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Verschleißen Reifen bei Elektroautos schneller?

Blauer, futuristischer Elektro-Sportwagen in einem modernen Ausstellungsraum neben Ladestation.

Eine Frage, die in der Debatte über Elektroautos immer wieder auftaucht, betrifft die Lebensdauer der Reifen. Verschleißen sie tatsächlich schneller als bei vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor?

Ja, das kann vorkommen. Unter vergleichbaren Bedingungen beansprucht ein Elektroauto seine Reifen tendenziell stärker. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Elektroauto Reifen „verschlingt“.

Ein wesentlicher Grund ist das höhere Gewicht. Die Batterie bringt gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner mehrere hundert Kilogramm zusätzlich auf die Waage. Diese Mehrmasse erhöht die Belastung der Reifen beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven. Allerdings wirkt sich ein hohes Fahrzeuggewicht unabhängig von der Antriebsart auf den Reifenverschleiß aus.

Auch das Drehmoment spielt eine Rolle

Eine weitere typische Eigenschaft von Elektroautos ist die sofort verfügbare Drehmomentabgabe. Elektromotoren stellen schon beim Anfahren nahezu unmittelbar viel Drehmoment bereit. Bei kräftigem Beschleunigen werden die Reifen dadurch stärker beansprucht.

Je höher das Drehmoment und je dynamischer der Fahrstil, desto ausgeprägter ist dieser Effekt. Deshalb können zwei Fahrer mit demselben Elektroauto mit einem Reifensatz sehr unterschiedliche Laufleistungen erzielen.

Auch die Rekuperation kann einen Einfluss haben. Bei Elektroautos mit nur einer angetriebenen Achse muss diese Achse einen erheblichen Teil der Beschleunigungskraft ebenso wie der regenerativen Verzögerung auf die Straße übertragen.

Dadurch steigen die Längskräfte, die von den Reifen dieser Achse aufgenommen werden müssen. Umgekehrt verringert Rekuperation den Einsatz und Verschleiß der herkömmlichen Bremsen deutlich; in manchen Fällen halten die Bremsbeläge mehr als 100.000 Kilometer.

Der Verschleiß hängt nicht nur vom Elektroantrieb ab

Reifenart, Luftdruck, Fahrwerksgeometrie, Radgröße und selbst die gefahrenen Strecken beeinflussen die Haltbarkeit erheblich.

Wird ein Elektroauto vorausschauend gefahren, mit passenden Reifen ausgestattet und mit dem korrekten Luftdruck betrieben, kann der Reifenverschleiß völlig normal ausfallen. Häufiges starkes Beschleunigen, falscher Luftdruck oder eine falsch eingestellte Fahrwerksgeometrie können die Lebensdauer dagegen schnell verkürzen. Das gilt für jedes Auto, unabhängig von seiner Motorisierung.

Brauchen Elektroautos spezielle Reifen?

Nicht zwingend. Wichtiger als der Hinweis „EV“ auf der Reifenflanke ist, Reifen in den vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Dimensionen sowie mit den vorgeschriebenen Last- und Geschwindigkeitsindizes und weiteren Spezifikationen zu montieren.

Dennoch gibt es Reifen, die gezielt für die Eigenschaften von Elektroautos entwickelt wurden. Sie sollen in der Regel eine Konstruktion für hohe Lasten mit verschleißfesten Gummimischungen und geringem Rollwiderstand verbinden. Letzterer ist wichtig, um den Energieverbrauch zu senken und die Reichweite zu erhalten.

Auch das Geräusch gewinnt an Bedeutung. Weil ein Verbrennungsmotor es nicht überdeckt, ist das Abrollgeräusch im Innenraum eines Elektroautos stärker wahrnehmbar. Einige Reifen werden daher eigens entwickelt, um es zu reduzieren.

Wie halten Reifen länger?

Die erforderlichen Maßnahmen unterscheiden sich kaum von denen bei jedem anderen Auto. Den Luftdruck regelmäßig zu prüfen, die Fahrwerksgeometrie kontrollieren zu lassen und das Reifenprofil im Blick zu behalten, bleibt entscheidend.

Sofern der Hersteller es erlaubt, kann auch ein regelmäßiger Rädertausch helfen, den Verschleiß zwischen den Achsen gleichmäßiger zu verteilen.

Ein Faktor liegt allein beim Fahrer: der Umgang mit dem Gaspedal. Bei jedem Anfahren das gesamte verfügbare Drehmoment auszunutzen, kann zwar Spaß machen, doch die Reifen werden den Unterschied „spüren“.

Die Antwort lautet also: Elektroautos können Reifen schneller verschleißen, weil sie schwerer sind, ihr Drehmoment sofort bereitstellen und höhere Kräfte auf die Reifen übertragen. Mit den richtigen Reifen und einem schonenden Fahrstil lässt sich dieser Unterschied jedoch deutlich verringern.

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