mercedes-Benz C-Klasse gefahren und haben verstanden, warum er für die Marke mit dem Stern eine neue Ära einläutet.


Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ist die Mercedes-Benz C-Klasse elektrisch. Allein das reicht aus, um grosse Aufmerksamkeit zu erzeugen, schliesslich zählt dieses Modell zu den historisch bedeutendsten Baureihen der deutschen Marke.

Der neue C-Klasse steht jedoch für noch mehr: Er zeigt, welchen Weg Mercedes-Benz bei Elektroautos nun einschlägt und dass die Marke das mangelnde kommerzielle Abschneiden der EQ-Familie zunehmend eingesteht.

Wie bereits beim GLC orientiert sich die elektrische Mercedes-Benz C-Klasse optisch stärker am Pendant mit Verbrennungsmotor, das weiterhin parallel angeboten wird. Damit kann die Marke zwei klar unterschiedliche Kundengruppen bedienen.

In den kommenden Monaten kommt sie in Portugal als C 400 4MATIC auf den Markt und verspricht bis zu 760 Kilometer Reichweite. Wir konnten sie aber bereits fahren. Hier sind unsere Eindrücke:

Eine komplett neue Generation der Mercedes-Benz C-Klasse

Die aktuelle C-Klasse mit Verbrennungsmotor bleibt im Programm und wird weiterhin gebaut; für 2028 ist ihre Überarbeitung vorgesehen. Bei der neuen Mercedes-Benz C-Klasse handelt es sich dagegen um eine vollständig neue Generation, die von Beginn an als reines Elektroauto konzipiert und entwickelt wurde. Das zeigt sich in nahezu jedem Bereich.

Besonders deutlich wird dies bei der Aerodynamik, die zu den zentralen Prioritäten des Projekts gehörte. Das Resultat ist ein Luftwiderstandsbeiwert (Cₓ) von nur 0,22 – ein Wert, der sich selbstverständlich sehr positiv auf die Reichweite auswirkt. Dazu später mehr.

Zunächst lohnt sich ein Blick auf das Exterieur, das sich stärker an den Gestaltungselementen der C-Klasse mit Verbrenner orientiert. Dennoch verabschiedet sich die Limousine von der klassischen Dreibox-Karosserie und setzt stattdessen auf eine coupéhafte Fastback-Silhouette.

Für die meisten Diskussionen sorgt allerdings der grossformatige vordere „Kühlergrill“, der mit 1050 LEDs gestaltet ist. Er verleiht der C-Klasse ein wesentlich prägnanteres Gesicht als dem EQE und EQS.

Am Heck fallen vor allem die schwarze Blende auf, welche die geteilten Rückleuchten verbindet, sowie die beiden Projektoren in Form des dreizackigen Sterns. Sie unterstreichen den futuristischen und technologischen Charakter dieses Modells.

Erwähnenswert ist zudem die Kofferraumöffnung: Trotz der Fastback-Linie dieser Limousine bleibt sie typisch für Dreibox-Modelle. Es gibt also einen Kofferraumdeckel und keine Heckklappe samt Heckscheibe wie beispielsweise beim Audi A5. All diese Details sind in diesem Studio-Video genauer zu sehen:

Notwendige Weiterentwicklung im Innenraum

Im Innenraum fallen die Unterschiede zur C-Klasse mit Verbrennungsmotor noch stärker auf. Materialqualität und Verarbeitungspräzision bewegen sich auf einem höheren Niveau und räumen mit der Kritik auf, die viele Kundinnen und Kunden an früheren Generationen geäussert hatten.

Ein gutes Beispiel sind die hochglänzenden schwarzen Kunststoffoberflächen: Mercedes-Benz verzichtet vollständig auf diese Lösung und verwendet stattdessen verstärkt Holz und Aluminium.

Wenig überraschend steht – wie ich bereits bei meiner ersten Begegnung mit diesem Modell hervorgehoben habe – das optionale HyperScreen mit 99 cm Breite im Mittelpunkt der Technik. Es verwandelt das Armaturenbrett der C-Klasse in eine durchgehende digitale Fläche.

Mir ist bewusst, dass dieser riesige Bildschirm weiterhin polarisiert. Seine Grafikleistung, die Reaktionsgeschwindigkeit des Betriebssystems MB.OS und die Einbindung der verschiedenen Funktionen machen ihn jedoch zu einem der derzeit besten Infotainmentsysteme.

Das ist eine der Stärken dieses Innenraums. Dennoch habe ich physische Tasten vermisst, um bestimmte grundlegende Funktionen bedienen zu können, ohne auf den grossen Zentralbildschirm zurückgreifen zu müssen. Dazu gehört etwa die Klimatisierung, für die es in der S-Klasse beispielsweise separate Bedienelemente gibt.

Mercedes-Benz begründet diese unterschiedlichen Konzepte mit den jeweiligen Zielgruppen der Modelle. Nach vielen gefahrenen Kilometern am Steuer halte ich diese Entscheidung allerdings für wenig nachvollziehbar. Dabei geht es nicht nur um die Bedienung, sondern auch um die Sicherheit.

Zum eindrucksvollen Ambiente des C-Klasse-Interieurs trägt auch das riesige Panoramadach bei. Es kann innerhalb von Millisekunden abgedunkelt werden und mit 162 Lichtpunkten einen Sternenhimmel nachbilden. Ebenso bemerkenswert ist das hervorragende optionale 4D-Soundsystem von Burmester, das Fans hochwertiger Hi-Fi-Anlagen zweifellos begeistern dürfte.

