Zum Inhalt springen

BYD Dolphin G 2026 im Test: Der vielseitige Hybrid-Kleinwagen

Grüner elektrischer SUV im Showroom, seitliche und hintere Ansicht, modernes Design mit LED-Rücklichtern.

Die Dolphin Surf ist bei BYD nicht länger die einzige verfügbare Kleinwagen-Baureihe. Nun erweitert eine geräumigere und vielseitigere Hybridversion das Angebot. Sie trägt den Namen Dolphin G und tritt direkt gegen Modelle wie den Renault Clio an, einen in Frankreich besonders beliebten vielseitigen Kleinwagen des B-Segments. Für den chinesischen Hersteller ist sie zugleich das erste Fahrzeug, das ausschliesslich für Europa entwickelt wurde.

In fünf Jahren will BYD zum weltweit grössten Automobilhersteller aufsteigen. Das erklärte Präsident und Gründer Chang Changfu in Peking, während unser Team in Berlin die Schlüssel zur Dolphin G für einen Test mit der gesamten europäischen Presse übernahm. Nach dem neuen Atto 2 DM-i und dem Atto 3 EVO präsentiert der chinesische Hersteller nun einen hybriden Kleinwagen – den ersten seiner Unternehmensgeschichte. Es ist ausserdem das erste Modell der Palette, das, wie Stella Li, Executive Vice President von BYD und Partnerin von Wang Chuanfu, erklärte, „ausschliesslich für Europa entwickelt“ wurde.

16 cm mehr Länge kommen vor allem dem Kofferraum zugute: 425 Liter

Auf den ersten Blick erinnert die Dolphin G stark an die Dolphin Surf. Ihr Design fällt bei der Hybrid-Kleinwagen allerdings anders aus und setzt auf weichere Formen. Der Haifisch-Look einer Mini-Lamborghini weicht einer runderen Gestaltung, die besser zu den höher positionierten Baureihen wie dem Seal 6 passt. Bei näherer Betrachtung zeigt sich zudem: Sie ist 16 cm länger und misst 4,16 m, ausserdem ist sie 10 cm breiter und kommt auf 1,82 m. Damit entsteht hinten Platz für einen dritten Sitzplatz, sodass fünf statt nur vier Personen wie in der Dolphin Surf mitfahren können. Der grössere Aufbau kommt allerdings in erster Linie dem Gepäckraum zugute, dessen Volumen von 308 auf 425 Liter wächst.

Manche Interessenten dürften enttäuscht sein, dass sich das Platzangebot auf der Rückbank gegenüber der Dolphin Surf kaum verbessert. Das gilt sowohl für die Beinfreiheit als auch für die Kopffreiheit: Passagiere über 1,80 m werden wegen der geringeren Dachhöhe eingeschränkt. Die Dolphin G ist 1,57 m hoch und damit 2 cm niedriger als die Dolphin Surf. Aus unserer Sicht hat BYD dennoch richtig gehandelt, den Kofferraum zu priorisieren: Das zusätzliche Volumen macht den Wagen für eine kleine Familie deutlich alltagstauglicher. Die Dolphin G will gegenüber Rivalen wie dem Renault Clio punkten, dessen Hybridversion lediglich 300 Liter Gepäckraum bietet.

Wie erreicht die BYD Dolphin G mehr als 1.000 km Reichweite?

Die Dolphin G kam für uns unerwartet und ist die Überraschung des Frühlings im BYD-Programm. Ihre Entwicklung und Produktion in China liessen nicht auf die Einführung eines solchen Modells schliessen. Die Markteinführung wirkt sogar etwas überstürzt – nicht weil das Fahrzeug Mängel hätte, sondern weil technische Daten und Preise erst wenige Stunden vor unserer ersten Fahrt veröffentlicht wurden. Eine Schnellpremiere also, aber eine wichtige: Europa soll zum Wachstumstreiber werden, während der Hybridantrieb DM-i eine populäre Alternative darstellen soll. BYD gab zudem an, mit dieser Antriebstechnik bereits mehr als 8,5 Millionen Fahrzeuge verkauft zu haben.

