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Hyundai Ioniq 6 N: Der neue Elektro-Sportler im Detail

Blauer Hyundai Ioniq 6 N Elektro-Sportwagen von hinten in einer Industriehalle.

Der Ioniq 5 N war eine echte Offenbarung. Hyundais N-Abteilung nahm einen komfortablen, leicht pummeligen Elektro-Crossover und verwandelte ihn in einen mitreißenden, übergroßen Hot Hatch: mit beängstigender Beschleunigung auf der Geraden, einem simulierten Schaltgetriebe mit Schaltwippen und einem echten Driftmodus, der die Reifen zerlegt.

Jetzt steht das schwierige zweite Album an – und zum Glück weicht Hyundai nicht vom bewährten Rezept ab. Genug der Metaphern: Das Wichtigste zuerst. Der neue Ioniq 6 N erhält grundsätzlich denselben Antrieb wie der 5 N, also zwei Elektromotoren mit zusammen 442 kW (601 PS). Wie bereits beim 5 N gibt es zudem die Taste „N Grin Boost“, die für zehn Sekunden 472 kW (641 PS) und 770 Nm Drehmoment freisetzt. Damit soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in nur 3,2 Sekunden gelingen. Autsch.

Obwohl die Leistungswerte identisch sind, will Hyundai die Motoren mit neuen Magneten verbessert haben, um „den Zeitpunkt der Leistungsreduzierung“ auf der Rennstrecke oder bei besonders engagierter Fahrt hinauszuzögern.

Antrieb, Batterie und N-Funktionen des Hyundai Ioniq 6 N

Auch der Akku stammt aus dem 5 N: Es handelt sich um eine 84-kWh-Batterie, die sich in 18 Minuten per Schnellladung von 10 auf 80 Prozent bringen lassen soll. Voll geladen soll sie eine Reichweite von rund 467 km ermöglichen. Dabei handelt es sich allerdings bislang lediglich um Hyundais eigene Schätzung; ein offizieller WLTP-Wert soll noch folgen. Auch hier gab es Anpassungen: Das überarbeitete System „N Battery Conditioning“ lässt den Fahrer zwischen den Modi „Drag“, „Sprint“ und „Endurance“ wählen, um die Batterie für die jeweilige Fahrweise auf die ideale Temperatur zu bringen. Für maximale Beschleunigung in einem einzigen Durchgang liegt „Drag“ offenbar zwischen 30 und 40 Grad, während „Endurance“ für länger anhaltende Leistung mit 10 bis 20 Grad auskommt.

Kleinere Software-Weiterentwicklungen gegenüber dem 5 N scheinen hier das zentrale Thema zu sein. N-Chef Joon Park betont, Hyundai habe auf Kundenrückmeldungen gehört. Deshalb bietet der „N Drift Optimizer“ nun mehr Einstellmöglichkeiten, um Einleitung, Winkel und Radschlupf beim Driften anzupassen. Mit dem Modelljahr-2025-Update des 5 N erhielt das System bereits zehn Stufen – von Einstellungen für Einsteiger bis hin zu einem Profi-Modus. Beim 6 N soll es jedoch noch weiter gehen.

Auch „N e-Shift“, das simulierte 8-Gang-Getriebe mit Schaltwippen, wurde weiterentwickelt: Die Ambientebeleuchtung signalisiert nun den idealen Zeitpunkt zum Hochschalten, außerdem lässt sich das System jetzt in sämtlichen Fahrmodi nutzen. Ja, sogar in Eco. Gute Nachrichten für alle Fans besonders sparsamer Rennstreckentage. Das System arbeitet künftig außerdem mit N Launch Control und dem Driftmodus des Ioniq 6 N zusammen, sodass sich beeindruckende Rutscher im „vierten Gang“ vor Freunden vorführen lassen.

Es gibt noch mehr: „N Active Sound +“ erhält einen neuen, nun ja … Klang. Außerdem soll die Klangqualität sowohl für das künstliche Motorgeräusch als auch für den futuristischen Raumschiff-Soundtrack besser sein. Die Funktion „N Track Manager“ ermöglicht es zudem, individuelle Strecken anzulegen und anschließend Daten sowie Rundenzeiten zu überwachen. Für das vollständige Gran Turismo-Erlebnis erscheint beim Rundenfahren sogar ein Geisterfahrzeug auf dem Display.

Deutlich schärferes Design und Fahrwerk

Auch über das Erscheinungsbild sollten wir sprechen. Während der 5 N nur etwas aggressiver auftritt als das Serienmodell, wurde der 6 N – auf Basis des kürzlich überarbeiteten 6 – offenbar mit Anabolika behandelt.

„Alle Änderungen am Design erfüllen einen Zweck“, erklärt Chefdesigner Eduardo Ramirez gegenüber TG. „Die Form folgt der Funktion.“ Zu diesen Änderungen zählen ein deutlich größerer Frontgrill mit aktiven Klappen, ein neuer Frontsplitter und eine breitere Karosserie. Die Radhäuser wachsen vorn und hinten auf jeder Seite um 30 mm. Passend dazu wurden auch die Seitenschweller ziemlich dramatisch verbreitert. Hinzu kommen leichte geschmiedete 20-Zoll-Räder, während am Heck ein verlängerter Diffusor und eine große schwarze Blende mit winzigen Pixelleuchten sitzen. Natürlich gibt es auch einen riesigen Heckflügel mit Schwanenhals-Halterung. Wer damit noch nicht genug Aufmerksamkeit erzeugt, dürfte im Katalog der N-Performance-Teile einen noch größeren finden.

Hyundai erwartet, dass dieses Modell präziser, kompromissloser und stärker auf den Rundstreckeneinsatz ausgerichtet sein wird als der 5 N. Die neue hintere Domstrebe ist vom Kofferraum aus sichtbar, und die Fahrwerksgeometrie soll vollständig neu konstruiert worden sein. Auch das Chassis wurde überarbeitet, um Wankbewegungen der Karosserie zu verringern. Neu sind elektronisch geregelte Dämpfer mit Huberkennung und straffere Federn. Hyundai hat darüber hinaus an den Bremsen gearbeitet, damit beim kräftigen Tritt aufs Bremspedal noch mehr Rekuperation genutzt werden kann.

An der Hinterachse arbeitet ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial. Ein Gewicht nennt Hyundai zwar noch nicht, doch es wäre keine Überraschung, wenn der Ioniq 6 N etwas leichter als der 5 N ausfiele. Im Innenraum gibt es Sportsitze, ein N-spezifisches Lenkrad und reichlich Alcantara.

Hyundais N-Abteilung feiert inzwischen ihren zehnten Geburtstag, doch Park sagt gegenüber TG: „Das war erst die erste Runde.“ Was sie wohl als Nächstes ausheckt?

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