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Kia EV3 auf dem Stuart Highway: elektrisch durchs australische Outback

Blauer Kia SUV fährt schnell auf staubiger Offroad-Piste bei Sonnenuntergang in ländlicher Umgebung.

Vor 160 Jahren brauchte der üppig bärtige Entdecker John McDouall Stuart drei Anläufe, um als Erster Australien in Nordrichtung zu durchqueren. Rund fünf Minuten nach Beginn seiner erfolgreichen Expedition trat ihm ein erschrockenes Pferd gegen den Kopf und trampelte leicht über ihn hinweg. Als härteste bekannte Variante des Menschen – ein viktorianischer Schotte – lehnte Stuart einen Krankenhausaufenthalt ab und ließ sich stattdessen fast über ein Drittel der 3.219-Kilometer-Odyssee auf einer Trage transportieren.

Ich bin nicht die härteste bekannte Variante des Menschen. Ich bin ein Millennial, der halb Avocado ist und bei YouTube nachschaut, wie man Regale montiert. Auch mein Versuch, Stuarts Route beim ersten Anlauf in einem elektrischen Schrägheckmodell nachzufahren, dürfte Kopfzerbrechen bereiten.

Mit dem Kia EV3 auf dem Stuart Highway

Die Straße, die ich benutze, trägt zu McDoualls Ehren seinen Namen: Stuart Highway. Erst gegen Ende der 1980er-Jahre war sie durchgehend asphaltiert, und Tempolimits wurden erst ab 2007 kontrolliert. Bei jedem Roadtrip mit Elektroauto ist die schiere Entfernung normalerweise der Gegner – und davon gibt es reichlich: 3.090 Kilometer von Adelaide, der Hauptstadt Südaustraliens, bis Darwin, der größten Stadt des Northern Territory. Doch in den kommenden viereinhalb Tagen fordert die Umgebung selbst nahezu jedes Auto heraus. Wir fahren schnurgerade ins australische Outback. Es ist eine Respekt einflößende Wildnis, größtenteils ohne Mobilfunkempfang und voller tödlicher Tiere; im Sommer können die Temperaturen tagsüber über 40 °C steigen und nach Einbruch der Dunkelheit unter den Gefrierpunkt fallen.

Fotos: Dean Smith

Heute Morgen ist es in Adelaide jedoch mild, und unser Kia EV3 in Basisausstattung – mit dem 3.000-£-Upgrade für die Long-Range-Batterie – verspricht bei voller Ladung 644 Kilometer Reichweite. Der örtliche Händler hat uns ein Reserverad geliehen, denn der EV3 wird nur mit Reifenpannenschaum ausgeliefert. Außerdem haben wir ein zusätzliches Kabel besorgt, um bei enttäuschender Ladeinfrastruktur an Drehstromanschlüsse auf Campingplätzen andocken zu können. All das, dazu Foto- und Videoausrüstung, Verpflegung, Wasserflaschen und ein kräftiges Abschleppseil, liegt in unserem Diesel-SUV als Begleitfahrzeug. Er wurde bewusst wegen seiner Anhängelast von 3,5 Tonnen ausgewählt. Ins Outback fährt man nicht ohne Notfallplan. Und je weniger Gewicht der Kia tragen muss, desto besser.

Der Verkehr in Adelaide fließt entspannt, und zur Mittagszeit erreichen wir Port Augusta, eine verschlafene, unscheinbare Stadt, die ihren Ruf als „Tor zum Outback“ nur widerwillig ausspielt. Weil am Fluss ein 200-kW-Lader steht, laden wir nach. Unsere Strategie für Zwischenstopps unterscheidet sich von der bei einem Verbrenner: Man fährt nicht erst, bis die Tankwarnleuchte blinkt, und dann sucht man eine Tankstelle. Wir müssen den Akku möglichst gut gefüllt halten, damit noch genug Energie für den nächsten Ladepunkt bleibt, falls einer ausfällt. Der kann mitunter fünf Stunden entfernt sein.