Was steckt hinter DM-i? Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Kombination aus Plug-in-Hybrid (PHEV) und Elektroauto mit Range Extender. Der von BYD als „Superhybrid“ bezeichnete DM-i soll die Vorteile beider Welten verbinden. Dabei dient der Verbrennungsmotor überwiegend dazu, die Batterie für den elektrischen Antrieb zu laden, der die Räder antreibt. Bei Bedarf – etwa bei starker Beschleunigung oder einem Überschuss an erzeugtem Strom – kann der Benziner jedoch ebenfalls Vortrieb liefern. Insgesamt nennt BYD fünf mögliche Betriebsarten, in denen Elektro- und Verbrennungsmotor zusammenspielen:

  1. Reiner Elektromodus (EV): Die Batterie versorgt den Elektromotor unmittelbar mit Energie, der die Räder antreibt.
  2. Hybrid-Generatorbetrieb: Der Verbrennungsmotor startet, treibt das Auto aber nicht direkt an. Er läuft mit seiner optimalen Drehzahl ausschliesslich als Generator, lädt die Batterie und versorgt damit den Elektromotor.
  3. Kombinierter Hybridbetrieb: Bei kräftiger Beschleunigung oder hohem Tempo arbeiten Verbrennungs- und Elektromotor zusammen.
  4. Direkter Verbrennungsantrieb: Bei gleichmässiger Fahrt, beispielsweise auf der Autobahn, übernimmt der Verbrenner direkt den Antrieb der Räder, da er in diesem speziellen Szenario effizienter als ein Elektromotor ist.
  5. Energierückgewinnung: Beim Bremsen und Verzögern gewinnt das System kinetische Energie zurück, um die Batterie ohne Benzinverbrauch aufzuladen.

Aus Vermarktungssicht bietet BYDs DM-i vor allem die Möglichkeit, eine aussergewöhnliche Reichweite hervorzuheben – und die Dolphin G bildet hier keine Ausnahme. Für einen Kleinwagen gibt BYD bis zu 1.000 km Reichweite an. Je nach Ausführung steigt die kombinierte Reichweite sogar auf 1.040 km, mit 105 km elektrischer Reichweite nach WLTP und einem Kraftstofftank mit 42 Litern Fassungsvermögen. Das Fahrzeug fällt zwangsläufig schwerer aus als seine elektrische Schwester: Je nach Version wiegt es 1.440 oder 1.550 kg, während die Dolphin Surf maximal 1.330 kg auf die Waage bringt. Dafür ist sie bei Langstreckenfahrten erheblich flexibler. Im Alltag lassen sich Fahrten ohne einen Tropfen Benzin zurücklegen.

Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 95 PS. Obwohl seine Hauptaufgabe im Laden der Batterie liegt, kann er den Elektromotor mit 163 PS und seinem sofort verfügbaren Drehmoment von 210 Nm unterstützen. Dieser ist mit einem Akku von 7,42 kWh in der Ausstattung Active beziehungsweise 18,3 kWh in den übrigen Versionen gekoppelt. Zusammen stehen 176 PS in der Active-Ausführung oder 212 PS in den anderen Ausstattungen bereit. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 8,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h. Die unterschiedliche Systemleistung erklärt sich durch die begrenzte Leistung der jeweiligen Batterie. Das erläutert auch, weshalb die kombinierte Reichweite der Active-Version mit kleiner Batterie so nah an jener der Varianten mit grossem Akku liegt: 1.020 km gegenüber 1.040 km.

BYD Dolphin G: Ein Kleinwagen mit Limousinen-Ambitionen

Auf der Strasse wirkt die Dolphin G schwerer als ihr elektrisches Schwestermodell. Das Mehrgewicht macht sich sowohl durch stärkere Karosserieneigung in Kurven – der Wagen ist weniger agil – als auch durch die straffere Federung bemerkbar. Unebenheiten werden dadurch weniger sanft gefiltert; in diesem Punkt ist die Dolphin Surf hervorragend. Auf der Autobahn vermittelt die Dolphin G dagegen mehr Souveränität als ihre Schwester. Sie möchte sich mit einer Limousine messen, zumal der Verbrauch bei zurückhaltender Fahrweise durchaus angemessen bleibt und zwischen 4,5 und 5 L/100 km liegt. Am sinnvollsten ist es jedoch, das Auto mit geladener Batterie zu nutzen und den Alltag überwiegend elektrisch zu fahren – mehr als 90 km sind problemlos möglich.

Im Innenraum scheint die Plattform der Dolphin G zusammen mit den Batterien eine erhöhte Sitzposition erforderlich gemacht zu haben. Am Steuer muss der Sitz deutlich höher eingestellt werden. Wer ihn gern ganz absenkt, wird in der Dolphin G nur schwer eine wirklich komfortable Position finden. Schade, denn ansonsten sitzt man angenehm, und BYD hat versucht, Elemente aus höheren Baureihen zu übernehmen – darunter ein eher limousinenartig gestaltetes Lenkrad. Die grosse Fensterfläche sorgt ebenfalls für gute Sicht, besonders weil für die Comfort-Version ein grosszügiges Panorama-Glasdach erhältlich ist, auch wenn es sich nicht öffnen lässt.