Viel Platz, aber mit einem Detail zum Nachbessern

Mercedes-Benz bezeichnet sein neues Elektroauto als die geräumigste C-Klasse aller Zeiten. Das wird sowohl beim Platzangebot im Fond als auch beim Kofferraum deutlich.

Auf den Rücksitzen ist es selbst für jemanden meiner Grösse – ich bin 1,81 m gross – angenehm geräumig. Einen Nachteil gibt es jedoch: Die Knie befinden sich in einer erhöhten und wenig natürlichen Position, was auf die unter dem Innenraumboden platzierte Batterie zurückzuführen ist.

Der Kofferraum bietet dagegen ein Volumen von 470 Litern und schneidet damit im Vergleich zur C-Klasse mit Verbrennungsmotor, die in den nicht elektrifizierten Varianten bis zu 455 Liter fasst, vorteilhaft ab.

Der Vorsprung der neuen elektrischen C-Klasse wächst durch einen zweiten Gepäckraum vorne, den Frunk, deutlich an: Er ergänzt das Gesamtvolumen um 101 Liter.

Der Praxistest mit dem C 400 4MATIC

Bislang hat Mercedes-Benz lediglich den C 400 4MATIC vorgestellt, der zumindest bis zum Erscheinen der von Mercedes-AMG entwickelten Varianten die Spitze der Modellreihe markiert.

In dieser Ausführung, die wir bei dieser ersten Testfahrt in Helsinki gefahren sind, verfügt die C-Klasse über zwei Elektromotoren – jeweils einen pro Achse für Allradantrieb. Zusammen leisten sie 360 kW (489 PS) und stellen ein maximales Drehmoment von 800 Nm bereit.

Damit sprintet sie in glatten 4s von 0 auf 100 km/h. Das ist eine Beschleunigung auf Sportwagenniveau, die im Alltag mehr als ausreicht und Überholmanöver mit einem sehr sicheren und komfortablen Gefühl ermöglicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 210 km/h begrenzt.

Reichweite ist kein Problem

Auch beim Thema Reichweite liefert die neue elektrische C-Klasse überzeugende Antworten. Dank der Batterie mit 94,5 kWh nutzbarer Kapazität sind bis zu 760 km zwischen zwei Ladevorgängen möglich – ein Wert, den wohl niemand mehr als zu gering bezeichnen kann. Der wichtigste Rivale, der BMW i3, schafft allerdings 140 Kilometer mehr, verfügt aber auch über eine grössere Batterie:

Allerdings bereitet Mercedes-Benz für das kommende Jahr eine günstigere Variante mit Hinterradantrieb vor. Der C 250 soll die Reichweite auf mehr als 800 km erhöhen.

Wie ich im Video erwähne, hat die deutsche Marke meiner Ansicht nach eine gute Gelegenheit verpasst, diese Version mit der grösstmöglichen Reichweite und dem wettbewerbsfähigsten Preis direkt zum Marktstart anzubieten.

Doch um mich nicht zu wiederholen: Die Reichweite ist kein Problem. Bei diesem ersten Kontakt haben mich auch die Verbrauchswerte positiv überrascht. Auf Landstrassen und in der Stadt waren etwa 15–16 kWh je 100 Kilometer möglich, auf der Autobahn stieg der Wert auf rund 18 kWh/100 km.

Das ist angesichts der grosszügigen Abmessungen bemerkenswert: Das Modell ist 4,88 m lang und wiegt mehr als 2400 kg. Trotz des hohen Gewichts wirkt die elektrische Mercedes-Benz C-Klasse jederzeit sehr schnell und spontan.

Diese Eigenschaften sorgen für ein anderes Fahrerlebnis als in der C-Klasse mit Verbrennungsmotor. Wer dieses Auto auf einer kurvenreichen Strecke oder sogar auf der Rennstrecke bis an seine Grenzen bewegt, wird das Gewicht durchaus spüren. Das stimmt. Im Alltag spielt es jedoch keine Rolle.

Deshalb bin ich der Meinung, dass diese elektrische C-Klasse deutlich mehr Argumente bietet als die C-Klasse mit Verbrennungsmotor. Das erscheint mir offensichtlich, auch wenn nicht alles perfekt ist. Die unnatürliche Kniehaltung der Fondpassagiere habe ich bereits angesprochen; hinzu kommt die aus demselben Grund höhere Sitzposition hinter dem Steuer als in der C-Klasse mit Verbrennungsmotor.

Was kostet sie?

Die neue elektrische Mercedes-Benz C-Klasse kann in Portugal bereits als C 400 4MATIC bestellt werden, die Preise beginnen bei 70 600 Euro. Günstig ist das keineswegs, doch die Preisgestaltung liegt auf dem Niveau des C 400 e 4MATIC mit Plug-in-Hybridantrieb.

Da der portugiesische Neuwagenmarkt von Unternehmen geprägt ist, bringt dieses Elektroauto zudem mehrere steuerliche Vorteile mit, die es attraktiver machen.

Ohne Kristallkugel lässt sich beim elektrischen C 250, der 2027 auf den Markt kommt, mit grosser Sicherheit ein wettbewerbsfähigerer Preis, mehr Reichweite und sehr wahrscheinlich zusätzliche steuerliche Vorteile erwarten. Theoretisch dürfte das diesem Modell noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Bei dieser ersten dynamischen Begegnung hinterliess eines der wichtigsten neuen Mercedes-Benz-Modelle der vergangenen Zeit einen sehr überzeugenden Eindruck.

Urteil

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