Sobald Port Augusta und die Zivilisation im Rückspiegel verschwinden, ist es faszinierend zu beobachten, wie die Natur beim offiziellen Eintritt ins Outback praktisch aufgibt. Die mit Bäumen und Gräsern bewachsenen Straßenränder gehen in trockene Buschlandschaft mit vereinzelten brokkoliartigen Büscheln und grau gebleichter Rinde über. Das Thermometer klettert nicht über die mittleren 20er, doch ich bin froh, dass der EV3 Air in Einstiegsausführung auf ein Panoramadach mit Treibhauseffekt verzichtet. So kann ich die Klimaanlage ohne Sorge laufen lassen. Sie meldet gesunde 6,9 km/kWh, was einer maximalen Reichweite von ungefähr 560 Kilometern entspricht. Vielleicht wird das leicht? Leichter jedenfalls, als einen elektrischen Lotus an die Riviera zu fahren. Ich lehne mich zurück, starte Men at Work aus einer gespeicherten Playlist und sehe zu, wie der Handyempfang verschwindet.

Unser Übernachtungsstopp ist Spud’s Roadhouse, 483 Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Eine Akkuladung hätte reichen können, aber warum das Risiko eingehen? Bei Spud’s gibt es einen Schnelllader, und weniger als zwei Stunden nach unserer Ankunft beim ersten von mehreren spektakulären Sonnenuntergängen im Outback ist der EV3 wieder vollständig geladen.

Ein Roadhouse ist ein durch und durch australisches Phänomen: eine Mischung aus Tankstelle, Motel, Lkw-Raststätte und Kneipe. Wir essen Burger, lachen über die außergewöhnlich vulgären Souvenirs im Shop und ziehen uns in Zimmer zurück, die wie Zellen eines sowjetischen Gefängnisses eingerichtet sind.

Wir brechen bei Sonnenaufgang auf, um die kühlste Tageszeit zu nutzen. Warum nicht einfach nachts fahren? Weil man sich außerhalb eines 200-Tonnen-Roadtrains mit Rammbügeln, für die sich Mad Max schämen würde, nach Einbruch der Dunkelheit von den Highways des Outbacks fernhält – wegen Australiens tödlichstem Tier. Vergesst Haie, Schlangen und Skorpione: Jährlich sterben mehr Australier bei Verkehrsunfällen mit Kängurus als bei Begegnungen mit jeder anderen Kreatur. Das schlägt sich spürbar in den australischen Versicherungsprämien nieder, und als wir Kurs nach Norden nehmen, ist die frische Bilanz der Straße erschreckend. Etwa alle 90 Meter liegt ein zerplatztes Känguru, dessen Innereien von wohlgenährten Vögeln bereitwillig gefressen werden. Da Kängurus in ihrem Heimatland als Schädlinge gelten, werden sie ungefähr so sehr betrauert wie eine an der Windschutzscheibe zerdrückte Fliege. Umso erleichterter sind wir, als wir ein paar Stunden später lebende Tiere durchs Buschland hüpfen sehen.

Buzz Aldrin fasste die Mondlandschaft treffend als „prächtige Ödnis“ zusammen. Ich glaube, ich weiß, was er meinte. Die Landschaft wirkt fast tot: nichts außer eisenoxidfarbenem Staub, gelegentlichen knorrigen Ausbrüchen von Gestrüpp und einem undeutlichen Horizont, der in der Hitze flimmert. Hier draußen ist ein Auto nicht nur notwendig, sondern eine Lebensader. Der Kia fährt einfach unbeirrt weiter. Die Klimaanlage bläst eiskalt, auch wenn die Effizienz dadurch auf 6,0 km/kWh sinkt. Dass mir nach vier Stunden nicht der Hintern einschläft, spricht für die Sitze der günstigsten Version. Das Auto vermittelt ein erwachsenes, großes Fahrgefühl, und mir gefallen sein reifes, gelassenes Fahrverhalten, die geringen Windgeräusche und der Eindruck, es sei so solide konstruiert wie früher ein Golf. Unsere Abgeschiedenheit kündigt sich durch ein, nun ja, Schild an: Ein gelbes warnt davor, die Straße mit Flugzeugen zu teilen. Abschnitte des Stuart Highway sind verbreitert, damit sie dem Royal Flying Doctor Service – der fliegenden Ambulanz des Outbacks – als Landebahnen dienen können. Ich behalte den Himmel im Blick, doch selbst Keilschwanzadler machen sich hier nicht die Mühe abzuheben.

Reichweitenangst und Ladeprobleme im Outback

Bei Coober Pedy, dem Zentrum des Opalabbaus, bewegen sich die Temperaturen im Bereich „Deckung suchen“, und wir müssen entscheiden. Entweder halten wir gut 160 Kilometer weiter nördlich an einem quälend langsamen Ladepunkt, oder wir umgehen die Umständlichkeit und fahren bis nach Ghan, satte 483 Kilometer entfernt, um dort über Nacht zu laden. Dann also die erste Hypermeilen-Etappe: Klimaanlage aus, Karosseriespalte abgeklebt.

Ich merke, wie ich zu diesem ausgesprochen vernünftigen, rundum gelungenen kleinen Auto eine Bindung aufbaue und es weiter in den trockenen Abgrund treiben will.

Die angezeigte Reichweite beträgt 483 Kilometer. Heiß wie aus einem Händetrockner strömt die Luft aus den Düsen, und ich reduziere das Reisetempo von 97 auf gerade einmal 56 km/h. Binnen Minuten sammelt sich mein Schweiß auf den Armlehnen und bildet Pfützen auf dem Sitzpolster. Selten verlor ein Neuwagen schneller an Wert. Nun wird die Anti-Elektroauto-Fraktion sagen: „Na bitte – wenn deine inneren Organe zu getrockneten Aprikosen werden, sind Elektroautos im Outback offensichtlich ungefähr so nützlich wie ein Eishotel.“ Ich finde dagegen, Reichweitenangst lässt sich am besten entschärfen, indem man sie gleich zu Beginn abarbeitet. Den Stress also früh hinter sich bringen. Nach einer unangenehmen Stunde hat das vorsichtige, stickige Dahinzuckeln genügend Reserven geschaffen, damit ich die Klimaanlage einschalten und Ghan trotzdem erreichen kann. Gerade so.

Eine Stunde vor unserer heutigen Unterkunft überholen wir einen Tesla Model Y. Er kann nur zu demselben einzigen Ladepunkt unterwegs sein. Damit wird es ein Rennen, ein Nerventest, der in Schritten von 1 km/h am Tempomaten und 0,5 °C bei der Innenraumtemperatur ausgetragen wird. Mit aufgeblendeten Scheinwerfern, die nach Kängurus suchen, überqueren wir die Grenze zum Northern Territory. Jede zweite Sekunde wandern meine Augen zum Rückspiegel, doch er versucht nicht, in unserem Windschatten dranzubleiben.

Die Erleichterung hält nicht lange. Als wir Ghan mit einem einstelligen Akkustand erreichen – der Ort ist nach afghanischen Siedlern benannt, deren Kamele diese Route beherrschten, bevor der Verbrennungsmotor sie ablöste –, weigert sich der Lader hartnäckig, eine Verbindung mit dem Kia einzugehen. Bislang lieferte Chargefox, Australiens größter und beliebtester Ladeanbieter, makellosen Dienst. Diese Säule gehört jedoch der National Road and Motorists Association. Oder auch nicht. Die NRMA-Hotline erklärt, der Lader sei wegen Beschwerden seit Wochen außer Betrieb und könne nicht aus der Ferne neu gestartet werden. Die Dame im Callcenter wünscht uns Glück und eine gute Nacht in der Wüste. Es ist 22 Uhr, Mücken fressen uns auf, und meine Wette, den langsamen Lader auszulassen, entwickelt sich zum Totalausfall.

Dean, unser Fotograf, hat einen Geistesblitz: Mit einem Blasebalg für Objektive und einem bewährten Mikrofasertuch reinigt er das Innere der Buchse. Klumpen roten Staubs lösen sich aus den Kontakten, und nach 45 Minuten Stress und Flüchen sickert Strom in den erschöpften EV3. Wir wollen gerade in ein weiteres spartanisches Roadhouse-Zimmer verschwinden, als ausgerechnet jemand in den Ort rollt.

Josh, der Tesla-Besitzer, möchte heute Abend noch 193 Kilometer weiter nördlich in Alice Springs zu Hause sein. Ich erkläre ihm, dass wir eine Stunde laden müssen, um morgen dasselbe Ziel zu erreichen. Laderwut? Nicht hier. Josh strahlt pure „Kein Problem, Kumpel“-Gelassenheit aus und verbringt seine Wartezeit damit, uns Elektroauto-Weisheiten mitzugeben. „Was ihr macht, dieser Highway, dieser Teil von Australien – das ist der mit Abstand schlimmste Abschnitt des Landes. Sie stellen Lader in die pralle Sonne und wundern sich dann, dass sie bei 46 °C überhitzen.“ Ich stelle einen Wecker vor Sonnenaufgang, um den Kia weiter aufzuladen, doch die Säule vereitelt den Plan: Sie ist komplett tot. Leere Bildschirme, und auch noch so viel Staubwischen hilft nicht. Seltsam. Josh wirkte nicht wie jemand, der Ladepunkte sabotiert.

Wir haben 177 Kilometer Reichweite, vor uns liegen jedoch 201 Kilometer bis zum nächsten Halt. Wieder wird der EV3 zu einem langsam fahrenden Schongarer und erreicht Alice Springs – die Hauptstadt des australischen „Roten Zentrums“ – mit vier Prozent Akkustand sowie über seine zahlreichen Displays prangenden Warnungen „Leistung reduziert – JETZT LADEN“. Wieder handelt es sich um einen NRMA-Lader, der erst funktioniert, nachdem eine Einheimische vorschlägt, ihn über die Chargefox-App zu aktivieren. Ach, die Kameradschaft unter Elektroauto-Besitzern. Ihr Tesla kommt mir bekannt vor ... tatsächlich ist unsere Retterin Frau Josh. Kleine Welt.

Alice Springs ist in dieser Gegend eine pulsierende Metropole. Seine 25.000 Einwohner machen zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des Northern Territory aus, und dies ist die größte einzelne Siedlung, die wir auf den nächsten 1.448 Kilometern sehen werden. Ich hätte das Museum für Roadtrains gern besucht, aber ihr kennt das Prozedere: laden, trinken, fahren.

Wir kommen über den höchsten Punkt des Stuart Highway, 727 Meter über dem Meeresspiegel. Wäre es von hier doch nur bergab. Für ein Elektroauto ist diese Reise zermürbend: ständiger Energieverbrauch, nie Rollenlassen oder Rekuperieren, dauerhafte Kühlung der erstickend heißen Kabine. Als es Abend wird, weichen wir einige Kilometer auf eine unbefestigte Seitenstraße aus, um zu erleben, wie der Stuart Highway vor seiner vollständigen Asphaltierung war. Auf dem feinen, schluffigen Staub liegt der EV3 stabil, doch die Bremswege sind alles andere als überzeugend – wie sich daran zeigt, dass ich die Drohne überfahre.

31 Minuten 42 Sekunden

Wäre das doch schon der Tiefpunkt des Tages. Im Dorf Ti Tree essen wir zu Abend, doch das Roadhouse bietet keine Lademöglichkeit. Somit folgt eine letzte Abendetappe von 89 Kilometern bis zum Barrow Creek Hotel. Dieser abgelegene Ort ist nicht nur für seine Bewertungen bei TripAdvisor berüchtigt: Ende des 19. Jahrhunderts kam es dort zu mehreren blutigen Auseinandersetzungen zwischen indigenen Stämmen und Betreibern der Telegrafenstation. Im Jahr 2001 folgte ein Mord an einem Rucksackreisenden, der den Horrorfilm Wolf Creek inspirierte. Als wir angekommen sind und den Lader verstanden haben – er wird lautstark von einem ratternden Dieselgenerator in einem nahen Schuppen versorgt –, ist Besitzer Les furchtbar betrunken, besteht aber auf einer lallenden, ziellosen Führung. Kakerlaken huschen über den Boden. Wir entschuldigen uns grundlos und überlegen, in den Autos zu schlafen.

Vom Roten Zentrum bis Darwin

Wir „verlassen“ Barrow Creek nicht. Wir fliehen. Nach zusammen gerade einmal einer halben Stunde Schlaf machen wir uns so schnell wie möglich ins Buschland auf, genießen die Pracht eines Sonnenaufgangs im Outback und versuchen gleichzeitig, das Grauen unserer Unterkunft zu verarbeiten. Wikipedia-Artikel über örtliche Morde einrahmen – wer tut so etwas? Erst an einem Roadhouse 113 Kilometer weiter nördlich halten wir wieder an.

Unser vorletzter Ladestopp wird sich ein paar Stunden weiter nördlich auf einem Campingplatz quälend hinziehen. Weil das unerquicklich werden dürfte, gönnen wir uns vorher einen Halt bei den Felsformationen Devil’s Marbles. Mitten im Nirgendwo treffen wir Brad und seinen Holden „Knutschwagen“, einen jener berüchtigten Utes mit geschlossener Ladefläche, die in den 1970er-Jahren die australische Autokultur eroberten. Laute V8-Motoren, noch lautere Grafiken und Wasserbetten mit Langflor-Teppich im Heck. „Dieser Wagen war für zwei Scheidungen und mindestens eine Schwangerschaft verantwortlich“, grinst sein Besitzer.

Ich bin ehrlich verblüfft, wie gelassen der EV3 das alles hinnimmt: die Entfernung, die Temperaturen, den unerbittlichen Zeitplan, die spontanen Ausflüge ins Gelände. Kein Problem. Keine Fehlermeldungen, keine Aussetzer. Er ist nicht auffällig spannend, doch während er mich durch diese atemberaubend kahle Landschaft gleiten lässt, merke ich, wie ich zu diesem ausgesprochen vernünftigen, kompletten kleinen Auto eine Bindung aufbaue und es weiter in den trockenen Abgrund treiben will. Von Insekten verschmiert und mit Staub verkrustet, irgendwie völlig außerhalb seines Elements und doch vollkommen entspannt. Mit echten Heizungsbedienelementen und ohne haptische Tasten am Lenkrad ist er weniger nervig als alle europäischen Rivalen und bietet bei Ausstattung wie Reichweite das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. In vier Tagen nähern wir uns einem Viertel der jährlichen Fahrleistung eines durchschnittlichen britischen Fahrers; ich würde deshalb vermutlich auch für die Zuverlässigkeit bürgen, die jene siebenjährige Garantie verspricht. Die Koreaner haben Volkswagen beim Golf übertroffen. Wie ist das passiert?

Bei dieser Gelegenheit machte der elektrische Antrieb das Abenteuer besser.

Nach einer deutlich angenehmeren Nacht im hervorragenden Daly Waters Historic Pub Roadhouse – mit eigenem Museum für klassische Autos, ein Pflichtbesuch – sind wir wirklich auf der letzten Etappe. Bis Darwin sind es 579 Kilometer, mit einem weiteren Halt in Mataranka, wo Bagger den Parkplatz aufreißen. Es sieht aus, als wären wir erledigt, bis Roadhouse-Besitzerin Tracey die Arbeiter vorzeitig in die Mittagspause schickt. Das ist australische Gastfreundschaft. Unsere neunte und letzte Ladung beschert uns 507 Kilometer Reichweite für die tropische Schlussstrecke von 418 Kilometern.

Der Blick durch die gesprungene Windschutzscheibe ist nun viel grüner: üppige Gräser, dichter Baumbestand und Wälder aus Termitenhügeln, die sich über dem Kia wie Wolkenkratzer in Manhattan erheben. Die Luftfeuchtigkeit steigt, und ein kurzer Regenschauer spült einen großen Teil des Straßenschmutzes vom Kia. In der Woche vor unserer Ankunft war diese Route von Rekordniederschlägen und Überschwemmungen heimgesucht worden. Abgesehen von bedrohlich wirkenden Wolken über uns gibt es aber kein Zeichen, dass uns ein Sturm auf den letzten Metern aufhalten könnte.

Kurz vor 21 Uhr Ortszeit rollt der EV3 in Darwins Fisherman’s Wharf ein und fühlt sich – wenn auch nicht mehr so riechend – genauso frisch an wie vor 3.154 Kilometern. Der Bordcomputer verrät mir, dass ich insgesamt 47 Stunden und 57 Minuten am Steuer saß und durchschnittlich 6,1 km/kWh erzielte, was unter realen Bedingungen 488 Kilometer Reichweite bedeutet. Ich bezweifle nicht, dass ein Verbrenner früher angekommen wäre: wegen der höheren Durchschnittsgeschwindigkeit und weniger, kürzerer Pausen. Ich hätte außerdem nicht beide Nieren ausgeschwitzt. Aber ist der Sinn eines Roadtrips, möglichst schnell anzukommen? Bei dieser Gelegenheit machte der elektrische Antrieb das Abenteuer besser. Elektroautos verheißen manchmal eine sterile Zukunft. Doch glaubt mir: Wenn ihr Zeit übrig habt, bringt ein solcher Roadtrip den Pioniergeist von McDouall Stuart zurück ins Reisen durchs Outback.

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