Mit ihren grösseren Abmessungen gegenüber der Dolphin Surf erhält die Dolphin G zudem eine neu gestaltete Mittelkonsole und Armaturentafel. Alles wirkt hochwertiger. Auch die Ablage für das kabellose Laden wurde verlegt und sinnvoller konzipiert. Weiterhin gibt es nur einen Getränkehalter, dieser wird nun jedoch durch ein separates Fach ergänzt, in dem sich auch Flaschen unterbringen lassen. Weitere Ablagen finden sich unter der Mittelkonsole, unter der Armlehne sowie in den Türverkleidungen – auch im Fond. Der Innenraum der Dolphin G ist in Schwarz oder Hellgrau erhältlich. Die Ambientebeleuchtung der Ausstattung Boost, der zweiten Stufe, bringt abends zusätzlich etwas Farbe ins Cockpit.

Ab 23.990 Euro, aber ohne Schnellladen

BYD bietet die Dolphin G ab 23.990 Euro an. Zu diesem Preis gibt es die weniger umfangreich ausgestattete Active-Version mit einer elektrischen Batterie von nur 7,42 kWh. Sie schafft lediglich 39 km elektrische Reichweite, während Boost, Comfort und Sport mit ihrem 18,3-kWh-Akku auf 105 km kommen. Schnellladen ist bei der Active nicht verfügbar. Sie kann ausschliesslich per Wechselstrom mit lediglich 3,3 kW geladen werden. Daher bevorzugen wir die Dolphin G als Boost: Sie kombiniert den grossen Akku mit 6,6 kW AC-Ladeleistung und 39 kW Schnellladen, wobei 10–80 % in 28 Minuten erreicht werden. Das ist ideal, um auch auf langen Strecken möglichst elektrisch unterwegs zu sein.

Als Boost, Comfort oder Sport kann die BYD Dolphin G ein Elektroauto weitgehend ersetzen: Ihre elektrische Reichweite reicht aus, um im Alltag ohne Verbrauch des Benzinvorrats auszukommen, während sie gleichzeitig genügend Reserven für längere Fahrten bietet, ohne dass Ladepausen Sorgen bereiten. Die Active-Version ist dagegen stärker eingeschränkt. Dennoch sollte man sie nicht ausser Acht lassen, denn sie bleibt ein interessanter Hybrid mit 39 km elektrischer und mehr als 1.000 km Gesamtreichweite.

Während die gewählte Ausstattung bei der Dolphin G Reichweite und Lademöglichkeiten bestimmt, legt sie nicht die gesamte Bordausstattung fest. Bereits die Active-Einstiegsvariante verfügt serienmässig über ein 8,8-Zoll-Display für das digitale Kombiinstrument hinter dem Lenkrad. Überraschend ist die integrierte Navigation, die bei den übrigen BYD-Modellen bislang nicht erhältlich ist. Eine erfreuliche Premiere, zumal sich die Versionen Comfort und Sport zusätzlich mit einem Head-up-Display ausstatten lassen. Der zentrale 10,1-Zoll-Bildschirm wächst ab Boost auf 12,8 Zoll. Diese Ausstattung verdoppelt zudem die Anzahl der Lautsprecher, bietet beheizbare Vordersitze und getönte Heckscheiben.

BYD setzt bei der Dolphin G weiterhin auf physische Tasten am Armaturenbrett. Lediglich separate Bedienelemente für die Lautstärke fehlen. Einige Funktionen, etwa die Klimatisierung, werden vollständig über das Display gesteuert. Mit den zwei Drucktasten auf der Mittelkonsole lassen sich sowohl der Fahrmodus als auch der Antriebsmodus auswählen – etwa um rein elektrisches Fahren zu erzwingen oder die Nutzung der elektrischen Batterie später beginnen zu lassen.

Die Lenkradbedienung für die Aktivierung des adaptiven Tempomaten gehört zu den spielerischsten am Markt. Ob auf der Autobahn, auf Landstrassen oder in der Stadt: Das System arbeitet weiterhin effizient und sicher. Es übernimmt jedoch die überempfindliche Abstimmung, die wir bereits bei allen anderen BYD-Modellen kritisiert haben. Beim Überholen auf der Autobahn muss man sehr früh die Spur wechseln, wenn das Fahrzeug nicht zu stark verzögern und das Manöver gefährden soll – zumal die anschliessende Beschleunigung besonders langsam ausfällt.

Der adaptive Tempomat wird ausserdem durch BYDs ICC-System für teilautonomes Fahren auf Stufe 2 ergänzt. Wie schon bei der Dolphin Surf überzeugt uns, dass ein solches System in einem Kleinwagen verfügbar ist. Die Dolphin G bietet es ebenso wie die übrigen Modelle der Marke serienmässig bereits ab Active. Diese bemerkenswerte Ausstattung wird durch eine serienmässige Rückfahrkamera sowie schlüssellosen Zugang und Start ergänzt. Darüber hinaus möchte BYD künftige Kunden zur Wahl von Boost oder sogar Comfort bewegen, um elektrisch einstellbare Fahrer- und Beifahrersitze, zweifarbige 18-Zoll-Leichtmetallfelgen statt 16-Zoll-Rädern, integrierte Google-Maps-Navigation und das Panorama-Glasdach zu erhalten.

Konkurrenz: Sollte man die BYD Dolphin G wählen?

Trotz ihrer auf Europa zugeschnittenen Entwicklung wird die BYD Dolphin G in den ungarischen Produktionsstätten der Marke vermutlich nicht priorisiert werden. Das erste europäische Werk des chinesischen Herstellers wird vorrangig vollelektrische Modelle fertigen, die erheblich davon profitieren, lokal produziert zu werden – insbesondere durch die Berechtigung für den Umweltbonus. Der Preis der Dolphin G dürfte in Frankreich daher kaum sinken, zumal die Regierung Plug-in-Hybride nicht mehr auf diese Weise fördert. Mit einem Einstiegspreis ab 23.490 Euro bleibt die BYD Dolphin G dennoch günstiger als ein Renault Clio 5 Hybrid für 24.500 Euro oder ein neuer Clio 6 Hybrid für 24.600 Euro.

Preise der BYD Dolphin G 2026:

  • Active: 23.990 Euro
  • Boost: 26.990 Euro
  • Comfort: 28.490 Euro
  • Sport: 29.490 Euro

Hier finden Sie Details zu den Ausstattungen und Optionen der BYD Dolphin G 2026.

Natürlich ist ein Hybrid-Kleinwagen im Jahr 2026 noch vielseitiger als ein elektrischer Kleinwagen mit begrenzten Batteriekapazitäten. Beim Preis stellt sich jedoch die Frage. Denn eine BYD Dolphin Surf kostet weniger als eine Dolphin G und bleibt unter 20.000 Euro. Das gilt auch für Konkurrenzmodelle, insbesondere für den MG4 Urban. Dieses weitere Elektroauto bringt starke Argumente mit: einen niedrigen Preis von 19.990 Euro wie die Dolphin Surf, aussergewöhnlich viel Innenraum und einen riesigen Kofferraum mit 480 Litern. Mit 4,40 m ist er grösser als die Dolphin G und bietet nach unserer Einschätzung die bessere Vielseitigkeit, auch bei Fahrverhalten und Verarbeitungsqualität.

BYD hat dennoch gut daran getan, die Dolphin G mit einem grösseren Kofferraum als die Dolphin Surf auszustatten. Das hochwertigere Lenkrad und die etwas edler wirkende Inneneinrichtung helfen ihr, zeitgemäss aufzutreten und einige Kunden von europäischen Herstellern wie dem französischen Champion Renault zu gewinnen. Bei Peugeot, der Marke mit dem Löwen, muss man zur 308 greifen, um ein vergleichbares Angebot zu finden – allerdings in einem anderen Segment. Auch der Preis verändert sich: Für ein Modell mit 85 km rein elektrischer Reichweite müssen mehr als 40.000 Euro ausgegeben werden.

BYD Dolphin G

23.990 Euro

8.3

Kategorie Bewertung
Fahren 8.0/10
Innenraum 7.5/10
Technik 8.0/10
Reichweite 10.0/10
Preis/Ausstattung 8.0/10

Das gefällt uns

  • Ein Kofferraum mit 425 Litern und fünf Sitzplätze im Innenraum (die Dolphin Surf bietet nur vier Plätze)
  • Günstiger als die französische Konkurrenz (halb so teuer wie ein Peugeot 308 PHEV)
  • Hochwertiger gestalteter Innenraum als bei der Dolphin Surf
  • Mehr als 100 km rein elektrische Reichweite und 1.000 km kombiniert
  • Teilautonomes Fahren bereits ab der Ausstattung Active

Das gefällt uns weniger

  • Nicht mehr Platz im Innenraum, geringere Kopffreiheit als in der Dolphin Surf
  • Zu hohe Sitzposition am Steuer
  • Die eigentliche Dolphin G beginnt erst mit der Ausstattung Boost
  • Weniger Komfort als in der Dolphin Surf (straffere Federung, höheres Fahrzeuggewicht)
  • Der Schatten des MG4 Urban: eine günstigere kompakte Limousine mit rein elektrischem Antrieb

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen